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Gedichtarchiv -  März 2001


Johann Peter Hebel: Der zufriedene Landmann | Markus Manfred Jung: Versfüeß | Gerhard Jung: Sell isch suur | Rudolf Vallendor: De Frihling kunnt


Der zufriedene Landmann
Johann Peter Hebel

Denkwol, ,jez lengi au in Sack,
und trink e Pfifli Rauchtubak,
und fahr jez heim mit Eg und Pflug,
der Laubi meint scho lang, ’s seig gnug.

Und wenn der Kaiser usem Rot
in Feld und Forst ufs Jage goht,
se lengt er eben au in Sack,
und trinkt e Pfifli Rauchtubak.

Doch trinkt er wenig Freud und Lust,
es isch em näume gar nit just.
Die goldne Chrone drucke schwer;
’s isch nit, as wenn’s e Schiehut wär.

Wohl goht em menge Batzen i,
doch will au menge gfuttert si;
und woner lost, isch Bitt und Bitt,
und alli tröste chaner nit.

Und wenn er hilft, und sorgt und wacht
vom früeihe Morge bis in d’ Nacht,
und meint, jez heiger alles to,
se het er erst kei Dank dervo.

Und wenn, vom Treffe bluetig rot,
der Jeneral im Lager stoht,
se lengt er endli au in Sack
und trinkt e Pfifli Rauchtubak.

Doch schmeckt’s em nit im wilde Gwühl
bim Ach und Weh und Saitespiel;
er het turnieret um und um,
und niemes will en lobe drum.

Und Fürio und Mordio
und schweri Wetter ziehnem no;
do lit der Grenadier im Bluet,
und dört e Dorf in Rauch und Gluet.

Und wenn in d’Mess mit Guet und Geld
der Chaufher reist im wite Feld,
se lengt er eben au in Sack
und holt si Pfifli Rauchtubak.

Doch schmeckt’s der nit, du arme Ma!
Me sieht der dini Sorge a,
und ’s Ei-mol-eis, es isch e Gruus,
es luegt der zue den Augen us.

De treisch so schwer, es duet der weh;
doch hesch nit gnueg, und möchtsch no me,
und weisch jo nit, wo ane mit;
drum schmeckt der au di Pfifli nit.

Mir schmeckt’s, gottlob, und ’s isch mer gsund.
Der Weize lit im füechte Grund,
und mittem Tau im Morgerot,
und mit sim Otem segnet’s Gott.

Und ’s Anne Meili flink und froh,
es wartet mit der Suppe scho,
und d’Chinderli am chleine Tisch,
me weiß nit, welles ’s fürnehmst isch.

Drum schmeckt mer au mi Pfifli wohl.
Denkwol, i füllmer’s no ne mol!
Zum frohe Sinn, zum freie Muet,
und heimetzue schmeckt alles guet.


Versfüeß
Markus Manfred Jung

uf vogelfüeß
goht s wort
dur e sand

verlöscht

im endlose gschwätz
vo de welle

ufghobe

im freie flug


Sell isch suur
Gerhard Jung

De Linse-Fritz isch in de Rebe
go Pföste setze un verstrebe.
Er chrampft, bis alles richtig sitzt;
kei Wunder, aß de Linsi schwitzt.

Do chunnt de Dokter Spägg verbei
un sait: “Wa soll die Schinderei?
Jetz mach di numme nit gar hi,
do wachst doch numme suure Wii!”

“Dier müen s jo wüsse, was druus würd,
ihr hän jo d Süüri au studiert”
so brummt de Fritz, “i chönnt druf wette,
mit eure Sprützen un Tablette
wird s Leben au nit zuckersüeß,
sell merksch dört, an diim Fridhofsgmües!

Öb bi de Mensche, öb bim Wii,
e bizzeli suur wird nötig sii,
sell git de Sach de richtig Guu,
mir sin nit anderst, i un du!

Un weisch was?” sait de Linsebuur:
“Kei Wii ha, Dokter,
sell isch suur!”


De Frihling kunnt
Rudolf Vallendor

S loßt sich nit länger meh verdusche,
De Frihling kunnt mit großer Macht,
Un d Winterschtirm, si dien verrusche,
Ball zeigt d Natur si volli Pracht.

D Sunne lacht, macht warmi Plätzli,
Gern suecht uff si Mensch un Diir,
Herzlig schmuese Schatz un Schätzli,
Alli lockts ins Freie viir.

Schneeglöckli litte lutt un hell,
Si hän de Winter zwunge.
Un d Imme sin au schu zur Schtell,
Sin in d Freiheit gschprunge.

Vordusse sin si schu am gärtle,
Richte d Beet, schnurgrad un gnau.
Im Hiisli dien si Zego kärtle,
Iwern Zaun schwätzt Frau zu Frau.

D Hund un d Herrli sin au munder
Dabbe gmächlig so mitnand’,
Denn d Natur, si wurd schu bunder,
Lind sin d Liftli ummenand’.

D Sunne lacht un Frihling wurds
Un d Geischter duen sich rege.
Glühend Schiib im kecke Schturz
Verkindet Hoffnung, Säge.

 

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