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neui Büecher un CD, besproche im Heftli 1/2 2007
 

Ulrike Ebert: im handchehrum
Erika Buhr: Im Zitewind
Rudolf Vallendor: Das Leben geht weiter
Siegfried Scharf: Sagenhafter Hochschwarzwald
Josef Wilhelm: "s isch alles menschlig menschenskinder“
Hajo R. Loch: D’ Glichnis un d’ Bergpredigt us-em Neue Testament
Erich Thoma: Gedankenstriche
Werner Heiland-Justi: Elisabeth von Thüringen

Harass. Die Sammelkiste der Gegenwartsliteratur aus dem Sängerland
Johannes Wunsch: Mei Seifekutsch isch futsch
Luddi: Terminal 3
 


Ulrike Ebert schriibt „im handchehrum“

S isch e bsunderes Büechli, wo de do in de Hand hebsch. Scho s Foti ufm Iiband  macht ein wunderfitzig. Mer denkt an Papier,  wo gwellt isch wien e alti Hut. Vertrochnet, verschrumplet. Si isch gschprunge, s  hät si verisse, di alti Hut. Do hät öbbsi usewelle.
Was des gsi isch, findet mer, wämmer des Büechli ufmacht: über sechzig  Gedichter. Do drin gohts über alti Wegli us de Kinderzitt bis in di hütige Däg, immene Alemannisch, wo mer selte so zart un iidringlich ghört hät. Wie heißt s am Aafang?

Si gheie

us em ärmel
miini Wörter

ufgriblet

die gümp
in ganze sätz

won i nümmi
zruck pfiffe cha

witt du pariere

mi seel 

S Großmutti vo de Ulrike Ebert - un nummi si hät des Maidli glehrt alemannisch schwätze – isch in dem Büechli allwiil präsent,  mit eme Wortschatz, wo de hützdag  sueche muesch. D Dichtere, wo „hochdütsch läbt“, hät en noch so viele Johr endlig füre gholt, dä Schatz.  Wurum erscht hüt? Isch d Zitt riif gsi, isch d Hut ufschprunge?
Es sin Gedichter worde, wo Blick verschenke in Garte, in s Huus, si lön ein luege, stuune, loose, schmecke. E leers Kinderzimmer, e Wiegelied, Kopfwehdäg un Staubschnuppe, Frooge ans hütigi Läbe un als wider e Naturlyrik, wo mer d Luft aahebe mueß: so gohts numme uf alemannisch.
S bliibt e bsunderes Büechli, wämmers wider zuemacht - am beschde ohni s Noochwort vo de Claudia Scherer z läse. Do hät sich nämlig öbber gwaltig verhobe, s’ isch ei Gruus! Des hets nit bruucht für des schöni  Erschtlingswerk, für „im handchehrum“ vo de Ulrike Ebert.

Carola Horstmann

Ulrike Ebert
im handchehrum
Umschlag und Illustration Barbara Mößner
Drey-Verlag Gutach
17 Euro


 


Erika Buhr: Im Zitewind

Mit em „Zitewind“, eso wie er im Titel vo ihrem zweite Mundart-Gedichtband agsproche isch, bewegt sich au d Frau Erika Buhr. Me gspürt s glii, wemme in des neu Werk ineluegt. D Theme sine so, wie me si us viele Mundartveröffentlichunge kennt. Aber wie si d Dichteri verarbeitet het! Do gspürt me, dass d Frau Buhr offe gsi isch, für sich Witerbilde.

Si het en Fernstudium „Literarisches Schreiben“ mitgemacht un ihr neu erarbeitet Könne umgsetzt. Des sin keine brave Versli, wo do versammlet sin, sondern zum Teil mutige moderni Forme. Alte Wii in neue Becher, herkömmlichi Theme in neuer Form, do vermuetet keiner, dass dodehinter e Frau in eme gsegnete Alter stoht. E Frau, wo au s Bedürfnis het, ihri Erfahrig witer geh, de Mensche helfe.

