neui Büecher un CD, besproche im Heftli
1/2 2007
Ulrike Ebert: im handchehrum
Erika Buhr: Im Zitewind
Rudolf Vallendor: Das Leben geht
weiter
Siegfried Scharf: Sagenhafter
Hochschwarzwald
Josef Wilhelm: "s isch alles
menschlig menschenskinder“
Hajo R. Loch: D’ Glichnis un d’
Bergpredigt us-em Neue Testament
Erich Thoma: Gedankenstriche
Werner Heiland-Justi: Elisabeth von
Thüringen
Harass. Die Sammelkiste der
Gegenwartsliteratur aus dem Sängerland
Johannes Wunsch: Mei Seifekutsch
isch futsch
Luddi:
Terminal 3
Ulrike Ebert schriibt „im handchehrum“
S
isch e bsunderes Büechli, wo de do in de Hand hebsch.
Scho s Foti ufm Iiband macht ein wunderfitzig. Mer
denkt an Papier, wo gwellt isch wien e alti Hut.
Vertrochnet, verschrumplet.
Si isch
gschprunge, s hät si verisse, di alti Hut. Do hät öbbsi
usewelle.
Was des gsi isch, findet mer, wämmer des Büechli ufmacht:
über sechzig Gedichter. Do drin gohts über alti Wegli
us de Kinderzitt bis in di hütige Däg, immene
Alemannisch, wo mer selte so zart un iidringlich ghört
hät. Wie heißt s am Aafang?
Si gheie
us em ärmel
miini Wörter
ufgriblet
die gümp
in ganze sätz
won i nümmi
zruck pfiffe cha
witt du pariere
mi seel
S Großmutti vo de Ulrike
Ebert - un nummi si hät des Maidli glehrt alemannisch
schwätze – isch in dem Büechli allwiil präsent, mit eme
Wortschatz, wo de hützdag sueche muesch. D Dichtere, wo
„hochdütsch läbt“, hät en noch so viele Johr endlig füre
gholt, dä Schatz. Wurum erscht hüt? Isch d Zitt riif
gsi, isch d Hut ufschprunge?
Es sin Gedichter worde, wo Blick verschenke in Garte, in
s Huus, si lön ein luege, stuune, loose, schmecke. E
leers Kinderzimmer, e Wiegelied, Kopfwehdäg un
Staubschnuppe, Frooge ans hütigi Läbe un als wider e
Naturlyrik, wo mer d Luft aahebe mueß: so gohts numme uf
alemannisch.
S bliibt e bsunderes Büechli, wämmers wider zuemacht -
am beschde ohni s Noochwort vo de Claudia Scherer z
läse. Do hät sich nämlig öbber gwaltig verhobe, s’ isch
ei Gruus! Des hets nit bruucht für des schöni
Erschtlingswerk, für „im handchehrum“ vo de Ulrike
Ebert.
Carola Horstmann
Ulrike Ebert
im handchehrum
Umschlag und Illustration Barbara Mößner
Drey-Verlag Gutach
17 Euro

Erika Buhr: Im Zitewind
Mit
em „Zitewind“, eso wie er im Titel vo ihrem zweite
Mundart-Gedichtband agsproche isch, bewegt sich au d
Frau Erika Buhr. Me gspürt s glii, wemme in des neu Werk
ineluegt. D Theme sine so, wie me si us viele
Mundartveröffentlichunge kennt. Aber wie si d Dichteri
verarbeitet het! Do gspürt me, dass d Frau Buhr offe gsi
isch, für sich Witerbilde.
Si
het en Fernstudium „Literarisches Schreiben“ mitgemacht
un ihr neu erarbeitet Könne umgsetzt. Des sin keine
brave Versli, wo do versammlet sin, sondern zum Teil
mutige moderni Forme. Alte Wii in neue Becher,
herkömmlichi Theme in neuer Form, do vermuetet keiner,
dass dodehinter e Frau in eme gsegnete Alter stoht. E
Frau, wo au s Bedürfnis het, ihri Erfahrig witer geh, de
Mensche helfe.
