Hans Flügel: Vu dä Unterschied |
Werner Richter: Spöötlig |
Karl Kurrus: Lüt un still |
Philipp Brucker: Herbst
Vu dä Unterschied
Hans
Flügel
(Hegau/Bodensee)
S ischt it ganz
gliich,
ob du arm bischt oder riich.
Ob du kchrankch bischt oder gsund,
ob du schlankch bischt oder rund.
Ob du ä SIE bischt oder OAN,
ob du en Schef bischt oder kchoan.
Ob du doschtohschd oder laufschd,
ob du bettleschd oder chaufschd.
Ob du dumm bischt oder kschiid,
denn des sind alles Unterschiid.
Doch ob du emal schterbe witt
oder aber lieber it,
des ischt gliich, au wenns dich bloged,
du wörschd nämlich gar it gfroged!

Spöötlig
Werner
Richter
(Markgräflerland)
S letzti Obst
hängt uf em Dolder,
d Sunne senkt sich früehi in s Meer,
farbeprächtig, Herbstvergolder,
ruuche Wind fegt d Chrone leer.
Naßchalt wirds
dur d Gasse bloose,
goldig Laub deckt d Erde zue,
Rauhriif uf de letzte Rose,
und ich gspür e stilli Rueh.

Lüt un
still
Karl
Kurrus
(Kaiserstuhl)
Lüt isch dia
Welt,
strittet um s Geld.
Recht-ha un
Groß-tua,
so isch der Nia-gnua.
Z fride küm Einer.
Horche will Keiner;
gli üs der Hüt.
Haß schiaßt in s Krüt.
Lüt!
Ganz lüt!
Iberlüt!
Jeder wird
still,
wenn s Einer will.
Welt, dno goht s adje.
Geld nutzt
do nit meh.
Was so arg lüt gsi,
wird gli kapütt si.
Alli sin still,
wenn s Einer will. –
Still!
Ganz still!
Mislistill!

Herbst
Philipp
Brucker
(Ortenau)
Loß mi noch e
Wiili lewe,
Gib mr noch e bissli Zit,
D’ Blätter schrumpfle-n-an dr Rewe
Un zum Herbste-n-isch’s nit wit.
Loß mi do am
Grasrain hucke
Fir e stilli Owendstund
Un ins Elsiß niwrgucke,
Wo dr Sunnestrahl herkunnt,
Der wo d’gääle
Welschkornfähne
Glänzig, faschd wiä Siide macht.
D’Sunn duet an d’Vogese lehne
Un im Schwarzwald wurd’s gli Nacht.
Loß mi noch e Wiili lewe,
Gib mr noch e bißli Zit,
D’ Rebscheer wurd’r no schu hewe
Fir dr letschde Triwelschnitt ...