S kunnt ihre au z guet, dass si in ere Landschaft gross woren isch, wo noch e urchigs Alemannisch gschwätzt wird, bi St. Blasien, noch genauer gsait, in Ibach-Lindau. Wenn Ihr meh vo ihre wisse welle, lese uf de Site xxx

Jetz sott eifach d Frau Buhr selber zeige, was si ka.

Klaus Poppen

Z spoot

Si isch jung gsi
Un het gern glacht
Was hät si nu
So hilflos gmacht?
D Räder hän gratteret
Uf de blanke Gleis
S isch am Sunnesteg gsi
Fümf Minute vor Eis 

 

Zum Johrestag

Liebe Gerhard

De Augeblick hät di umarmt
Un übertrait in s Änedra.
Häsch s Bleistiftstümpli mit dr gnoh?
Villicht, ass me dört au schriibe cha

Mit Liebi un viel Güeti
Häsch üs goldene Blüete gschenkt.
Chörbvoll, Johr für Johr.
Schö, ass dovo keini welkt.

S wechslet Zit. Nüt stoht still.
Wo Du au bisch, am frömde Ort,
eineweg bisch do bi üs
Diin Ode goht dur dini Wort 

 

Erika Buhr
Im Zitewind
Eigenverlag
Lindau 4
79837 Ibach
86 Site, € 10 


 


Rudolf Vallendor: „Das Leben geht weiter“

1908 isch er gebore, de Rudolf Vallendor. Siter dass i in der Muettersproch-Gsellschaft bin, spielt er in Offeburg un drumrum d Rolle as de Mundartpatriarch. Über 20 Mol het er in 30 Johr Mundartbüecher oder Heftli veröffentlicht. „Mir kinnes nit losse“ het im letschte Johr der Titel gheisse. Un des „mir“ het bedütet, er un sini Frau Martha.

Die isch nooch fascht 65 Johr Lebe mitenander jetz gstorbe. Un de Rudolf schribt zum Johreswechsel 2006 uf 2007 tapfer as Titel für si neu Heftli: „Das Leben geht weiter“. Im Vorwort denkt er an sini Martha „ als würde sie hinter mir stehen und mir zuflüstern, was zu sagen ist: „Das Leben geht weiter. So wird es immer sein, solange ich noch bin.“ Un im Inhalt - überwiegend hochdütsch - erlebe mir, wie immer, en kernige, fröhliche, resolute un kluge Ma. De Rudolf halt,
.
Er hört nix meh, ka drum nimmi Telefoniere. Er isch ellai. Un s Alter zwackt ne.
Vom Jommere aber findsch im neueschte Heftli nix.

Rudolf, alte Mitstreiter für unsri Mundart, mir wünsche Dir alles Gueti.

Klaus Poppen

Rudolf Vallendor
Das Leben geht weiter
Eigenverlag
Zeller Str. 57
77654 Offenburg
32 Site
 


Siegfried Scharf: Sagenhafter Hochschwarzwald

Eigentlich ist er ein Seehas, denn geboren wurde er 1939 in Radolfzell am Bodensee. Aber inzwischen ist ihm der Schwarzwald wohl ebenfalls ans Herz gewachsen. Einen anderen Eindruck kann der Leser oder die Leserin wohl kaum gewinnen, wenn er oder sie sein neues Buch „Sagenhafter Schwarzwald - Eine Landschaft erzählt“ zur Hand nimmt und darin schmökert.
Siegfried Scharf war von 1980 bis ins Jahr 2004 Bürgermeister in Eisenbach im Schwarzwald und kam im Laufe seiner Amtszeit mit vielen interessanten und bedeutenden Leuten zusammen, aber auch mit Originalen, die zu der Geschichte einer Region untrennbar dazu gehören. Um diese Menschen und um die Landschaft, sowie um die kulturellen und kirchlichen Ereignisse in der Region ranken sich die Geschichten aus seinem Buch. Themenkomplexe wie „Früherer Alltag“, „Alte Handwerksberufe, altes Handwerk“, „Brauchtum“, „Kirchen und Feste“ und „Kultur“ nehmen einen breiten Raum in seinem, ziemlich umfangreichen Buch ein. Daneben geht Siegfried Scharf aber auch auf landschaftliche Themen, wie „Berge, Bergbau und Landschaften“, „Gewässer, Seen und Bäder“ oder „Verkehrswege“ ein. Und auch Kulinarisches wird angesprochen, wenn er im Kapitel „Hochschwarzwälder Kost“ auf das Schlachtfest, das „Saueressen“ oder die Schwarzwälder Kirschtorte (beides mit Rezept) eingeht. Nicht zuletzt sind aber noch die Sagen und Geschichten zu nennen, die auch im Titel des Buches aufscheinen.
Das Buch ist fast durchweg in Hochdeutsch geschrieben, aber ab und zu streut er ein Mundartgedicht ein. Ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Buch!
 