S
kunnt ihre au z guet, dass si in ere Landschaft gross
woren isch, wo noch e urchigs Alemannisch gschwätzt
wird, bi St. Blasien, noch genauer gsait, in
Ibach-Lindau. Wenn Ihr meh vo ihre wisse welle, lese uf
de Site xxx
Jetz sott eifach d Frau Buhr selber zeige, was si ka.
Klaus Poppen
Z spoot
Si
isch jung gsi
Un het gern glacht
Was hät si nu
So hilflos gmacht?
D Räder hän gratteret
Uf de blanke Gleis
S isch am Sunnesteg gsi
Fümf Minute vor Eis
Zum Johrestag
Liebe Gerhard
De
Augeblick hät di umarmt
Un übertrait in s Änedra.
Häsch s Bleistiftstümpli mit dr gnoh?
Villicht, ass me dört au schriibe cha
Mit
Liebi un viel Güeti
Häsch üs goldene Blüete gschenkt.
Chörbvoll, Johr für Johr.
Schö, ass dovo keini welkt.
S
wechslet Zit. Nüt stoht still.
Wo Du au bisch, am frömde Ort,
eineweg bisch do bi üs
Diin Ode goht dur dini Wort
Erika Buhr
Im Zitewind
Eigenverlag
Lindau 4
79837 Ibach
86 Site, € 10

Rudolf Vallendor: „Das Leben geht
weiter“
1908
isch er gebore, de Rudolf Vallendor. Siter dass i in der
Muettersproch-Gsellschaft bin, spielt er in Offeburg un
drumrum d Rolle as de Mundartpatriarch. Über 20 Mol het
er in 30 Johr Mundartbüecher oder Heftli veröffentlicht.
„Mir kinnes nit losse“ het im letschte Johr der Titel
gheisse. Un des „mir“ het bedütet, er un sini Frau
Martha.
Die isch nooch fascht 65 Johr Lebe mitenander jetz
gstorbe. Un de Rudolf schribt zum Johreswechsel 2006 uf
2007 tapfer as Titel für si neu Heftli: „Das Leben geht
weiter“. Im Vorwort denkt er an sini Martha „ als
würde sie hinter mir stehen und mir zuflüstern, was zu
sagen ist: „Das Leben geht weiter. So wird es immer
sein, solange ich noch bin.“ Un im Inhalt -
überwiegend hochdütsch - erlebe mir, wie immer, en
kernige, fröhliche, resolute un kluge Ma. De Rudolf
halt,
.
Er hört nix meh, ka drum nimmi Telefoniere. Er isch
ellai. Un s Alter zwackt ne.
Vom Jommere aber findsch im neueschte Heftli nix.
Rudolf, alte Mitstreiter für unsri Mundart, mir wünsche
Dir alles Gueti.
Klaus Poppen
Rudolf Vallendor
Das Leben geht weiter
Eigenverlag
Zeller Str. 57
77654 Offenburg
32 Site

Siegfried Scharf: Sagenhafter
Hochschwarzwald
Eigentlich
ist er ein Seehas, denn geboren wurde er 1939 in
Radolfzell am Bodensee. Aber inzwischen ist ihm der
Schwarzwald wohl ebenfalls ans Herz gewachsen. Einen
anderen Eindruck kann der Leser oder die Leserin wohl
kaum gewinnen, wenn er oder sie sein neues Buch
„Sagenhafter Schwarzwald - Eine Landschaft erzählt“ zur
Hand nimmt und darin schmökert.
Siegfried Scharf war von 1980 bis ins Jahr 2004
Bürgermeister in Eisenbach im Schwarzwald und kam im
Laufe seiner Amtszeit mit vielen interessanten und
bedeutenden Leuten zusammen, aber auch mit Originalen,
die zu der Geschichte einer Region untrennbar dazu
gehören. Um diese Menschen und um die Landschaft, sowie
um die kulturellen und kirchlichen Ereignisse in der
Region ranken sich die Geschichten aus seinem Buch.
