Gerhard Jung: Quelle | Wandrer sii
| Weltvebesserig | Lob
vum Lache
In diesem Monat
wäre Gerhard Jung 80 Jahre alt geworden.
Aus diesem Anlass haben wir alle vier Monatsgedichte
seinen vielen uns hinterlassenen Arbeiten entnommen.
Quelle
(Aus: D’Heimet uf em Wald, 1960)
Dief inne-n im
Berg in christallene Gründe
rinnt Tröpfli um Tröpfi
uss Chlüfte-n un Schründe
in erzeni Schale im dämm'rige Schii
Do goht en Reige vu heimlige, liise,
traumseligvertröpflete uralte Wiise
durch grüendunkel felsigi Chammere hii.
Un Tröpfli um
Tröpfli; si rinne-n un rinne
un ruusche-n un bruusche-n in heimligi Brünne
un finde sich zämm-n am moosige Grund.
Bis endlich in wurzleverhangene, diefe,
chüehlodmige Bergschooß e blangigis Riefe
fernabe vom föhnige Bode chunnt.
Do dränge-n un wuehle-n un wuehle-n un dränge
die Wasser sich zämme-n un riiße-n un sprenge
un breche die dämmerig felsigi Huet.
Un uf springt ins Liecht e bergchüehli Quelle,
trait 's Wachse-n un 's Werde vu sinere Schwelle;
trait 's Blüehje-n ins Land
un 's Brenne ins Bluet.

Wandrer sii
(Aus: Schmecksch de Brägel. 1977)
Wandrer sii
heißt Sehnsucht trage
noch de schöne Herrgottswelt,
heißt im Tau vu junge Tage
ussestürme, Gipfel wage,
wolkefrei sy Segel gstellt.
Wandrer sii
heißt Stilli sueche
wenn de Summer abebrennt,
goldig Chorn us schwere Furche,
Schaddespil um alti Bueche,
schmali Weg im Weidberggländ.
Wandrer sii
heißt 's Schöni finde:
Wolke, Witti, Wald un Wind,
Gott un Welt in Garbe binde,
Chränz us Wanderfreude winde
wie ne übermüetig Chind.
Wandrer sii
heißt d' Wunder spüre
in de Schöpfigharmonii,
andri dört dra ane führe,
daß si nie de Muet verlire.
Wandrer sii heißt güetig sii.
Wandre heißt in Tiefi denke,
heißt zue letschde Ziile goh,
heißt in d' Welt sich iinesenke,
alles neh un wider schenke,
gläubig, fromm un wunderfroh.

Weltverbesserig
(Aus: Bettmümpfeli, 1972)
Wie schlimm isch
s doch uf dere Welt
um alli Gschöpf un Gschöpfli bstellt.
s mueß jedis Angst ha, s isch e Gruus:
zum Bispil vor de Chatze d Muus,
un d Chatze wider vor em Hund;
au selle hät kei ruehigi Stund,
vor Ängste, ob er s au im Ma,
in allem richtig mache cha.
De Ma, de hät - mer weiß es gnau –
schlußendlich Moris vor de Frau.
Un s Fraueli, de Glanz im Huus,
die dottrets wider vor de Muus.
So isch us Angst e große Kreis
um alli zoge. Frei isch keis.
Chönnt s nit uf Erde her wie hi,
wenn alli wote, anderst sii?
Frei, ohni Angst vor n ander z ha,
Muus, Chatz un Hund un Frau un Ma.
Im Fride lebe - sell wär gschiit !
Gang sags au de Chatz, öb si s Müüsli siht !

Lob vum Lache
(Aus: Wo ane gohsch?, 1973)
Wie schön isch
s, aß es s Lache
im Menschelebe git!
S isch vu de guete Sache
di best für jedi Zit.
Tuesch di im
Leid vergrabe,
im allertiefste Schacht,
s chunnt doch e Lachen abe,
wo d Finstri heiter macht.
Tuesch Muuren um
di mache
im Trotz so fest wie Erz,
dur s Fensterli vum Lache
schiint d Sunne zmits ins Herz.
Un wenn di d
Sorge ploge,
un Chranket macht di schwach,
no läng nit noch em Hoke.
Probier s emol un lach!
Ganz schnell vergoht no s Gwitter,
wenn s no so Fotzle schneit.
Meh as e Chorb voll Schiter
wärmt doch e Fünkli Freud.