fsn


Siegfried Scharf
Sagenhafter Hochschwarzwald
Centaurus Verlag
Direktbezug beim Verfasser:
Schwarzwaldstr. 33
79822 Titisee-Neustadt
Tel. 07651/5349
www.siegfried-scharf.de
333 S., 20 € zzgl. 2 € Porto + Versand


Josef Wilhelm: So simmer halt

„s isch alles menschlig menschenskinder“: So heißt de Titel vun „s Lochbure Seppl“ sine Mundartgedichte. Un de Untertitel: „Sinniges un Unsinniges mol rein menschlig gsehne“.
Autor isch de Josef Wilhelm vum Lochhof 19 in Achere-Mösbach.
„Ä Denkmol on d Nochkriegszitte“, „ä bsundri Läbensphilosophie“, „witzig odder?“, „Nochdenke“ un „So simmer halt“: In die Theme isches Büechli iiteilt. Un s goht um alles, was halt im Läwwe vun s Lochbure Seppl so an Erfahrunge z mache gsin isch. Üwwer d Hühner, d Fasent, de Volkstrauertag, s Frühlingserwache, Bonkgschäfte un no üwwer viil, viil meh macht sich de Josef Wilhelm sini Gedanke un het meischtens au no ä weng ä „Moral in dere Gschicht“ versteckt.
„Also, nit long ziere un om beschte selwer läse“, schriibt de Lochbuer im Vorwort.
 

S. P.

Josef Wilhelm
„s isch alles menschlig menschenskinder“
Eigeverlag
Lochhof 19
77855 Achern-Mösbach
Tel.07841/5298
Erhältlich in allen Volksbanken und Buchläden von Achern
und über den Postversand
8,50 €  (mit de Poscht 10 €)

 


Hajo Loch: Glichnis un d Bergpredigt uf Alemannisch

Glichnis un d’ Bergpredigt us-em Neue Testament het de Hajo R. Loch in s schöne Markgräfler-Alemannisch üwwertrage. Leser vum Heftli wisse natürlig, dass r au schun de „Faust“ vum Goethe vermarkgräflert het.
Denne 18 Gliichnis vo de Evangeliste Matthäus, Markus, Lukas und Johannes un de Berpredigt sin Bilder vum Rainer Gdanietz vornedraagschtellt. Un zue jedem Bild ä kleini Erklärung. Un natürlig helfe d Bilder d Gliichnis besser verschtoh un d Gliichnis besser d Bilder. Zum Titelbild schriibt de Autor: „Es ist nur möglich, die menschliche Seite der Person Christi darzustellen. Das Heilige wird durch Gefühlswärme und Harmonie mit bildnerischen Mitteln zu erzielen versucht“. Nit-Alemannische Leser git de H. Loch de Root „das Neue Testament aufgeschlagen neben das kleine Buch zu legen“.
„Nit numme vom Brot lebt der Mensch. Au vo jedem Wort vo Gott“ (Matth.4,4).

Also: Lese des wirkli schön gschtaltete Büechli!
 

S.P.

