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Schaffhauser Nachrichten, 14. Juli 2008
 

Vermieste Stimmung wegen Dauerregen
Der Regen
hinterliess gestern beim Burgfest auf dem Hohentwiel seine Spuren und sorgte für deutlich geringere Besucherzahlen als in den Vorjahren.
 

von Gerhard Herr
 

Dauerregen zu Beginn und teilweise heftige Schauer am Nachmittag wollten unter den Besuchern des Burgfestes auf der Singener Festungsruine Hohentwiel keine richtige Feierstimmung aufkommen lassen. Mit Schirmen, Hüten und Gummistiefeln gewappnet, wagten sich dennoch gestern etwas über 5000 Besucher – knapp ein Drittel des jahrelangen Aufkommens – auf den Berg, um Musikbands, Zauberern und Kabarettisten zuzuhören.
 

Als der grosse Regen gegen 12 Uhr endlich aufhörte, begannen auch die Organisatoren des Burgfestes wieder zu strahlen und neuen Mut zu schöpfen. «Was hascht da für e Wetter bschtellt», scherzte Heinz Künstner von der Singener Muettersproch-Gsellschaft mit dem Hauptorganisator und Singener Kulturchef Walter Möll. Dieser schüttelte nur den Kopf und schaute den Mitgliedern des türkischen Vereins nach, die noch schnell ein paar Teller und prallgefüllte Schüsseln durchs Festungstor hinauf zum Paradeplatz auf dem oberen Teil der Festung schleppten. «Bis jetzt haben wir ein paar Würstchen und vor allem heisse Flädlesuppe verkauft, im letzten Jahr waren’s um die Uhrzeit schon weit über hundert und jede Menge Fleisch», berichtete auch Künstner vom schleppenden Geschäft. «Das Fest ist leer», zog er ein erstes Fazit. Eine Woche Vorbereitung, 20 Leute im Einsatz, beim Schinkenkochen und Würschtle-Braten – fast vergeblich. Unterm Strich sei es diesesmal ein Verlustgeschäft, sagte Möll. Das trifft die rund 150 Vereine mit gut 250 Helfern hart.
Derweil fuhr die Organisation das Schlechtwetterprogramm beim 39. Burgfest in den Mauern der 914 errichteten und im 16. Jahrhundert zur Festung ausgebauten Burg. Möll und Kollegen hofften so, den nach und nach eher schleppend eintrudelnden Besuchern doch noch etwas Programm bieten zu können. Weil Aufführungen auf den Freilichtbühnen unmöglich waren, wurde in den Regenpausen gespielt, oder die Künstler traten in den beiden Gewölbekellern und auf den sieben überdachten Bühnen auf. Eigentlich waren zusammengefasst bei 65 unterschiedlichen Auftritten rund 90 Stunden Programm auf 13 Bühnen geplant. «Heute ist die hohe Kunst der Improvisation gefragt, da zeigt sich, wie gut unser Laden läuft», scherzte Möll gegen 13 Uhr wieder, als der Regen eine grosse Pause machte.
Jetzt kamen auch die Gäste nahezu in Scharen. Am Paradeplatz versuchte Zauberer Charismo, die durchnässten Kinder zum Lachen zu bringen. Auf der grossen Bühne an der Karlsbastion heizte Sängerin Monika Büttner von der Gruppe «Sixty6» den Zuhörern mit flotten Beats und Oldies aus den sechziger Jahren ein. Als dann auch noch die Sonne hinter den Regenwolken hervorkam, rührte Michael Kolb alias «Zuckerbäcker Pierre Dumas» auf Omas Küchenherd in seinen süss duftenden Mandeln und jonglierte mit dem Kochlöffel. Das Publikum dankte es ihm mit Beifall. Als Dumas die Mandeln verteilt hatte, zog es die ersten eiligst hinauf zum Paradeplatz, wo sich die portugiesische Folkloregruppe für den Tanz bereit machte und es nach gebratenen Sardinen und Schaschlikspiessen duftete. Die ersten dunklen Wolken drohten mit neuem Regen.
Am Abend, als gegen 21 Uhr viele der Vereinsmitglieder und Helfer mit zum Teil noch vollen Töpfen wieder die Festung herunterstiegen, war das Fazit des ansonsten bis zu 20 000 Besucher zählenden Festes mit Musik-, Kleinkunst- und Kabarett- sowie Tanzaufführungen der verschiedensten kulturellen Gruppen der Stadt eher durchwachsen. «Hoffentlich», sagte Möll, «hält das Wetter in der kommenden Woche.» Am Dienstagabend will Startenor Salvatore Licitra auf der Karlsbastion mit Arien und neapolitanischen Liedern dem Klassikabend des Hohentwiel-Festivals besonderen Glanz verleihen. Am Mittwoch sollen die Südstaaten-Rocker ZZ Top einheizen. Dann folgen die Berliner Band In Extremo mit Mittelalter-Rock. Das Ende des Veranstaltungsmarathons auf Deutschlands grösster Festungsruine setzt Schlagerbarde Dieter Thomas Kuhn mit Band und einer abschliessenden fröhlichen Sommerparty in der Scheffelhalle.


 

 

 

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