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Gedichtarchiv -  August 1999


Hermann Burte: Letzte Bitte | Gottfried Schafbuch: Stearnschnuppenacht | Gertrud Böhler: Sürpflede | Hans Flügel: Eso sin d Lüt


Letzte Bitte
Hermann Burte

Ihr Kamerade, wenn I stirb,
So bettet mer im Laim,
Un wenn I schließlig au verdirb -
I bitt ych: Nüt as haim!
Was wännt der pflanze uf my Grab?
Stächpalme willi ha,
Die Blätter immer grüen un blank,
Die stöhn mir prächtig aa.

So Beeri roth im dunkle Laub
Sin stari Tropfe Bluet,
I ha mi selber all verletzt -
Weiß Aine, wie das dhuet?
I ha mi scharf gmacht, numme z'scharf,
Do hets halt Scharte geh!
Verstöhndter jez, wieso n I darf
Dä Baum zuem Sinnbild neh?

Im Winter, wenn's e Chälti git,
Göhn waichi Blätter z'Grund,
Stächpalme aber tschuuderets nit,
Sie stöhnde chäch un gsund -
Es fallt uf mi so chalt wie Schnee
Ne hässige Vergunscht,
Doch ständig würd me läbig seh
My Wäse un my Chunscht.


Stearnschnuppenacht
Gottfried Schafbuch

Im Himmel ischt, schiint's, hitt e Fäscht,
es sind so glitzig d' Stearnli gwäscht,
und lache duert de Mau verschmitzt
will ‘s Lämpli heall und suuber blitzt.
Ko Wölkli schliicht ihm i sin Weag;
de Näbel bringt kon Milchbrei zweag.

Guck, wie ziiht uff e Stearnliheer,
e funklig, wuslig Liechtermeer.
Uff d' Fäschtwiis danzet d' Stearnli glii
und gvädderlet mit erem Schii.
Si fliiget, schießet ummenand
und geitschet bis an Himmelsrand.

E Bäsli trifft sin Vetter doo
und frooget glii im Schätzli noo.
Verläge sänkt de Bue sin Blick.
I d' Nacht versunke ischt si GIück.
Sankt Laurenz schtoht debei und schreit;
baar Träne sind vum Himmel kheit.


Sürpflede
Gertrud Böhler

Sürpflede,
wa sott da si?
I glaub, es dreiht sich um de Wii.
Me mueß eweng ins Gläsli ge,
bedächtig deno an d Lippe ne,
no mueß mr sürpfle - nei - it suufe,
me mueß au zwüsche iine schnuufe,
und höre mueß mr's obe dri,
denn da velangt e guete Wii.

Sürpfle,
da isch alemannisch,
e guet Fläschli uffem Disch,
grad wie d Schproch, so isch de Wii,
urchig, süffig, mueß er si.
Mit me Ardgu no dezue,
mach bim Sürpfle d Auge zue,
lueg inne abe, sehsch, wie's dropft,
und an di Härzensdürli chlopft?
Machs Dürli uff, loß ii de Wii.
Sehsch - da isch jetzt e Sürpflede gsi.


Eso sin d Lüt
Hans Flügel

Wennd stolberesch
un anekeisch
und en Fueß brichsch,
vezellsch überall ume,
wa de für en Pechvogel bisch.

Wennd it stolberesch
un it anekeisch
un kon Fueß brichsch,
saisch mit kom gozige Wort,
wa du für e Glück häsch.

 

 

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