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Badische Zeitung, 21. Februar 2009
 

"Einfach eine herzliche Sprache"

ETTENHEIM. Seit 25 Jahren gibt es die Regionalgruppe "Rund um dr Kahleberg" der Muettersproch-Gsellschaft. Heute ist der Tag der Muttersprache – Grund genug für die BZ, der Gruppe einen Besuch abzustatten.

Christel Mösch | Foto: Erika Sieberts

"Hit isch dag dr Muettersproch, und mir wisse des nit emmol!", wundert sich Martin Winterhalter vom Vorstand der Regionalgruppe Rund um dr Kahleberg, die 340 Mitglieder zählt. "Kumme Se, dann schwätze mer", sagt die Vorsitzende, Christel Mösch.

Am 20. Juni dieses Jahres feiert die Regionalgruppe ihren 25. Geburtstag und die ebenso lange Amtszeit der 74-jährigen Ettenheimerin. Christel Mösch sei die Lokomotive, die den Verein ziehe, sagt Winterhalter. Vielleicht liegt es ja an den Fest-Vorbereitungen, dass der Tag der Muttersprache in diesem Jahr keine Beachtung in Äddene fand. Womit auch gleich die Schreibweise geklärt sei: Den Namen ihres Schdäddlis schreiben die Muettersprochler nicht mit A, sondern mit einem eleganten Ä. Denn die Ettenheimer seien Edelalemannen, erklärt Winterhalter. Die Stadt, mit ihren vielen Beamten und Schulen, habe sich früh an das Hochdeutsche angepasst. Nur in Äddene sage man: "Wie geht’s", in den Dörfern drumrum heißt es "wie goht's". Dabei sei der Dialekt eine solche Bereicherung, so Winterhalter. Er erleichtere es, (weitere) Fremdsprachen zu erlernen.

Alemannisch sei einfach eine herzliche Sprache, meint Christel Mösch, sogar Schimpfwörter hörten sich netter an als anderswo: "Seggele isch doch nedder als Säckel", meint die Vorsitzende, die nichts anderes spricht als ihre Muettersproch. Das sollten ihrer Meinung nach alle tun, die hier aufgewachsen sind. Mösch kämpft gegen das Abschiedswort "Tschüß": "Das hat nichts mit unserer Region zu tun. Man sollte ádjeu sagen, mit Betonung auf der ersten Silbe."


Seit Christel Mösch, zusammen mit etwa 20 Mitstreitern, die Regionalgruppe Rund um dr Kahleberg in der Wirtschaft auf dem Kahlenberg gegründet hat, treffen sich die Muettersprochler aus Ettenheim, Kappel-Grafenhausen, Rust, Herbolzheim und Bleichheim jeden zweiten Monat, abwechselnd in verschiedenen Orten um den Kahlenberg. 60 bis 80 Gäste seien immer dabei. Solche Regionalgruppen gibt es von der Ortenau bis an den Bodensee, zusammengefasst in der Muettersproch-Gsellschaft mit 3700 Mitgliedern.

Christel Mösch liest am liebsten Texte des Ettenheimer Mundartdichters Fritz Broßmer, dessen hundertsten Geburtstag der Verein 1991 mit der Herausgabe eines Sonderhefts gewürdigt hat. Aus seiner Feder stammen Titel wie "Dr Schwartemage" oder "Krut un Ruewe". Nun will auch Martin Winterhalter ein Buch veröffentlichen, in dem Weisheiten stehen wie: Wár im Finschdere dabbt derf sich nit wundere wánn’r keijt".  

Autor: Erika Sieberts




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