Themenkomplexe wie „Früherer Alltag“, „Alte
Handwerksberufe, altes Handwerk“, „Brauchtum“, „Kirchen
und Feste“ und „Kultur“ nehmen einen breiten Raum in
seinem, ziemlich umfangreichen Buch ein. Daneben geht
Siegfried Scharf aber auch auf landschaftliche Themen,
wie „Berge, Bergbau und Landschaften“, „Gewässer, Seen
und Bäder“ oder „Verkehrswege“ ein. Und auch
Kulinarisches wird angesprochen, wenn er im Kapitel
„Hochschwarzwälder Kost“ auf das Schlachtfest, das
„Saueressen“ oder die Schwarzwälder Kirschtorte (beides
mit Rezept) eingeht. Nicht zuletzt sind aber noch die
Sagen und Geschichten zu nennen, die auch im Titel des
Buches aufscheinen.
Das Buch ist fast durchweg in Hochdeutsch geschrieben,
aber ab und zu streut er ein Mundartgedicht ein. Ein
abwechslungsreiches und kurzweiliges Buch!
fsn
Siegfried Scharf
Sagenhafter Hochschwarzwald
Centaurus Verlag
Direktbezug beim Verfasser:
Schwarzwaldstr. 33
79822 Titisee-Neustadt
Tel. 07651/5349
www.siegfried-scharf.de
333 S., 20 € zzgl. 2 € Porto + Versand

Josef Wilhelm: So simmer halt
„s
isch alles menschlig menschenskinder“: So heißt de Titel
vun „s Lochbure Seppl“ sine Mundartgedichte. Un de
Untertitel: „Sinniges un Unsinniges mol rein menschlig
gsehne“.
Autor isch de Josef Wilhelm vum Lochhof 19 in
Achere-Mösbach.
„Ä Denkmol on d Nochkriegszitte“, „ä bsundri
Läbensphilosophie“, „witzig odder?“, „Nochdenke“ un „So
simmer halt“: In die Theme isches Büechli iiteilt. Un s
goht um alles, was halt im Läwwe vun s Lochbure Seppl so
an Erfahrunge z mache gsin isch. Üwwer d Hühner, d
Fasent, de Volkstrauertag, s Frühlingserwache,
Bonkgschäfte un no üwwer viil, viil meh macht sich de
Josef Wilhelm sini Gedanke un het meischtens au no ä
weng ä „Moral in dere Gschicht“ versteckt.
„Also, nit long ziere un om beschte selwer läse“,
schriibt de Lochbuer im Vorwort.
S.
P.
Josef Wilhelm
„s isch alles menschlig menschenskinder“
Eigeverlag
Lochhof 19
77855 Achern-Mösbach
Tel.07841/5298
Erhältlich in allen Volksbanken und Buchläden von Achern
und über den Postversand
8,50 € (mit de Poscht 10 €)

Hajo Loch: Glichnis un d Bergpredigt uf
Alemannisch
Glichnis
un d’ Bergpredigt us-em Neue Testament het de Hajo R.
Loch in s schöne Markgräfler-Alemannisch üwwertrage.
Leser vum Heftli wisse natürlig, dass r au schun de
„Faust“ vum Goethe vermarkgräflert het.
Denne 18 Gliichnis vo de Evangeliste Matthäus, Markus,
Lukas und Johannes un de Berpredigt sin Bilder vum
Rainer Gdanietz vornedraagschtellt. Un zue jedem Bild ä
kleini Erklärung. Un natürlig helfe d Bilder d Gliichnis
besser verschtoh un d Gliichnis besser d Bilder. Zum
Titelbild schriibt de Autor: „Es ist nur möglich, die
menschliche Seite der Person Christi darzustellen. Das
Heilige wird durch Gefühlswärme und Harmonie mit
bildnerischen Mitteln zu erzielen versucht“.
Nit-Alemannische Leser git de H. Loch de Root „das Neue
Testament aufgeschlagen neben das kleine Buch zu legen“.
„Nit numme vom Brot lebt der Mensch. Au vo jedem Wort vo
Gott“ (Matth.4,4).
Also: Lese des wirkli schön gschtaltete Büechli!
S.P.