Un noch e zweiti Besprechung:

D´Gliichnis un d´Bergpredigt

Me het dürfe mit grosse Erwartunge im zweite Büechli vom Hajo Loch entgegeluege. Het er doch in sinem Erstlingswerk „No hüt wirsch mit mir im Höllefüür si!“ e hochi Messlatte aglegt. In dere Erzählig über der letscht Tag vom Johann Georg Faust het de ehemoolig Dütschlehrer un Uralemanne e aspruchsvolli Vorlage bote.

Jetz zwei Johr spöter,  veröffentlicht er im Eigeverlag  e alemannischi Version  us em Neue Testament:  D´Gliichnis un d`Bergpredigt.

Uf Worterklärunge verzichtet de Autor und schribt dezue:  Nichtalemannischen Lesern ist zu empfehlen, bei der Lektüre des Dialekt-Textes das Neue Testament aufgeschlagen neben das kleine Buch zu legen“

Au  für  alemannischi Leser isch der Vergliich mit em Urtext intressant. Denn s git jo mänk Möglichkeit, e Text us ere Urfassung zu übertragen. Un s bringt Gwinn, wemme uf diesell Art die Gedankegäng vom Übertrager ka verfolge. Un des bsunders, wenn er en Text übertrait, wo gli dreimool unterschiedlich im neue Testament stoht, wie z.B. s Gliichnis vom Semfchörnli, wo me bi Mattheus, Markus un Lukas findet. So säht der Maa bim eine auf sein Land, bim andere auf seinen Acker und bim dritte in seinen Garten. De  Hajo Loch bezieht sich bi sinere Übertragung auf alli drei Text und schafft drus en mundartliche Vierte.
Un  der heisst:
Au mit em Semfchörnli chönnet-ehr ´s Himmelriich vergliiche. E Ma nimmt´s un saait´s uf de Acker. S isch zwar ´s chleinscht vo alle Soomechörner. Isch´s aber usgwachse, no isch s des gröscht vo alle Gartechrüter,´s schießt uf zue-eme Baum, eso groß, dass d´Vögel chömme un in de Näscht ihri Neschter baue.

Gfühlvoll illuschtriert isch au des Büechli – wie de Faust-Text – vom Rainer Gdanietz.

Klaus Poppen

Hajo R. Loch
D’ Glichnis un d’ Bergpredigt us-em Neue Testament
Zu beziehen bei
Gutenbergdruckerei
Ensisheimer Straße 10
79110 Freiburg
Tel. 0761/82202
info@gutenbergdruckerei.com
12,50 € zzgl. Porto


Gedichte und Geschichten von Erich Thoma

Der Grenzach-Wyhlener Poet hat ein Buch mit dem Titel „Gedankenstriche“ herausgegeben. Gedichte in Hochdeutsch und Alemannisch, die Geschichten nur in Hochdeutsch. Der Autor erweist sich als … Naturphilosoph und Bewunderer der Schöpfung. Schon im Vorwort lässt Thoma den Leser an Lebens- und Seinsfragen teilhaben. Thoma muss man eine humanistische Ader bescheinigen, sehr oft kritisch, doch niemals unfreundlich oder gar verletzend. Er sieht sich mit seiner Philosophie, so möchte man glauben, als Weltverbesserer.
Man darf dem Büchlein guten Erfolg und seinen Lesern viel Vergnügen bei der Lektüre wünschen.
 

CHBM

 

 

Erich Thoma
Gedankenstriche
ISBN-10: 3-00-019978-0
ISBN 13: 978-3-00-019978-3
Preis 9,80 €


Werner Heiland-Justi: Elisabeth - Königstochter von Ungarn, Landgräfin von Thüringen und Heilige

