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Gedichtarchiv -  November 2000


Rosemarie Banholzer: Schpätläs’ | Margarete Brombacher: Lied vom Penner | Hermann Landerer: Un am Bode raschlet s Laib | Philipp Brucker: Herbst


Schpätläs’
Rosemarie Banholzer

Wie guet ka doch e Schpätläs’ si
und des it nu bim Badener Wi,
au bi de Wiblen, it ganz aalte,
isch so en Kenner it schlecht g’haalte.

Bim Wii isch d’Süeße und ’s Bukett
des gliichlig, wie wenn ’s Wible nett
mit Charme und Gmüet isch uusschtaffiert
und au d’ Geduld it glei veliert.

Gar schpritzigherb, mit vill Humor,
schtellt me sich so e “Schpätläs’ ” vor
und lieblich soddet beidi si,
sowohl des Wible, als de Wi.

Drum isch e Schpätläs’ doch äbs Fein’s
und besser, als vu beidem kein’s.


Lied vom Penner
Margarete Brombacher

uf ere chleine Bank im Park
sitzt en alde Ma
zwüsche sine Schlurbe
stoht e Fläsche Schnaps
Lumpe um ihn umme
under sich Papiir
Einsamkeit isch in ihm drin
niemers luegt dört hi

sprochlos isch hüt d Stilli
wo si Mantel isch
tonlos sini Wörter
wo niemers höre will
luftleer um ihn umme
er zellt hüt niene meh
läschtig isch er Viile
de Penner wo dört sitzt

de graui Bart isch filzig
de Blick verhange trüeb
de Alkohol isch s einzig
wo ihm bliibe isch
s Läbe hät en beutlet
us sine Gleiser keit
un hüte isch er einsam
heimatlos ellei

uf ere chleine Bank im Park
sitzt en alde Ma
zwüsche sine Schlurbe
de letschti Fründ parat
brueche cha mer niemers
wo us der Reihe tanzt
un drum isch er einsam
heimatlos ellei.


Un am Bode raschlet s Laib
Hermann Landerer

Vrschleieret d Sunne.
Schpoti Hummle brumme.
Warmlächt ischs wiä d Ofekunscht.
D Bögg schdehn in dr Brunscht!
Un am Bode raschlet s Laib!

Drache fliäge!
Diä letschde Schdoore ziäge.
S Räblaib keit.
S Scheenscht dr Wält vrheit.
Un am Bode raschlet s Laib!

D Gedanke kreise.
Im Buabeland sie reise.
Aldi Gsiichtr düche uff:
Wer isch des nur?
Ich kumm nit druff!
Un am Bode raschlet s Laib!

Grüble, Mänsch!
Di Wäg jo kännsch!
In dr Jugend wiäne Maijemorge.
Hit, pfläschderet mit Alldagssorge,
Un am Bode raschlet s Laib!

Wiä scheen wärs Läbe,
Wämr gnua könnt gäbe!
Näbl deggts im Wintr zua . . .
Wundr gits ai do noch gnua!
Un am Bode raschlet s Laib!


Herbst
Philipp Brucker

Loss mi noch e Wiili lewe,
Gib mr noch e bissli Zit,
D’ Blätter schrumfle-n an dr Rebe,
Un zum Herbste-n-isch’s nit wit.

Loss mi do an Grasrain hucke
Fir e stilli Owendstund
Un in’s Elsiss niwrgucke,
Wo dr Sunnestrahl herkunnt,

Der wo d’ gääle Welschkornfähne
Glänzig fascht wiä Siide macht.
D’ Sunn duet an d’ Vogese lehne
Un im Schwarzwald wurd’ s gli Nacht.

Loss mi noch e Wiili lewe,
Gib mr noch e bissli Zit,
D’ Rebscheer wurd’ r no schu hewe
Fir de letschte Triwelschnitt . . .

 

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