Javascript Menu by Deluxe-Menu.com
 
   

 

 
Badische Zeitung, Müllheim, 23. September 2008

Muettersproch kann auch ein alemannisches Rockkonzert sein

MÜLLHEIM. Festlich und vergnüglich verlief die "25-Johrfiir" der Muettersproch-Gruppe Rebland im kleinen Saal des Bürgerhauses. Zahlreiche Gäste und Ehrengäste gratulierten zum runden Geburtstag. Das Programm wurde durch Beiträge der Mundartdichter Christa Heimann, Werner Richter und dem "Breiti-Lieseli" mit bemerkenswerten Kostproben alemannischer Lyrik und Prosa bereichert.

Pralinen zum Geburtstag: Im Rahmen der Jubiläumsfeier der Reblandgruppe gratulierte der Altpräsi der Muettersprochgsellschaft, Klaus Poppen (rechts), Kurt Lammert. Die Reblandgruppe beglückwünschte er zu ihrem „großartigen Vorsitzenden“. | Foto: Bianca Flier


Der Vorsitzende Kurt Lammert vermittelte einen kurzen Überblick über die Aktivitäten der Reblandgruppe von ihrem Anfang bis heute. Nach dem Gründungsbeschluss im November 1982 folgte im Januar 1983 die Wahl des Vorstandes mit Rüdiger Hoffmann an der Spitze. 1987 erschien die erste Ausgabe der Broschüre "Alemannisch dunkt is guet", und das Benefizfest zugunsten des Brunnens im Möbiushof erbrachte 1400 Mark. 1992 gab Rüdiger Hoffman den Vorsitz ab; ihm folgte Kurt Lammert im Amt.

Auch in den folgenden Jahren gelang es der Reblandgruppe, durch gewitzte Aktionen die alemannische Mundart unter die Leute zu bringen, zum Beispiel durch den beliebten Aufkleber "Bi uns cha me au alemannisch schwätze".

Bürgermeisterstellvertreter Stecher gratulierte im Namen der Stadt zum Jubiläum. Ihn erfülle es mit Sorge, bemerkte er, dass junge Leute und vor allem Schulkinder kaum noch alemannisch redeten. Viele Eltern fürchteten, die Mundart könne sich negativ auf die schulischen Leistungen auswirken. Hingegen freue er sich, dass die Reblandgruppe mit Hilfe der Stadt ein neues Domizil gefunden habe.

Klaus Poppen, Altpräsi der Muettersprochgsellschaft, stellte fest, dass der Altersdurchschnitt bei den Muetterspröchlern heute sogar jünger sei als zur Gründungszeit. "Wir sterben nicht" aus, war sein Credo. Auch sei es falsch zu jammern, man müsse Erfolgserlebnisse schaffen. Poppen nannte in diesem Zusammenhang eine alemannische Ausstellung in Freiburg, durch die 50 neue Mitglieder geworben werden konnten. Für die jungen Leute sei jetzt sogar ein alemannisches Rockkonzert geplant. Auch habe sich die Muettersprochgsellschaft mit Erfolg dagegen gewehrt, dass alemannische Lyrik und Prosa aus dem Unterrichtsplänen verschwand. Auseinandersetzungen darüber, welches Alemannisch richtig oder falsch sei, nannte Poppen auf gut Alemannisch "Schissdreck".

Man solle sich im Gegenteil darüber freuen, dass überhaupt "alemannisch gschwätzt" würde. Als Sprecher für alle Regionalgruppen der Muettersproch gsellschaft gratulierte Helmut Heizmann zum Jubiläum. Die Mundartdichterin Christa Heimann entwarf für die erfolgreiche Arbeit der Reblandgruppe das Bild eines offenen Hauses, das Impulse einlasse und von dem auch Impulse ausgehen. Sie wünsche, dass dieses Haus noch viele Jahre bestehen bleibe und viel Zulauf habe. Mit heiteren Episoden und Gedichten erfreute Werner Richter das Publikum. Als Geschenk überreichte er "Fünf alemannische Lieder" samt Noten.

Mit ihrer herzhaften Art brachte "’s Breiti-Lieseli" die Gäste zum Lachen und zum Nachdenken. Die gestandene Mundartdichterin nannte auch überzeugende Beispiele dafür, dass das "alemannisch Schwätze" Studium und Karriere keineswegs im Wege stehe. Außerdem trug Liesel Meier, so der bürgerliche Name der Dichterin von der Sankt Johannisbreite, Kostproben aus ihrem neuen Buch "E bitzi Freud bruucht jeder" vor.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von der Sängervereinigung Müllheim unter der Leitung vom Martin Klingler – natürlich auch mit alemannischen Liedern wie "Z’ Mülle an der Poscht". 




<< Zurück zur Übersicht

 

 

© 2008 - alemannisch.de