Un noch e
zweiti Besprechung:
D´Gliichnis un d´Bergpredigt
Me het dürfe mit grosse Erwartunge im zweite Büechli vom
Hajo Loch entgegeluege. Het er doch in sinem
Erstlingswerk „No hüt wirsch mit mir im Höllefüür si!“ e
hochi Messlatte aglegt. In dere Erzählig über der
letscht Tag vom Johann Georg Faust het de ehemoolig
Dütschlehrer un Uralemanne e aspruchsvolli Vorlage bote.
Jetz zwei Johr spöter, veröffentlicht er im Eigeverlag
e alemannischi Version us em Neue Testament:
D´Gliichnis un d`Bergpredigt.
Uf Worterklärunge verzichtet de Autor und schribt dezue:
Nichtalemannischen Lesern ist zu empfehlen, bei der
Lektüre des Dialekt-Textes das Neue Testament
aufgeschlagen neben das kleine Buch zu legen“
Au für alemannischi Leser isch der Vergliich mit em
Urtext intressant. Denn s git jo mänk Möglichkeit, e
Text us ere Urfassung zu übertragen. Un s bringt Gwinn,
wemme uf diesell Art die Gedankegäng vom Übertrager ka
verfolge. Un des bsunders, wenn er en Text übertrait, wo
gli dreimool unterschiedlich im neue Testament stoht,
wie z.B. s Gliichnis vom Semfchörnli, wo me bi Mattheus,
Markus un Lukas findet. So säht der Maa bim eine auf
sein Land, bim andere auf seinen Acker und
bim dritte in seinen Garten. De Hajo Loch
bezieht sich bi sinere Übertragung auf alli drei Text
und schafft drus en mundartliche Vierte.
Un der heisst:
Au mit em Semfchörnli chönnet-ehr ´s Himmelriich
vergliiche. E Ma nimmt´s un saait´s uf de Acker. S isch
zwar ´s chleinscht vo alle Soomechörner. Isch´s aber
usgwachse, no isch s des gröscht vo alle Gartechrüter,´s
schießt uf zue-eme Baum, eso groß, dass d´Vögel chömme
un in de Näscht ihri Neschter baue.
Gfühlvoll illuschtriert isch au des Büechli – wie de
Faust-Text – vom Rainer Gdanietz.
Klaus Poppen
Hajo R. Loch
D’ Glichnis un d’ Bergpredigt us-em Neue Testament
Zu beziehen bei
Gutenbergdruckerei
Ensisheimer Straße 10
79110 Freiburg
Tel. 0761/82202
info@gutenbergdruckerei.com
12,50 € zzgl. Porto

Gedichte und Geschichten von Erich Thoma
Der
Grenzach-Wyhlener Poet hat ein Buch mit dem Titel
„Gedankenstriche“ herausgegeben. Gedichte in Hochdeutsch
und Alemannisch, die Geschichten nur in Hochdeutsch. Der
Autor erweist sich als … Naturphilosoph und Bewunderer
der Schöpfung. Schon im Vorwort lässt Thoma den Leser an
Lebens- und Seinsfragen teilhaben. Thoma muss man eine
humanistische Ader bescheinigen, sehr oft kritisch, doch
niemals unfreundlich oder gar verletzend. Er sieht sich
mit seiner Philosophie, so möchte man glauben, als
Weltverbesserer.
Man darf dem Büchlein guten Erfolg und seinen Lesern
viel Vergnügen bei der Lektüre wünschen.
CHBM
Erich Thoma
Gedankenstriche
ISBN-10: 3-00-019978-0
ISBN 13: 978-3-00-019978-3
Preis 9,80 €

Werner Heiland-Justi: Elisabeth -
Königstochter von Ungarn, Landgräfin von Thüringen
und Heilige
Unser
Mitglied, Professor Werner Heiland, hat ein Buch
herausgebracht, das aus der Reihe der sonst bei uns
vorgestellten Büchern herausfällt und doch mit dem
Alemannischen zu tun hat. In seiner Darstellung der
Heiligen Elisabeth setzt er sich mit der Handschrift
auseinander, die 1481 im Klarissenkloster in Freiburg im
Breisgau entstanden ist und somit das damals gesprochene
Alemannisch repräsentiert. Der Text entstand nach der
Vorlage des lateinischen Textes von Dietrich von Apolda.
