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Badische Zeitung, 18. November 2008
 

Alemannisch ganz nah am Geschehen

LAHR (bse). Gut 40 Besucher haben ein großes Vergnügen beim Alemannischen Abend am vergangenen Freitag mit Stefan Pflaum gehabt. Der Sprachvirtuose entschädigte die Gäste für die lange Zeit, die sie auf ihr Essen hatten warten müssen.

Und so wurde wieder einmal deutlich: Soziale Kontakte laufen nicht nur über das gemeinsame Essen, sondern im Besonderen über die Sprache; Alemannen verstehen sich bestens in der Pflege ihres Dialektes und wenn es dabei gleich noch so viel zu erfahren gibt über die Menschen, die Heimat und die Welt, umso besser. Es ist wohl diese Fähigkeit, mit offenen, differenziert schauenden Augen, gepaart mit analytischem Verstand und unglaublichem Humor – alemannisch – durch diese Welt zu gehen und es zudem mit einer schauspielerischen Begabung vor einem Publikum zu reflektieren und es vom Hocker zu reißen.

"Dr Stefan isch uns scho 1955 uf dr Baustell vun dr Landwirtschaftsschuel drowe am Schutterlindeberg als zwölfjähriger Knäggis zwische de Schubkärre rumgrennt", erzählte Hannes Güth, damals Maurer-Lehrling, mit sichtlichem Stolz auf seinen heutigen Freund. Der nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit durch Textpassagen, teilweise aus seinem veröffentlichten Buch "Glitzerwelt un Schwangerschafte". Pflaum bewies, wie nahe er am aktuellen Geschehen dran ist. Etwa, wenn er über "s Geld, Mensche,  Banke" redet und resümiert "s verritscht jo nochemol ä huffe Litt". Oder, wenn er sich erstaunlich kenntnisreich über die sechs wichtigsten Regeln äußert, die man als Handybesitzer zu beachten hat. Gesellschaftsanalysen, ob hier oder auf Reisen, Pflaum ließ nichts  außer  Acht.  Dabei wurde er nie anzüglich oder beleidigend. Auch nicht, als er geduldig hinter einer Kundin an der Wursttheke anstand und jemand aus der nachfolgenden Schlange ihn aufforderte, "dere Madam ä weng Dampf z mache", und  verärgert ausstieß "... bloß will die bleed Schachtel do ihri Affedänz müeß ufführe". Stefan Pflaum wertet nicht – er beobachtet und zitiert.

Auch die Liebe beleuchtete Pflaum. Ob auf einer Schiffsreise nach Mexiko, das in die Liebesglut fährt oder unter Esoterik-Freaks, die "Nullenergiepunkte" auffinden und helfen wilde ozeanische Gefühle  zu befreien.  95 Prozent sei Material aus Werbeprospekten, erklärte er dem Publikum und mancher darunter war wohl erstaunt darüber, was sich doch so alles  recyceln, also wiederverwerten , lässt. Ob all der frischen spritzigen Gesten,  Worte und Pointen hätte man sich auch junge Zuhörer gewünscht, nicht nur wegen des Fortlebens der Mundart. Man würde den Jüngeren so gerne deutlich machen wie unterhaltsam diese Sparte ist; besonders wenn einer dies so umfassend und kurzweilig vermitteln kann wie Pflaum. 




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