Gedicht des Monats Februar 2008


Carola Horstmann: De Vulkan | Günther Richard Burger: Fir Traimer | Claudia Ramsteiner: So ebbes wie e Liebesgedicht



De Vulkan
Carola Horstmann

(aus: Alemannisch dichte)

Alt isch er worde

Dört wo n er kocht hät vor Wuet
sini Gluet verrägnet
un imme füürige Teppig
aabe isch ins Daal

verstecke sich
zwüsche  Staiplodere
un roschtige Gräbe
nur no alti Erinnerige

Hüt spaziere sie uffem umme
luegenem ins kalti Muul
pickle an sinere Zunge
hockenem in s Gsicht

un sähn nit selli luftige Blueme
eini noch de andere
un eini schneller wie die ander
ussem Bode ko

Er triibt wieder us
de  alti Schoß
un zitteret vor
Wuet  un Verlange
 



Fir Traimer
Günther Richard Burger
(aus: Kurzes)

Mänkmol do goht schiints alles fehl:
Des schänscht Tromschloß vebreselet zu Mehl,
die dollscht Tromreis gheit glatt is Wasser,
s Bild vu de Tromfrau wird all blasser, ...
Do frogsch vegelschdret: "Wa soll i au mache?"
I rot der: "Ufwache un driber lache!"

 


So ebbes wie e Liebesgedicht
Claudia Ramsteiner
(aus: Alemannisch dichte)

Endlich ellai

Herrscherin über mei eigene Zit
über mei Nachttischlamp
un über mei Sauerei im Büro.
Keiner, wo mir mie Pla durenand bringt
wo Asprüch stellt,
wenn i grad gar keini erfülle will.

Noch fünf Däg: Ellai

Keiner, wo nebe mir am Frühstück sitzt,
un wenn er au kei Ton schwätzt
un nu versunke über d Zitung
noch de Kaffeetass langt.
Ellai,
keiner, wo mir sait,
s wär Zit für de Firobe
un er wär au no do.

Noch zehn Däg: All no ellai

Un all Heck
sin mini Gedanke bei dir.
Die ganze Welt kennt i umarme,
wenn i dra denk,
daß de morge wider heimkummsch
... un denn aber nu no dich.
Manchmal isch es guet,
wenn mer spürt,
daß selli Schmetterling im Buch
nu gschlofe hän.

 

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