Einen Auszug daraus haben wir bereits im Heft I/II 2006
vorgestellt. Dort ist auch eine kleine Abbildung zu
sehen, die eine von 14 Miniaturen zeigt, die in Heilands
Buch in Farbe und in hervorragender Qualität zu
bewundern sind.
Werner Heiland hat eine besondere Beziehung zu der
Handschrift. Sie ist seit 1820 im Besitz seiner Familie,
zuletzt allerdings musste dies in einem Rechtsstreit mit
der Deutschen Bibliothek in Leipzig geklärt werden. Die
Familie Heiland hat den Rechtsstreit gewonnen, überlässt
der Bibliothek in Leipzig jedoch die Handschrift als
Dauer-Leihgabe.
Eine Rezensentin des Marburger Forums, Regina Neumann,
bei dem Heilands Werk im April 2007 Buch des Monats war,
beschreibt die Vorzüge des Werkes so: „Das Buch besticht
durch die sorgfältige, leserfreundliche Edition: Das
'Ave Maria' Elisabeths ist im mittelhochdeutschen
Original und daneben in neuhochdeutscher Übertragung,
das 'Gaude Sion' auf lateinisch, alemannisch und
neuhochdeutsch, das 'Gebet eines Kartäusers' ebenfalls
im alemannischen Original wiedergegeben So kann jeder
nach Kenntnisstand die Ausführungen des Herausgebers am
Original nachvollziehen.
Im Mittelpunkt steht aber die Analyse des Textes 'Leben
einer Heiligen als Gebet eines Kartäusers'. Dabei ist
für den Herausgeber die Frage leitend, die sich wohl
mancher angesichts des derzeitigen Elisabeth-Spektakels
stellt: "Wer ist nun diese Frau, die zugleich klug und
töricht war, ... die eine ungeheure Heiligenverehrung
erreichte. ... Elisabeth kann nicht bloß eine religiöse
Schwärmerin und eine von Konrad von Marburg unterjochte
Frau gewesen sein.“
Wer
möcht, kann sich do selber e Bild mache. S Buech vum
Werner Heiland-Justi isch eim e großi Hilf debii.
fsn
Werner Heiland-Justi
ELISABETH, Königstochter von Ungarn, Landgräfin von
Thüringen und Heilige.
Kunstverlag Joseph Fink, Lindenberg/Allgäu,
ISBN 978-3-89870-388-8,
20 Euro.

Harass: „E Huus voll Läbe dinne“
Harass,
„ein Publikationsorgan für bekannte und unbekannte
Autorinnen und Autoren deutscher Sprache aus der
Schweiz, dem Bodenseegebiet und weiteren benachbarten
Regionen“ hat sich in seinem Heft 21, einem Buch von
immerhin 422 Seiten, dem Thema MUND-ART & MUNDARTEN
verschrieben. Es wird eingeleitet von einem Gedicht des
hiesigen Markus Manfred Jung, von dem dann später fünf
weitere Texte folgen, und zeigt einen informativen
Querschnitt durch eine Sprach- und Literaturlandschaft,
wie immer mit Höhen und Ebenerem. In seinen anfänglichen
„Empfehlungen zur Mundartschreibung“ plädiert der
Erlanger Germanist Steffen Arzberger dafür, die
Mundartschreibung möglichst stark an den
standardsprachlichen Regeln zu orientieren, d. h. die
Lesegewohnheiten eines Normallesers zur Grundlage der
eigenen Schreibung zu machen und dafür zu sorgen, dass
ein Text für möglichst viele möglichst gut lesbar ist.
