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Gedichtarchiv -  Juni 2003


Walter Fröhlich: City-Bike | Georg Werle: Natur | Marie Müller: Unser Gsangverein | Rudolf Vallendor: Schnäggeblog


City-Bike
Walter Fröhlich (Singen)

Es hot seit kurzem seller MIKE
Ä nagelneies CITY-BIKE.
Mit dem fegt er etz quer durch d City
bis a des Hus vu sinere Kity.

Er schaltet nab in zwelfte Gang,
schellt zweimol kurz und omol lang
und hofft, sie dät etz use lugen,
er isch ä wengle us den Fugen,

des heißt, er moß scho firchtig schnaufe,
des CITY-BIKE schlaucht meh als laufe.
Uf dem Kopf do tragt der Schelm
nadierlich einen Fahrrad-Helm.

Mit dem sieht etz der arme Tropf
weng aus, wie so en Fliege-Kopf,
doch er will ihn halt  benitzen,
um beim Sturz sein Hirn zu schitzen.

Und der Hirnschutz ist beliebt,
obwohl’s do nix zu schitzen giibt.
Der Hirnschutz, der versagt doch glatt,
wenn oner gar ko Hirn nicht hat.

Des Hirn wird nämlich aufgeweicht,
wenn man zuviel hinein dir seicht.
Schaltesch du des Fernsehn an,
droht dir sofort der Rinderwahn.

Und weil hirnlos seller Mike,
trat seine Kity in den Streik,
sie woß, der Mensch isch aus den Fugen,
drum will sie au it use lugen,

us dem Fenschter, wo der Mike
schtoht mit seinem City-Bike.
Wa nützt dem Mike etz Helm samt  Rad,
er merkt’s jo it mol, des isch schad. . .


Natur
Georg Werle (Markgräflerland)

E chleini Froog: Was isch Natur?
Isch es d Sunne ischs dr Wind?
Sii s d Sternli, wo am Himmel sind?
Ischs dr Wald, ischs Feld un Flur?

Sinds d Vögel, wo in dr Luft tuen fliege?
Isch es s Gras, wo im Wind tuet schwanke?
Oder d Bäum, wo hoch ins Blaue ranke
und sich im Luftzug biege?

Sinds d Blueme farbig uf em Feld?
Oder s Bächli in dr Matte?
Ischs Sunne/Wolke, Liecht un Schatte?
Ischs dr Mond, wo d Nacht erhellt?

Isch es Wärmi, Chälti oder Rege?
Im Winter wiße Schnee?
Sinds d Entle dusse uf em See?
Oder s Wetter, Unheil oder Sege?

Me chännt do froge ohni End,
was zur Natur au ghört.
Natur isch do, Natur isch dört,
me seht oder füehlt si mit de Händ.

Natur isch alles, was vorhande,
hoch in dr Luft und uf dr Erde,
Natur isch, was vergange und werde
- und d i e Natur, die macht mr z schande           


Unser  Gsangverein
Marie Müller (Kaiserstuhl)

 

Mir hän z Schaffhüsä ä Gsangverein
nit alli Derfer hän so ein,
die Männerstimme die dien klinge
bi jedem Anlaß dien si singe.
Bi Fräid un Leid sin si halt do
des Singe, des macht d Mänsche froh.

Mir höre gärn die Männerstimme
so klar un rein dien si erklinge,
sei s tiefe Baß, oder hohe Tenor
mir horche alli mit offenem Ohr.

Un zue dr Stimme dr tichtig Dirigänt
der dirigiert mit Kopf un Händ,
un was noch fählt bringt er scho bei
bis jedes Lied sitzt fählerfrei. -

Was nutze uns so gueti Stimme
wenn der nit hilft zuem guet Gelinge,
so brücht ein s ander uf dr Welt,
doch ischs um diä rächt wohl bestellt,
wu singe kenne zue jedre Zit,
denn des brüche jungi un alti Lit.

Un unser guete Räwesaft
dä git dr Stimme Schwung un Kraft.
Drum schänke mir ä Gläsli i,
denn Singe will begosse si.


Schnäggeblog
Rudolf Vallendor (Offenburg)

Minner Garde macht mr Sorge,
Wer soll den au jetzert bsorge?
Nit nur Räge un Moraschd,
Sin  dem Gardefrind jetz Laschd.
Jo viel schlimmer ohni Frog,
Isch di dräggig Schnäggeblog.

Schnägge vorne, Schnägge hinde,
Wo au nadabsch duesch si finde.
Schnägge obbe, links un rächts,
Naimes waxd meh ebbis rächts.
Schnägge hiwwe, Schnäügge driwwe,
Wo ischs Schnäggegift gebliwwe?

Am Salad un uf de Baim,
zwische Gmiis un frische Keim.
Wo mr nalugd iwwerall
Schnägge, Schnägge, so ä Qual.
Schnägge, schwarzi, bruni, rodi,
Quicklebendigi un dodi,

Gschäggeldi un sogar gschtreift,
Midm Schlim no digg igsaift.
Schnägge großi, Schnägge klaini,
Häßligi, un zierlig feini,
Schnägge mit un ohni Huus,
Schnägge, Schnägge sone Gruus.

Herrgott, bätt i, hör min Flehe
Un loß d’Sunn am Himmel schtehe,
Daß di dräggig Schnäggebrued
Schnell verbrännd in därre Glued.

Dann will i gern un ohni Sorge
Widder minner Garde bsorge.

 

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