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Gedichtarchiv -  Mai 2000


Bruno Epple: Mai | Ingeborg Schütze-Denz: Maiechind | Michel Maier: De Proteschtsänger | Eugen Falk-Breitenbach: Alemannisches Heimatgebet


Mai
Bruno Epple

E selig Hochzit macht de Maie,
wie glitzts im Morgeschii.
De Bluuscht steibt uf, s duet Bliete schneie,
allum nu Bluemeringelreihe,
und luschtig flattrets drii.

Er blooset Fleete, heersch en singe?
S goht wundermild is Ohr,
und s Herz daut uf und fangt a klinge,
me wett vor Freid durch d Wise springe,
am See durch Schilf und Rohr.

Bliib it vehertet, sperr de it,
wenn d äbbes vu de Liebe witt.


Maiechind
Ingeborg Schütze – Denz

Lueg nume wie de Lewat stoht!
Weisch wer dur Wald un Matte goht?
I mein i mueß de Binsel neh -
es wurd e heitres Bildli ge.

E Lüftli weiht so fiin un lind,
chumm un schmück di Maiechind.
Mit Blueme lila, gäl un rot
un was dr suscht zuem Gsichtli stoht.

De Himmel isch so summerblau
un sihsch du selli Amslefrau?
Si macht e Nescht für ihri Chinder
un uf de Matte grase d’ Rinder.

Wie freue sich jetz alli Lüt,
wenn d’ Chirsibäum wie wißi Brüt
uf de Matte stöhn un ufem Feld.
Herrlich isch die Früehlingswelt.


De Proteschtsänger
Michel Maier

Schöni Wort tüen erklinge,
sie sin guet komponiert -
was de Proteschtsänger tuet singe,
isch nett interpretiert.

Des muess jo ans Herz
- un ihm machts Plässier -
“jede menschliche Schmerz
verlangt Güte vu dir!”

Verstehe un Verzeihe
isch menschliche Pflicht,
loss kein abekeie,
de verliersch sunscht di Gsicht.

“Heb uf, was emol gfalle
un reich ihm die Hand!” -
so klingts in dr Halle,
s het viel Herz un Verstand!

“Öffnet die Tür”, het r gsunge,
doch alles isch Bluff -
de Gsang isch verklunge . . .
er selbscht macht sie nit uf!

Er ka interpretiere
uf sellem große Podescht,
dno duet er d Gage kassiere . . .
un numme für andri
blibt si Protescht!


Alemannisches Heimatgebet
Eugen Falk-Breitenbach

Härrgott! de muesch mr’s nit veriiwle,
Wänni hit zue dääre Schtund,
Fir mii Haimet bitt un bädel,
Daß nint Bääses driiwer kunnt.

Duen in alli Härze bränne,
Daß’s gluust wie Funkelschtai,
In alli Tiirepfoschte schtämme
Des Wertli “Haimet” ganz ellai.

Schwarzwald, Haimet, Huus un Boode,
Baum un Quälle, schtill un liis,
Bärg un Dääler, Huuch un Oode,
Lut un Lied un frommi Wiis.

Alles zämme due vergraawe
Dief in unsri Härze nii,
Daß die nooch uns kenne saage:
“In uns isch alles Haimet gsii”.

 

 

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