Südkurier,
16. 7. 2008
Augenzwinkernd und
nachdenklich
D Muettersproch sei für sie
wie ä alter Mantel, den mer immer noch im Kaschte
ufhebt, un uf eimol merkt: Der basst jo noch wie agosse.
In diesem Sinne erzählte Margot Müller aus
Offenburg-Fessenbach, aufgewachsen aber im
Meerrettichdorf Urloffen, im Theater am Turm in
Villingen Geschichten, besonders um ihren Vater, den
Maler Schneider, von der Beziehung zum nahen Elsass über
die schöne Fußgängerbrücke als Stätte der Begegnung, ein
Gespräch unter wortkargen Badnern und vieles mehr.
Besonders die Anekdoten über den
im Elsass aufgewachsenen Vater entlockten dem Publikum
manch herzhaften Lacher, so als er mit einigen biederen
Urloffer Frauen in der Nachkriegszeit einen Ausflug ins
Elsass wagte und sie dort an einem Schaufenster mit der
Überschrift "Dessous" ihre Nasen platt drückten um die
vielen (aus ihrer Sicht) Todsünden zu bestaunen. Die
Verkäuferin wollte diesen Damen aus dem "Schwobeland"
partout nicht zu erkennen geben, dass sie Deutsch
verstand. Der Maler Schneider lockte sie aber aus der
Reserve mit dem Hinweis, dass er dringend
Wickelgamaschen für seinen Kanarienvogel benötigte.
Margot Müller verstand es
trefflich, in brillanter Erzählweise Geschichten aus der
Vergangenheit auferstehen zu lassen, einen Bogen zu
spannen in die heutige Zeit und Parallelen zu ziehen,
alles mit einem Augenzwinkern und viel Liebe zu den
einfachen Leuten, was zum Schmunzeln verleitete, aber
auch anrührend und nachdenklich wirkte. Dabei mochte sie
manchen Zuhörer dazu animiert haben, auch in seinen
Erinnerungen zu graben.
Lyrik und Prosa waren bei ihr
gleichermaßen vertreten, wobei ihre Gedichte teilweise
aber auch wie eine ganze Geschichte wirken. Dazu kamen
noch ihre so genannten "Spontanellen", hintergründige
Gedanken, die ihr zu Alltagssituationen einfallen und
gleich zu Papier gebracht werden.
Papier ist ja geduldig, was sie
dazu inspirierte, über dessen zum Teil sinnlose
Verschwendung nachzudenken, was dann damit endete, dass
sie ihren Frust darüber dann wieder paradoxer Weise zu
Papier brachte.
Neuzeitliche Themen wie etwa
Mobbing (gab es zwar früher auch schon, aber man wusste
es nicht) gipfelten in der Erkenntnis, dass einer, der
sich bemüßigt fühlt einem Mobbingopfer beizustehen, sehr
schnell selbst erfährt, was Mobbing ist. Rosen haben es
ihr auch angetan, dazu hat Margot Müller ein schönes
Büchlein mit Rosengedichten und wunderschönen Fotos
herausgebracht. Ihre meisterhaft lebendige Vortragsweise
bescherte dem Publikum einen erbaulichen und heiteren
Abend.