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Gedichtarchiv -  August 2002


Hans Hauser: Ewige Brunne | Ernst Niefenthaler: E Summertag | Herrmann Landerer: Schwalbensommer | Desiré Lutz: Schnokedänz


Ewige Brunne
Hans Hauser (Villingen)

Es ruuscht en Brunne Dag und Nacht
Im alte Riet vor iserm Huus,
i hau as Kind scho trunke druus,
bi später mengmol dra verwacht. 

Sell Sürfle glüstet mi noh hit,
wies scharf dur Zaihli gschußet ischt;
me het nit vil uffs mol verwischt:
“Es langet, Bue, verkellt Di nit!“ 

Sell Ruusche isch mer überall noo
(’s vesurret nint bi iserom)
und bisdig bin i wider hom,
do stoht er jo, do ruuscht er noh. 

Di kleine Kinder lätteret dra
und schöpfet, ’s schöpft e neamert us,
und trinkt e mol en Fremde drus
no schmeckts ihm au und macht en aa.

Wenn mit mer dischkeriere witt
nimm zersch nohmol en Schluck devuu,
no kumm, jetz, moni, kennsch min Guu,
und bring mer au e Krüegli mit.


E Summertag
Ernst Niefenthaler (Schopfheim, LÖ) 

Es wiicht e Nacht mit ihrem bange Schwiige,
mit ihrem duster schwarze Fäggeschlag,
un heiter, lebensfroh duet ufestiege
in Liecht un Glanz e junge Summertag. 

Er bricht dr Bann vo sorgeschwere Träume
un Schwermuet löst si uf in Sunneschii;
ne Freu am Dosii schwebt in alle Räume,
me schnufet d’ Freud im Morgelüftli i. 

In Liecht un Wärmi duet d’ Natur si bade
un Kreatur, si gnießt in seel’ger Lust
das chöstli Lebensgschenk vo Schöpfers Gnade;
es ziecht au mir so wohlig warm dur d’ Brust. 

Was trüeb un dunkel gsi, würd wieder heiter,
un us dr Sackgaß find i zmol e Tor;
was trostlos eng gsi isch, schiint wieder breiter,
un’s Lebe chunnt eim wieder schöner vor.


Schwalbensommer
Hermann Landerer (Kaiserstuhl)

Ä Halbjohr lüüre mir uf d Schwälmli!
Schient d Sunne warm, scho sin sie do!
Flüüchtig nur isch d Fräid am Schwälmli:
Küüm simers gwähnt, so gehn sie scho . . . 

Sie näschde bi mir ufem Brädd,
Untrem Vorschprung an dr Müüre.
I frog: „Wu gits ä wärmr Bedd,
As in dr alde Schüüre?

Un ufem Wäschsail jede Morge,
Wird schdundelang dischkriärt!
Hen denn diä zwei scho Kindersorge,
Oder wird nur karisiärt? 

Wu lüüre kleini Schwälmli-Kindr,
Isch mit sälle Gschiichte Schluß!
Des Lüüsvolk frißt wiä d Büürschtebindr –
Für diä Alde wirds zuar Grüblnuss!

Hoggd alles erscht an Droht do oobe
In lange Pärleschnüer –
Ischs Herbscht: Dü wartsch vrgäblig zoobe
Ufs Zwitschere in dr Schüür . . .


Schnokedänz
Desiré Lutz (Elsass/Freiburg)

Am Summerobe uf de Matte
Isch Feschtkonzert für d’Schnokezunft.
’s fehlt keini by d’r Zsämmekunft;
Si wisse alli, do duet’s batte.
Isch d’Matt au gschmückt mit Bluemekränz,
So sin’s doch nume Schnokedänz. 

Zwei Nochbre henn sich in de Hoore,
Schu isch d’r alt, schön Friide weg.
Um was? Um nit, um luter Dreck
Henn si sich ew’gi Zwiitracht gwschore.
Jetz sag mir ei’n, was nutzt der Schlenz?
So Händel sin doch Schnokedänz! 

Lutsch nit dy Lebtig am e Duume
Un denk, ’s kunnt schu vo selber, ’s Glück.
Kumm her, du Narr! Zieg mit am Strick,
Noo wirsch dy Glück bstimmt nit versuume.
Was du glaubsch, het kei Köpf, kei Schwänz,
Es lebt kei Mensch vo Schnokedänz. 

Protzt einer mit’re großi Gosche,
Was er viil besser mache könnt,
Der isch sy Dummheit no nit gwöhnt.
By so ei’m fallt’r nie, d’r Grosche.
Der het im Kopf bloß großi Dänz,
Doch leider nume Schnokedänz.

 

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