Unser Mitglied, Professor Werner Heiland, hat ein Buch herausgebracht, das aus der Reihe der sonst bei uns vorgestellten Büchern herausfällt und doch mit dem Alemannischen zu tun hat. In seiner Darstellung der Heiligen Elisabeth setzt er sich mit der Handschrift auseinander, die 1481 im Klarissenkloster in Freiburg im Breisgau entstanden ist und somit das damals gesprochene Alemannisch repräsentiert. Der Text entstand nach der Vorlage des lateinischen Textes von Dietrich von Apolda. Einen Auszug daraus haben wir bereits im Heft I/II 2006 vorgestellt. Dort ist auch eine kleine Abbildung zu sehen, die eine von 14 Miniaturen zeigt, die in Heilands Buch in Farbe und in hervorragender Qualität zu bewundern sind.
Werner Heiland hat eine besondere Beziehung zu der Handschrift. Sie ist seit 1820 im Besitz seiner Familie, zuletzt allerdings musste dies in einem Rechtsstreit mit der Deutschen Bibliothek in Leipzig geklärt werden. Die Familie Heiland hat den Rechtsstreit gewonnen, überlässt der Bibliothek in Leipzig jedoch die Handschrift als Dauer-Leihgabe.
Eine Rezensentin des Marburger Forums, Regina Neumann, bei dem Heilands Werk im April 2007 Buch des Monats war, beschreibt die Vorzüge des Werkes so: „Das Buch besticht durch die sorgfältige, leserfreundliche Edition: Das 'Ave Maria' Elisabeths ist im mittelhochdeutschen Original und daneben in neuhochdeutscher Übertragung, das 'Gaude Sion' auf lateinisch, alemannisch und neuhochdeutsch, das 'Gebet eines Kartäusers' ebenfalls im alemannischen Original wiedergegeben So kann jeder nach Kenntnisstand die Ausführungen des Herausgebers am Original nachvollziehen.
Im Mittelpunkt steht aber die Analyse des Textes 'Leben einer Heiligen als Gebet eines Kartäusers'. Dabei ist für den Herausgeber die Frage leitend, die sich wohl mancher angesichts des derzeitigen Elisabeth-Spektakels stellt: "Wer ist nun diese Frau, die zugleich klug und töricht war, ... die eine ungeheure Heiligenverehrung erreichte. ... Elisabeth kann nicht bloß eine religiöse Schwärmerin und eine von Konrad von Marburg unterjochte Frau gewesen sein.“
Wer möcht, kann sich do selber e Bild mache. S Buech vum Werner Heiland-Justi isch eim e großi Hilf debii.

fsn

Werner Heiland-Justi
ELISABETH, Königstochter von Ungarn, Landgräfin von Thüringen und Heilige.
Kunstverlag Joseph Fink, Lindenberg/Allgäu,
ISBN 978-3-89870-388-8,
20 Euro.


Harass: „E Huus voll Läbe dinne“

Harass, „ein Publikationsorgan für bekannte und unbekannte Autorinnen und Autoren deutscher Sprache aus der Schweiz, dem Bodenseegebiet und weiteren benachbarten Regionen“ hat sich in seinem Heft 21, einem Buch von immerhin 422 Seiten, dem Thema MUND-ART & MUNDARTEN verschrieben. Es wird eingeleitet von einem Gedicht des hiesigen Markus Manfred Jung, von dem dann später fünf weitere Texte folgen, und zeigt einen informativen Querschnitt durch eine Sprach- und Literaturlandschaft, wie immer mit Höhen und Ebenerem. In seinen anfänglichen „Empfehlungen zur Mundartschreibung“ plädiert der Erlanger Germanist Steffen Arzberger dafür, die Mundartschreibung möglichst stark an den standardsprachlichen Regeln zu orientieren, d. h. die Lesegewohnheiten eines Normallesers zur Grundlage der eigenen Schreibung zu machen und dafür zu sorgen, dass ein Text für möglichst viele möglichst gut lesbar ist.
Im folgenden Großabschnitt „Mundartliches aus Stadt und Land“ reiht der Herausgeber und Redaktor Bruno Oetterli Hohlenbaum Lyrik und Prosa aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und vermittelt damit - und mit den vielen beigegebenen Illustrationen - ein buntes Bild des Arbeitens in und mit der Mundart. Dabei fällt der Blick immer wieder auf Beiträge aus unserem Gebiet, sei es auf Gedanken und Gedichte der Seealemannen Rosemarie Banholzer und Günther R. Burger oder auf solche von Wendelinus Wurth und Werner Puschner (sollen des Ersteren - im übrigen durchaus beachtlichen - Ortenauer Texte wirklich „Schwarzwälder Mundart“ repräsentieren, und was ist schwarzwäldisch in den etwas betulich wirkenden Zeilen des Karlsruhers P.?). Öfteres und lautes Vorlesen und Vorsprechen fordern die hintersinnigen „Sprechübungen“ des Seealemannen Hanspeter Wieland, welche offensichtlich mit den verschiedenen Mundartformen seiner Heimat spielen und auch die Situation des in den Dialekten Ungeübten reflektieren. Und fast ernst gemeint ist der Schlusssatz seiner fünf Gedichte: „Sagg emol / So wo wenig nett sin Sache / Kumm brobiers ...“
Sehr berührt und überzeugt hat mich Bruno Epples Text „O MODDERSPROOCH O WEH“, der Mittelteil einer im Entstehen begriffenen Elegie, welcher das fast schon sichere Absterben und Sterbenlassen der Muttesprache, der „Sprooch vum Hegau ... vum Hotzewaald ... vu de Baar, vum Wisedaal und vum Kaiserstuel“, beschreibt und einen kleinen Trost darin findet, dass er in Markus Manfred Jung und Manfred Bosch wie in den Elsässern Adrien Finck und André Weckmann noch solche findet, „so Narre ... wos mit em Dichte hond“, solche die „fir d Sprooch e Huus, voll Läbe dinne (bauen)“. Beeindruckt haben mich auch die zehn Sonette in Schaffhauser Mundart von Fritz Gafner wie auch die in mehreren Schweizer Dialekten abgefassten Gedichte von Felix Schwemmer.

