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Gedicht des Monats Januar 2010



 
Gertrud Albrecht: Veriiste Wasserfall | Hedwig Salm: Wissi Chilche | Emilie Kastel: D Schepfung
 
Veriiste Wasserfall
Gertrud Albrecht
(aus: Anneli)

E Gfrischt, en iisigs het ehn bannt,
het ehm die Stimme gno.
S isch wohr, mir mangle so sii Bruusche
un sii lebig Tose.
Un eineweg, i chönnt verstuunt jetz allwil
vor ehm stoh,
vor sonem Gwülch vo gstifte Spitze
un derhinter loose ...

Dört hinter sellem wiße Vorhang,
Liechter funkle dinn,
do klingelet s un tönt s gar liebli,
s goht e Gschpröchli umme
bal lisli un bal hell, i denk
s isch heimelig do inn,
do dur findt s Gfrischt kei Lucke meh,
es bringt s nit zuem Verstumme:

Mi Wassertropfeglüt verborge
tief im Felsegstei.
Isch näume noh e Lut in dere
starre Welt ringsumme?
Wie s fallt un hallt - mii fründlig Gspiil,
i hör di nit ällei -
Mii Herz bringt au kei Iis un Schnee
zuem Schwiige un Verstumme.


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Wissi Chilche
Hedwig Salm
(aus: Erlebter Hochschwarzwald)

Winterwald, du wisse Chilche,
herzhaft saisch du mir Gottwilche,
wenn i dur di dure gang!
Vor de Zwiige, ramftvoll schwere,
wie vor Chanzle un Altäre,
gits e Fiir vo hochem Rang.

Wie mit Silben ohnigliiche
tuets mer über d Seele striiche
as e wohre Himmelstrost!
Was der Blick nit cha durluege,
schlupft wie Schnee dur fiinstie Fuege -
S frogt si, wie me luegt un loost.

In der Zit, der lute, chranke,
isch der Gob vo obe z' danke,
wenn s eim so in d Stille füehrt:
S würd e Werbe un e Locke,
aß me s Herz nit sott veerstocke
worem WORT, wenn s eim a'rüehrt!


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D Schepfung

Emilie Kastel
(aus: s Rosebaimli)

I stand in dr Raewe un due beäge
um mich rum d Imme un d Hummele fleäge.

Si merge, daß wieder s Freäjohr isch kumme,
drum deäns si so freidig un froh wieder brumme.

Küüm luege d erschte Bleämli üssem Bode rüs,
süüge sie scho dr Nektar üs dr Blieäte üs.

Si kaenne kei Schtundewoch un au kei Schtreik
un au kei Arbeitskampf un au kei Neid.

Si brüche kei Lotse, kei Navigation
un finde doch aenewaeg ihri Station.

Drum soll's dr Mensch doch endlig bedaenke
was uns d Natür noch taeglig duet schaenke.

Drum laufe mit uffene Auge durchs Land.
O wunderbari Schepfung vu Gottes Hand.


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