Im folgenden Großabschnitt „Mundartliches aus Stadt und
Land“ reiht der Herausgeber und Redaktor Bruno Oetterli
Hohlenbaum Lyrik und Prosa aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz und vermittelt damit - und mit den
vielen beigegebenen Illustrationen - ein buntes Bild des
Arbeitens in und mit der Mundart. Dabei fällt der Blick
immer wieder auf Beiträge aus unserem Gebiet, sei es auf
Gedanken und Gedichte der Seealemannen Rosemarie
Banholzer und Günther R. Burger oder auf solche von
Wendelinus Wurth und Werner Puschner (sollen des
Ersteren - im übrigen durchaus beachtlichen - Ortenauer
Texte wirklich „Schwarzwälder Mundart“ repräsentieren,
und was ist schwarzwäldisch in den etwas betulich
wirkenden Zeilen des Karlsruhers P.?). Öfteres und
lautes Vorlesen und Vorsprechen fordern die
hintersinnigen „Sprechübungen“ des Seealemannen
Hanspeter Wieland, welche offensichtlich mit den
verschiedenen Mundartformen seiner Heimat spielen und
auch die Situation des in den Dialekten Ungeübten
reflektieren. Und fast ernst gemeint ist der Schlusssatz
seiner fünf Gedichte: „Sagg emol / So wo wenig nett sin
Sache / Kumm brobiers ...“
Sehr berührt und überzeugt hat mich Bruno Epples Text „O
MODDERSPROOCH O WEH“, der Mittelteil einer im Entstehen
begriffenen Elegie, welcher das fast schon sichere
Absterben und Sterbenlassen der Muttesprache, der „Sprooch
vum Hegau ... vum Hotzewaald ... vu de Baar, vum
Wisedaal und vum Kaiserstuel“, beschreibt und einen
kleinen Trost darin findet, dass er in Markus Manfred
Jung und Manfred Bosch wie in den Elsässern Adrien Finck
und André Weckmann noch solche findet, „so Narre ... wos
mit em Dichte hond“, solche die „fir d Sprooch e Huus,
voll Läbe dinne (bauen)“. Beeindruckt haben mich auch
die zehn Sonette in Schaffhauser Mundart von Fritz
Gafner wie auch die in mehreren Schweizer Dialekten
abgefassten Gedichte von Felix Schwemmer.
Gerhard W. Baur
Harass. Die Sammelkiste der Gegenwartsliteratur aus dem
Sängerland.
Heft 21. Herbst 2006. 10. Jahrgang.
ISSN 1423-0984
ISBN-10: 3-908141-40-0
ISBN-13: 978-3-90814-40-2
Edition SIGNATHUR CH-8580 Dozwil TG

Johannes Wunsch: Mei Seifekutsch
isch futsch
Ä
b‘sunders interissanti CD isch mir ganz us de
nördlichscht Gegend vun de alemannische Sprochlandschaft
zug’schickt wore. De Johannes Wunsch us Forbach im
Murgtal het mit „Freunde“ un „Wegbegleiter“ ä CD
rusbrocht, wu mir vun de Musik, de Text un d Sproch
g‘falle het un immer no tuet.
Vun dene 14 Titel, wu die im Tonstudio „tonArtpro“ vum
Alexander Krieg – der het die Arrangements g’schriebe un
die musikalisch Leitung g’han – uffg’numme hen, sin
d’Hälft im Dialekt un d’ander Hälft in Hochditsch. Die
im Dialekt vun de alemannisch-fränkische Sprochgrenz
g’schriebini Lieder („Mei Seifekutsch“, „Junge Geiße“,
un „De Glaser“) beschäftige sich meischtens mit de
Kindheits- erinnerunge vum Johannes Wunsch oder schlage
Brucke zwische de Kindheit un der hitig Zit („KJG“, „Au
Ja!“ un „Mei Seifekutsch (Reprise)“). Die hochditschi
Lieder sin zum Teil witzig, ironisch un kritisch
(„Tanzkurs für Singels“, „Vernissage in der Beletage“ un
de „Kammerlander Landler“ oder setze sich liebevoll mit
elementare un trurige Lebenserfahrunge („Vermisst“ un „Hadl“)
ussänander. In „Airport Boutique“ werden „mondäne
Upper-Class“ un die „Selbstzweifel des Dörflers“
gegeüber g’stellt; aber am Schluß stellt sich rus, dass
die englisch schwätzendi Verkäuferi in dere Boutique „d’Mechthild
us Bermersbach“ isch, un au im vertraute
Murgtäler-Dialekt schwätze kann.