Gerhard W. Baur


Harass. Die Sammelkiste der Gegenwartsliteratur aus dem Sängerland.
Heft 21. Herbst 2006. 10. Jahrgang.
ISSN 1423-0984
ISBN-10: 3-908141-40-0
ISBN-13: 978-3-90814-40-2
Edition SIGNATHUR CH-8580 Dozwil TG


Johannes Wunsch: Mei Seifekutsch isch futsch

Ä b‘sunders interissanti CD isch mir ganz us de nördlichscht Gegend vun de alemannische Sprochlandschaft zug’schickt wore. De Johannes Wunsch us Forbach im Murgtal het mit „Freunde“ un „Wegbegleiter“ ä CD rusbrocht, wu mir vun de Musik, de Text un d Sproch  g‘falle het un immer no tuet.
Vun dene 14 Titel, wu die im Tonstudio „tonArtpro“ vum Alexander Krieg – der het die Arrangements g’schriebe un die musikalisch Leitung g’han – uffg’numme hen, sin d’Hälft im Dialekt un d’ander Hälft in Hochditsch. Die im Dialekt vun de alemannisch-fränkische Sprochgrenz g’schriebini Lieder („Mei Seifekutsch“, „Junge Geiße“,   un „De Glaser“) beschäftige sich meischtens mit de Kindheits- erinnerunge vum  Johannes Wunsch oder schlage Brucke zwische de Kindheit un der hitig Zit („KJG“, „Au Ja!“ un „Mei Seifekutsch (Reprise)“). Die  hochditschi Lieder sin zum Teil witzig, ironisch un kritisch („Tanzkurs für Singels“, „Vernissage in der Beletage“ un de „Kammerlander Landler“ oder setze sich liebevoll mit elementare un trurige Lebenserfahrunge („Vermisst“ un „Hadl“) ussänander. In „Airport Boutique“ werden „mondäne Upper-Class“ un die „Selbstzweifel des Dörflers“ gegeüber g’stellt; aber am Schluß stellt sich rus, dass die englisch schwätzendi Verkäuferi in dere Boutique „d’Mechthild us Bermersbach“ isch, un au im vertraute Murgtäler-Dialekt schwätze kann.
Dass de Johannes Wunsch, wu für alli Titel, Text un d’Musik zuschtändig g’sin isch, des „Geschtern“ un „Hit“ guet zuänander bringt, sieht mer am Titellied: Z’erscht isch die „Seifekuscht futsch“ un am Schluss vun dere CD „flutscht“ sie widderscht. Au die „Hommage“ an „die Fasent in Schnitztal“ zeigt, dass Tradition un modernes/r un positives/r Lebensg’fühl oder Lebensstil sich au guet vertrage kinne.
Musikalisch isch des, wu de Johannes Wunsch un sini Musiker uff dere CD zum Beschte gehn,  „au nit schlecht“  - uff badisch: ganz guet! Vum Reggae bis Ländler – au ä Wing Klassik isch dabi – hen di alles ganz guet druff. Un bsunders bi dem Song „Kennst du das Gefühl“ (für ganz überzeugti Muetterspröchler: des isch „Neu-alemannisch“ un beditet ä moderns Lied) spürt mer, dass für de Johannes un sini Mitschtritter uff dere tolle CD d’Musik ä „Lebensenergie“ isch.

