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Gedichtarchiv -  Januar 2004


Bruno Epple: Wi oner wo bliibt | Hans Martin Grüninger: Verirrt | Marie Müller: Winterfreuden | Elfriede Bürkle: D Krabbe


Wi oner wo bliibt
Bruno Epple (Hegau/Bodensee)

bin kumme am Obed im Räge
bi dir ischt mr d Naacht vegange

mit kalte Händ hon di gsuecht
vewachet bin i mit warme

mit dunkle Auge is Huus
bin usi in Dag mit helle

mi Härz vefrore und stumm
etz woni gang isch e Lied

gsuecht honi du hoscht mi gfunde
bin gange wi oner wo bliibt.


Verirrt
Hans Martin Grüninger (Markgräfler)

De Schnee lit über d’Stunden us
Mer gsieht kein Weg; mer gsieht kei Hus.
Die Flocke fallet schochewis;
Am Schuehwerk ballet sich das Is.

Im Fohreschlag en wilde Schrei!
De Wandrer hastet schnell vorbei.
De Hunger macht jo d’Füchs zu Wölf;
Wer sich verirret, dem Gott helf!

Er hät mengmol verzelle ghört,
Wie der un dieser isch verfrört.
D’Füchs händ nu Chnochen überglu;
Im Summer erscht isch’s use chu.

So fallt em menges Gschichtli i;
Wo d’Muetter ihm beim Ampleschi
Verzellt hät, eh mer goht i’s Bett
Und hät no mit dem Büeli bet’.

Sie hät em nit nu’s Bete glehrt;
Sie hät en gwise, hät em gwehrt;
Hät jede Chrüzer springe lu,
Daß ihrem Chind mög besser gu.

Wa isch sin Dank gsi? furt i d’Welt!
Des Werche gfallt em nit im Feld.
’s Dorfleben isch em z’wenig gsi;
Mer hät kei Lustbarkeit derbi.

Drum uf un furt und ie i d’Stadt,
Und wenn eim ’s Lebe dört nit batt’,
No schüttlet mer de Staub vom Schueh
Und wandelt andre Städte zue.

Doch d’Zit vergoht und d’Chraft lot no;
Uf eimol stoht de Winter do.
Mer hät kei Arbet; ’s heißt nu: „Geh!“
Im Würtshus kennt eim niemert meh.

Des alles goht dem arme Tropf,
Dem Wandrer jetzet dur de Chopf.
Und wenn si Muetter gstorbe wär?
Wo will er hi? Wa isch no er!

Er weiß nit, wie ’s ums Herz ihm wird,
Jo, Jo, er gsieht’s; er isch verirrt.
De Schnee tuet sinen Auge weh;
Git’s denn kein Weg, kei Rettig meh?

Jetz fallt em ’s Vaterunser i;
Er betet’s lisli vor sich hi,
Und ’s Wasser ihm i d’Auge chunnt,
Und ’s chehrt en um vu Herzensgrund.

Uf eimol ischt er wieder z’weg
Und kennt de Weg und findt de Steg.
Er isch daheim! furt Angst und leid!
Und d’Muetter briegget voller Freud.


Winterfreuden
Marie Müller (Kaiserstuhl)

Dusse schneits in einem furt
dinne d Katz am Ofe schnurrt.
Scho hets ä schene Schnee hi gleit
un s Is am Weier ai scho treit.
Winterfräide sins fir d Kinder
un fir d Große au nit minder.

Dr Alfred där spannt d Lotte i
vier fünf Schlitte hinte dri,
no gohts los, d Stroß nuf, d Stroß na
die Fräid diä mienr gsähne ha.
Wenn eins fliegt des schadet nit,
wenns im hoche Schnee no lit,
s stoht no uf un lacht drzue
Winterfräide gits grad gnue.

Ufm Weier bis zowä spoht
s schluttere halt wit r goht.
Ei Teil het au Schlittschueh a
jetz gohts hurtig nuf un na,
riwr un niwr rum un num
doch uf eimol machts ä Bum.
Un die Mäidli un die Buewä
liege do wie Krüt un Ruewä,
lache dien si voller Fräid
lache, well si halt sin keit


D Krabbe
Elfriede Bürkle (Ortenau)

Luag doch e mol do nus
wie d Krabbe schreie do duß,
es sin hundert oder noch meh,
jetz glaub i s git doch ball Schnee.

Sie fliäge nuff, sie fliäge nab,
wo annie luagsch, do sitzt e Krabb,
sie grabe un scherre um die Wette,
ob sie noch e Wurm entdecke.

I glaub, die hän au nix scheens in dere Krabbewelt,
s Fuater isch knapp, steht nix meh im Feld.
Doch alles, alles hett si Sinn,
Mensch! Bin i froh, daß i kei so e Krapp bin.

 

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