Dass de Johannes Wunsch, wu für alli Titel, Text un
d’Musik zuschtändig g’sin isch, des „Geschtern“ un „Hit“
guet zuänander bringt, sieht mer am Titellied: Z’erscht
isch die „Seifekuscht futsch“ un am Schluss vun dere CD
„flutscht“ sie widderscht. Au die „Hommage“ an „die
Fasent in Schnitztal“ zeigt, dass Tradition un
modernes/r un positives/r Lebensg’fühl oder Lebensstil
sich au guet vertrage kinne.
Musikalisch isch des, wu de Johannes Wunsch un sini
Musiker uff dere CD zum Beschte gehn, „au nit
schlecht“ - uff badisch: ganz guet! Vum Reggae bis
Ländler – au ä Wing Klassik isch dabi – hen di alles
ganz guet druff. Un bsunders bi dem Song „Kennst du das
Gefühl“ (für ganz überzeugti Muetterspröchler: des isch
„Neu-alemannisch“ un beditet ä moderns Lied) spürt mer,
dass für de Johannes un sini Mitschtritter uff dere
tolle CD d’Musik ä „Lebensenergie“ isch.
Gero Herr
Kontakt:
Johannes Wunsch
Klammstraße 22
76596 Forbach
Tel. 07228/3171 oder 3366
12,- Euro plus Versand

Luddi-Terminal
3
Seli
Schwarwälder Rock-Musiker, wu schu siterscht 3 Johr
zamme mit de Muetter-Spröchler im Rahme vum
„Schwarzwalderlebnis-Tag“
im Europa-Park in Rust ufftrete, hen ä neui CD rusbrocht.
Was die Kerli us Birkedorf widderscht sprochlich in
ihrem Schwarzwälder Dialekt - un au vun de Musik us
g’sene - uff ihrer neu CD uff d’Reih brocht hen, des
isch ä ganz bsundrer „Abflug“. Die Kerli hen des Zeug
dezue – ob musikalisch oder au vun de G’schichtli, wu si
verzehle - unsri alemannischi Kultur au an d’Jungi
widderscht z’gehn.
Des Titelstückli „Terminal 3“ g’fallt mir bsunders guet.
Die sprochlichi Bilder, wu die des Hin- un Herfliege
zwische de Illusione „Västaubti Dräum“ un de
Wirklichkeit „am Arsch isch fieschder“ oder „Am End isch
Zalldaag“ beschriebe un besinge, sin ganz guet g’lunge.
Un au die „pfätzig“ Rockmusik mit dene tolle
Bläserinsätz un me viehmäßige Trompete-Solo am Schluß
isch ä musikalischer Genuss – halt widderscht so ä
richtig gelungener „Luddi-Sound“.
Dass die mit unsere Sproch guet spiele kinne, hört mer
an de Beschriebung vun dere mit de „schärfschde
Fingernägel“ in „Allhatz“; was sich do so alles uff
„Schatz“ un Allhatz reimt: „´s Herz am linke Platz“, „wildi
Chatz“, „schtatt äma Schmatz git’s uf de Latz“, „I dim
Wortschatz bin ich än Dräckspatz“, „Du seisch mit jedem
Satz, dass ich die Läbe dir väpatz“, „schtändig Rabatz
häsch mit mir Blödfratz“, „doch du findisch kei Ersatz
suscht chäm i ratz fatz uf de Schrottplatz – allhatz“.
Dass die Kerli trotz ihrer Weltoffeheit au im
Schwarzwald – genau in Birkedorf - daheim sin, des merkt
mer, wenn die des „Hagehole“ besinge.
Eigentlich isch’s jeder Titel vun der nei Luddi-CD
wert, dass mer ebs drüber schriebt – doch noch besser
isch: Terminal 3 kaufe und/oder uff eins vun dene viele
Konzert gehn, wu mer die tolli Schwarzwald-Rocker höre
un sehne kann.
Ä scheeni Sach isch es au, dass die Luddi bi ihrem „merci
viel mohl“ uff dem kleine Beiheft (Booklet) sich au bi
de Muettersproch-Gsellschaft für die Unterstützung
bedanke dien.
Gero
Herr
Kontakt:
info@luddi.com
Luddi,
Im Weierle 5
D-79777 Birkendorf
Tel. 0049- (0)160 745 34 66
Preis:14 Euro plus Versand