Gero Herr

Kontakt:
Johannes Wunsch
Klammstraße 22
76596 Forbach
Tel. 07228/3171 oder 3366
12,- Euro plus Versand


Luddi-Terminal 3

Seli Schwarwälder Rock-Musiker, wu schu siterscht 3 Johr zamme mit de Muetter-Spröchler im Rahme vum „Schwarzwalderlebnis-Tag“
im Europa-Park in Rust ufftrete, hen ä neui CD rusbrocht.
Was die Kerli us Birkedorf widderscht sprochlich in ihrem Schwarzwälder Dialekt - un au vun de Musik us g’sene - uff ihrer neu CD uff d’Reih brocht hen, des isch ä ganz bsundrer „Abflug“. Die Kerli hen des Zeug dezue – ob musikalisch oder au vun de G’schichtli, wu si verzehle - unsri alemannischi Kultur au an d’Jungi widderscht z’gehn.
Des Titelstückli „Terminal 3“ g’fallt mir bsunders guet. Die sprochlichi Bilder, wu die des Hin- un Herfliege zwische de Illusione „Västaubti Dräum“ un  de Wirklichkeit „am Arsch isch fieschder“ oder „Am End isch Zalldaag“ beschriebe un besinge, sin ganz guet g’lunge. Un au die „pfätzig“ Rockmusik mit dene tolle Bläserinsätz un me viehmäßige Trompete-Solo am Schluß isch ä musikalischer Genuss – halt widderscht so ä richtig gelungener „Luddi-Sound“.
Dass die mit unsere Sproch guet spiele kinne, hört mer an de Beschriebung vun dere mit de „schärfschde Fingernägel“ in „Allhatz“; was sich do so alles uff „Schatz“ un Allhatz reimt: „´s Herz am linke Platz“, „wildi Chatz“, „schtatt äma Schmatz git’s uf de Latz“, „I dim Wortschatz bin ich än Dräckspatz“, „Du seisch mit jedem Satz, dass ich die Läbe dir väpatz“, „schtändig Rabatz häsch mit mir Blödfratz“, „doch du findisch kei Ersatz suscht chäm i ratz fatz uf de Schrottplatz – allhatz“.
Dass die Kerli trotz ihrer Weltoffeheit au im Schwarzwald – genau in Birkedorf - daheim sin, des merkt mer, wenn die des „Hagehole“ besinge.
Eigentlich isch’s  jeder Titel vun der nei Luddi-CD wert, dass mer ebs drüber schriebt – doch noch besser isch: Terminal 3 kaufe und/oder uff eins vun dene viele Konzert gehn, wu mer die tolli Schwarzwald-Rocker höre un sehne kann.
Ä scheeni Sach isch es au, dass die Luddi bi ihrem „merci viel mohl“ uff dem kleine Beiheft (Booklet) sich au bi de Muettersproch-Gsellschaft für die Unterstützung bedanke dien.
 

Gero Herr

Kontakt:

info@luddi.com
Luddi,
Im Weierle 5
D-79777 Birkendorf
Tel. 0049- (0)160 745 34 66
Preis:14 Euro plus Versand


 

 

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