<< Zurück

 
   
 

Gedicht des Monats Juni 2009

Hans Hauser: Morge | Günther Wenk: Glück | Ingeborg Schütze-Denz: Nonem Gwitter
 


Morge
Hans Hauser
(aus: Dief i de Nacht)

I bii um d’ Mitternacht verwacht
und hau mer Angst und Sorge gmacht.
Jetz taget es. Zum vierte mol
schleet’s Münster d’Stund, 's schlooft ells no wohl.
Mich triibt es nus, i find koe Rueh,
es Hochgricht nuff, Lorete zue.

Und wie n i stand, emol verschnuf,
goht ob em Bluetroe d’Sunne n uff,
si hanget über d’Wanne rii
mit rote n Ärm in Nebel nii
und schumet wie e Wäscheri.

Wie suber stond jetz Türn scho do,
und d’Gibel au denandernoo;
jetz wäscht si d’First und d’Gaupe n ab,
jetz Dächer bis an Keaner nab,
jetz glüenet d’Schiibe geal und rot,
z’mols glitzeret ells. Um d Ringmuur stoht
jetz Boom a Boom und Struuch im Tau.
Hei, danket iserm Hergett au!

Es liitet Bättziit. Tröstli stoht
des Liite jetz im Morgerot.
Di erste Kämig raichet drii,

's word welleweag bi de Becke sii.

So, sind er uff? Helfichi Gott!
Si bachet is es tägli Brot.

Wa het mi nu so druckt die Nacht
und worum hau mer Sorge gmacht?
I woes es nimme, acht nit druff,

und ell Dag goht jo d’Sunne n uff!



Glück
Günther Wenk
(aus: E goldig Nüteli)

Was isch Glück?
Nit Cleverness, nit Gschick.

Glück isch e chleine Augeblick,
wo in dir ufstigt heiß e Gspür,
e Wechselspil vo Iis un Füür,
vo ghalte sii un abegheie,
vo Regegold un Roseschneie,
wo Hüüle, Lache gliichli klinge,
wo alli Sinn in dir wän singe.
Glück chasch nit zwinge un ich denk
Glück isch e Gottesgschenk.

 


Nonem Gwitter
Ingeborg Schütze-Denz
(Us: „Silberdischtle un Märzeveieli“)

Loos, in dr Ferni brummlets no,
doch d’Sunne isch scho wider do.
E Vogel singt, as wär nüt gsi,
sii Lied im letschte Obeschii.

Er zwütscheret ins Sunnegold,
wie isch dr Himmel herrlich gmolt,
un uf de Äschtli vo dr Erle
glänze Tröpfli hell wie Perle.

Dusse schmeckt’s so suufer früsch.
E Glascht lit uf de Bäum un Büsch
Un überall e Bluemeduft !
E sone Gwitter reinigt d Luft.

 

 

© 2009 - alemannisch.de