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Gedicht des Monats Juli 2009

Monika Schreiber-Loch: De Mueder Tod | Wolfgang Scheurer: Au anderi | Frider Weber-Benzing: Summernaa't | Margot Müller: Dä Weisheitszahn
 


De Mueder Tod
Monika Schreiber-Loch
(Lörrach)

Eifach aanelige und im Sterbe
no wüsse, 's git e "Jenseits",
und z'friede sii im Glaube:
I ha gnueg g'schafft -
es git  e Gott -

e fröhlich Menschechind bisch g'si,
hesch mieße neh, was z'neh g'si isch;
bisch immer lieb und fründlich g'si --
hüt sait mr's, wo du nümmi bisch.
Jetz sehn mir numme no di Sarg,
und d' Schwester hüült, es isch mir arg,
um's Herz, ich cha die Truur verstoh.

Wenn ich dann au emol mueß goh,
so wünsch ich mir e Tod wie diine -
i hoff, ich ha e friedlich Sterbe -
und nimms wie's chunnt, uf dere Erde.

Und isch de Tod au no so bitter,
e Mueder cha eim niemerts neh.
Si het is 's Höchste, 's Läbe, ge,
und läbt in unsre Herze witter.



Au anderi
Wolfgang Scheurer
(Lörrach)

S het obedra
Un untedra
Un nebedra
No mänke Ma,
Wo au öbs cha!

 


Summernaa't
Frider Weber-Benzing
(Villingen-Schwenningen)

D Sunn isch am Verblasse
S wurd fii'schter i de Gasse
D Latäarne hond schau' Liat.
Voarn Hiiser uff der Schtäge
tuets umenand sich rege,
sowiit mer graad no siaht.

Mit Schtiahle und mit Schämml
Khummed d Nochber ämml
Zuenand und hond guet Root.
Si hucked doo so gmiatle,
Toand sich mit Schwätze giatle
Und losed, was so goht -

Mer hät der ganz Taag gschaffet
Und gschineglet und graffet,
Jetzt ischt der Oobed doo,
Es ischt so schai' vorusse,
Drum sitzt ou älles dusse
Und goht im Nii't-toa' noo.

D Naa'tmolle schwired umme,
Toand um d Latäarne brumme
Und wäared gaarnit miad.
Vum Briahl häar heert mer d Fresche,
Si toand der Taag verdresche
Und kwaaked s Oobeliad.

Und längscht schlooft älles Läbe,
Khoa' Liftle ischt am Wäbe,
Der Mau' ziit ruehig sii' Baa'.
Er wachet äll dia Schtunde
Bis dass der Taag sich gfunde
Und älles wider schaffe khaa'.


Dä Weisheitszahn!
"Schmerzlichi Erkenntnisse"
Margot Müller
(Offenburg)

Do leijt sie uf em Schraage -
hit geht's re an dä Krage!

Wochelang schu Gnadefrischt,
bis s nimm andersch gange isch.
Seller Kaibesiäch, der frech
macht si krank un überzwerch.

Summer isch's, un s küehlt nimm ab,
s Wasser wurd schu langsam knapp.
In dä Stubb isch au nimm küehl
un die Nächt sin gruusig schwüel.

Kei Aug voll het si die Nacht gschlofe,
aber wenigschdens will sie hoffe,
daß dr Zahnaarzt usgruegt het
in sinem feine Daunebett!

Jetzt isches also hit sowitt,
daß der Zahn ä Rueh mol gitt -
s nutzt kei mänge, lamentiere,
hit isch hit! - do wurds passiere!

Angstvoll schlicht si d Stroß entlang,
grad, als wär's dä letschte Gang,
un die Sunn schient gnadelos,
knallt runder uf die Asphaltstroß.

Ihr armer Kopf vor Zahnweh brummt,
bis si schließlig ani kummt,
paar kleini Schritt, voll Kummer un Sorg,
isch d Praxis erreicht vum Dr. Bork.

S het jo alles keinen Zweck,
der kranke Weisheitszahn mueß weg!
Dr Doktor isch empfangsbereit.
Er het schu zue dä Maidle gsait,

"Hit kunnt sell Frau, ihr passe uf -
die geht vor Angst am Vorhang nuff!
Hebe si, notfalls mit Gewalte,
daß ich schaffe kann un walte!"

Do kunnt si gschliche, käsig bleich,
ihri Knie sin butter-weich,
loßt sich uf dem Schraage nieder,
streckt voll Gruuse ihri Glieder,

un jetz gitt des kein Entrinne,
dr Doktor duet si nunter zwinge,
"Mund auf!" sait der imme TON!
si zuckt zamme, un g'horcht schon.

Er peilt sie an, mit Adlerauge -
luegt, ob d andri Zähn noch tauge,
jetzt! Ä Stich! - "Au!" duet des weh,
sie kann jetzt blaui Sternle seh.

 

 

 

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