<< Zurück

 
   

Gedichtarchiv -  Februar 2006


Angelika Schnell: Die fünfte Johreszit | Ella Kostolich: Was isch Zit? | Bernhardt Goldschmidt: Zum Valentinstag | Gerlinde Marquardt: D’Bubb


Die fünfte Johreszit
Angelika
Schnell
(aus: Mundart-Wettbewerb 2004 von BZ/SWR/MSG)

Mi Hoamet isch die fünfte Johreszit,
si liit mir halt am Herze.
Ech mag mech wehre we ech will,
ech kann si nit verschmerze.
Ech will dankbar si ihr Litt,
daß ich si ha die fünfte Johreszit.


Was isch Zit?
Ella
Kostolich
(aus: Mundart-Wettbewerb 2004 von BZ/SWR/MSG)

Wenn ich di frog - sag, was isch Zit,
ich wett, du weischs uf Ahib nit!

Zit isch e Schtund, e Tag, e Lebe.
Zit hesch du, wenn de Träum chasch webe.
Wenn du glücklich bisch, drno wirds für di
die schönschti Zit im Lebe si.
E Chind in Muetters Arm, in Vaters Huet –
dem wird d Chinderzit zum bsundre Guet.

E junge Mensch bruucht Zit zum Werde,
bim alte Mensch chunnt d Zit zum Sterbe.
D Zit tribt dr Mensch scho allwiil meh,
es schiint s dät chürzeri Täg un Schtunde geh.
Allewiil gliich isch Raum un Zit
ändre dien sich numme d Lüt.

Du muesch di tummle - darfsch nit raschte –
d Zit isch choschtbar - all sottsch jaschte.
Zit isch Geld, sait rnängge Maa -
er bruucht si, ass er scheffle cha.
Dr Buur bruucht si für sini Arbet,
wenn er uf Sunne, Wind un Rege wartet.

Zit muesch neh, wenn de witt verwiile,
zueluege möchtsch, wie d Enkel schpile.
Zum Verzeihe bruuchts e bschtimmti Zit,
zum Vergesse längt si schirgar nit.
Wenn d Chinder bete, Herrgott, i bitt,
gib unsre Eltre für uns mehr Zit,

dno denk e mol do drüber no -
wieviil Zit wirsch du vo ihne übercho?
Das Fürenander, das isch wichtig –
dno isch unsre Zit au wieder richtig!
Es git keini Wunder - keini vollkommne Sache,
Zit isch das, was d Mensche drus mache.

Wenn ich di frog - sag was isch Zit,
ich wett, du weischs uf Ahib nit!


Zum Valentinstag
Bernhardt
Goldschmidt
(aus: Mundart-Wettbewerb 2004 von BZ/SWR/MSG)

Wenn dr d Liebi vuschwendsch
un dich ins Unendlig vurensch,
bruuchts dr nit bang si um di,
well s kunnt viel meh ri,
we dr selber kasch geh,
well selli Liebi duet meh,
we dr selber jemols vuschtohsch,
aber nur, wenn d Liebi au Liebi si losch.


D’ Bubb
Gerlinde
Marquardt
(aus: Mundart-Wettbewerb 2004 von BZ/SWR/MSG)

In-ere Schublad untedrunte
hab-i ä aldes.Bibbli gfunde,
ohni Ärm im Häkl-Kleid
un rosa-kalt us Zelluloid.

Wiä i so vor mi hinsinnier,
do merk-i ’s 'wird ganz heiß in mir;
un sogar d' Bubb uf minem Arm
schient mer, wird ä bissli warm.

Verschrecke duet mi jetz min Gfühl.
Wie frieher fascht bi minem Spiel
empfind-i grad wie’s Kindrherz
d' kaputte Ärm als argr Schmerz...

...un sieh mi uf'’m Schämel hucke,
liäb dr Stubbewage guhge
mit min' rer Bubb, --- i waiß noch g' nau
dert hab-i gmeint, d' Bubb liebt mi au.

Nadierlig weiß-i 's längschtens jo
ä Gegeliebi war nie do,
un trotzdem wiri dene Kloß
im Hals do hinte kum jetz los.

Worum kann-i mi nit bewege,
diä Bubb glich widdr furtzulege?
Do bletzlig sait mer min Verschtand:
’s isch dini Kinderzit, diä hesch grad in dr Hand!

 

© 2006 - alemannisch.de
Javascript Menu by Deluxe-Menu.com