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Gedichtarchiv -  November 2004


Hans Flügel: Vu dä Unterschied | Werner Richter: Spöötlig | Karl Kurrus: Lüt un still | Philipp Brucker: Herbst


Vu dä Unterschied
Hans
Flügel (Hegau/Bodensee)

S ischt it ganz gliich,
ob du arm bischt oder riich.
Ob du kchrankch bischt oder gsund,
ob du schlankch bischt oder rund.
Ob du ä SIE bischt oder OAN,
ob du en Schef bischt oder kchoan.
Ob du doschtohschd oder laufschd,
ob du bettleschd oder chaufschd.
Ob du dumm bischt oder kschiid,
denn des sind alles Unterschiid.

Doch ob du emal schterbe witt
oder aber lieber it,
des ischt gliich, au wenns dich bloged,
du wörschd nämlich gar it gfroged!


Spöötlig
Werner
Richter (Markgräflerland)

S letzti Obst hängt uf em Dolder,
d Sunne senkt sich früehi in s Meer,
farbeprächtig, Herbstvergolder,
ruuche Wind fegt d Chrone leer.

Naßchalt wirds dur d Gasse bloose,
goldig Laub deckt d Erde zue,
Rauhriif uf de letzte Rose,
und ich gspür e stilli Rueh.


Lüt un still
Karl
Kurrus (Kaiserstuhl)

Lüt isch dia Welt,
strittet um s Geld.

Recht-ha un Groß-tua,
so isch der Nia-gnua.
Z fride küm Einer.
Horche will Keiner;
gli üs der Hüt.
Haß schiaßt in s Krüt.
Lüt!
Ganz lüt!
Iberlüt!

Jeder wird still,
wenn s Einer will.

Welt, dno goht s adje.
Geld nutzt do nit meh.
Was so arg lüt gsi,
wird gli kapütt si.
Alli sin still,
wenn s Einer will. –
Still!
Ganz still!
Mislistill!


Herbst
Philipp
Brucker (Ortenau)

Loß mi noch e Wiili lewe,
Gib mr noch e bissli Zit,
D’ Blätter schrumpfle-n-an dr Rewe
Un zum Herbste-n-isch’s nit wit.

Loß mi do am Grasrain hucke
Fir e stilli Owendstund
Un ins Elsiß niwrgucke,
Wo dr Sunnestrahl herkunnt,

Der wo d’gääle Welschkornfähne
Glänzig, faschd wiä Siide macht.
D’Sunn duet an d’Vogese lehne
Un im Schwarzwald wurd’s gli Nacht.

Loß mi noch e Wiili lewe,
Gib mr noch e bißli Zit,
D’ Rebscheer wurd’r no schu hewe
Fir dr letschde Triwelschnitt ...

 

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