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Gedicht des Monats Oktober 2008

Johann Peter Hebel: Die Spinne | Fritz Broßmer: E berechtigti Frog | Karl Kurrus: Vaterunser | Markus Manfred Jung: d sprooch


Die Spinne.
Johann Peter Hebel

Nei lueget doch das Spinnli a,
wie’s zarti Fäde zwirne cha!
Bas Gvatter meinsch, chasch’s au ne so?
De wirsch mers, traui, blibe lo.
Es machts so subtil und so nett,
i wott nit, aßi ’s z’hasple hätt.

Wo het’s die fini Riste g’no,
by wellem Meister hechle lo?
Meinsch, wemme ‘s wüßt, e mengi Frau,
sie wär so gscheit, und holti au!
Jez lueg mer, wie ’s si Füeßli setzt,
und spinne will, und d’ Finger netzt.

Es zieht e lange Faden us,
es spinnt e Bruck ans Nochbers Hus,
es baut e Land-Stroß in der Luft,
morn hangt sie scho voll Morgeduft,
es baut e Fußweg nebe dra,
’s isch, aß es ehne dure cha.

Es spinnt und wandlet uf und ab,
Potz tausig, im Gallop und Trap! –
Jez gohts ring um, was hesch, was gisch!
Siehsch, wie ne Ringli worden isch!
Jez schießt’s es zarte Fäden i.
Wirds öbbe solle gwobe sy?

Es isch verstuunt, es haltet still,
es weiß nit recht, wo ’s ane will.
’s goht weger z’ruck, i sieh’s em a;
’s muß näumis rechts vergesse ha.
„Zwor, denkt es, sel pressiert jo nit,
i halt mi nummen uf dermit.“

Es spinnt und webt, und het kei Rast,
so gliichlig, me verluegt si fast
Und ’s Pfarers Christoph het no gseit,
’s seig jede Fade zseme gleit.
Es mueß ein gueti Auge ha,
wers zehlen und erchenne cha.

Jetz putzt es sine Händli ab,
es stoht, und haut der Faden ab.
Jetz sitzt es in si Summer‑Hus,
und luegt die lange Stroßen us.
Es seit: „Me baut si halber z  tod,
doch freuts ein au, wenns Hüsli stoht.“

In freie Lüfte wogt und schwankts,
und an der liebe Sunne hangts;
sie schint em frey dur d’ Beinli dur,
und ’s isch em wohl. In Feld und Flur
sieht ‘s Mückli tanze, iung und feiß;
‘s denkt by nem selber: „Hätti eis!“

O Thierli, wie hesch mi vertzückt!
Wie bisch so chlei, und doch so gschickt!
Wer het di au die Sache glehrt?
Denkwol der, wonis alli nährt,
mit milde Händen alle git.
Biß zfrieden! Er vergißt di nit.

Do chunnt e Fliege, nei wie dumm!
Sie rennt em schier gar ’s Hüsli um.
Sie schreit und winslet Weh und Ach!
Du arme Chetzer hesch di Sach!
Hesch keini Auge by der g’ha?
Was göhn di üsi Sachen a?
 
Lueg, ’s Spinnli merkts enanderno,
es zuckt und springt und het sie scho.
Es denkt: „I ha viel Arbet g’ha,
iez mußi au ne Brotis ha!“
I sags jo, der wo alle git,
wenns Zit isch, er vergißt di nit.

 


E berechtigti Frog
Fritz Broßmer
(aus "Krut un Ruewe")

D' Muetter rädelt e Schnittmuschter rus,
des isch sowiäso scho e Nervegenuß,
do mueß mr schtudiäre un diftle un sueche
un därf nit murre un erscht recht nit flueche.
Dr Fritzli schteht drbi, der viärjährig Schprisse,
will alli Sekund ebbis anderschts wisse,
si Schnäwili lauft diä ganz tour vun ellei ...
Awer schliäßlig isch d Geduld vun dr Muetter verbei:
"Sei schtill jetz, Fritzli!" - Drei Minutte isch Rueh,
awer drno geht's Göschli halt wieder uff un zue:
"Warum isch des so - was isch des - was isch sell -
därf i am Sunndig uff d Karussel???" -
"Jetz halt emol s Muul un sitz in e Eck
un frog mi nit allewil e so eifältiger Dreck!"
Dr Fritzli, z'erscht baff, het sich schließlig gwehrt:
"Schtill soll i si? Zue was hesch mi drno schwätze glehrt?"


Vaterunser
Karl Kurrus
(aus: Vu Gott un dr Welt)

Dü liabe Herrgott im Himmel obe!
Di Name wä-mr ehre, lobe.
Fir Di Rich schenk is gnädig Muat.
Was Dü witt, des isch allwil guat,
un des soll gschehne uf dr Welt,
grad wia in Dinem Himmelszelt.

Gib Lib un Seel Di Brot fir hit.
Wenn s bi mir mänkmol Fehler git,
sei wieder guat, vergib mr d Sind;
bisch jo dr Vater vu Dim Kind.

Merk i bim andere, was schlecht,
vergib un hilf i, aß es recht,
wel mr doch Briader, Schwestre sin
un i dr Brevst jo aü nit bin.

Wenn s Bes will locke, stand is bi.
Vu allem, was ka ibel si,
verschon is Dü in Ewigkeit.
Bloß Di isch d Kraft
un d Herrligkeit.
Ame



d sprooch
Markus Manfred Jung

Mer chönnte nit
sii
ohni d sprooch

aber bruuche
d wörter uns

s schwätzt us
mer uuse

aber bruuche
d wörter uns

si lebe wiiter
emmel gsait
ällai
as hetti nie
niemerd
si bruucht

aber bruuche
d wörter uns

mer chönnte nit
sii
ohni d sprooch

 

 

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