Badische
Zeitung, 26. Februar 2009
Alemanne-Stübli im
HansmeyerhofE
Fenschter fürs Alemannisch
Die Alemannische
Mundart steht im Mittelpunkt einer Dauerausstellung, die
im April im Heimatmuseum Hansmeyerhof in Buchenbach
eröffnet wird. Gugga und Luegi zeigen den Besuchern,
wo’s langgeht.
BUCHENBACH. "Klai, aber oho", sagt Klaus Poppen
stolz über den neuen Alemannenraum, der zurzeit im
Heimatmuseum Hansmeyerhof in Buchenbach eingerichtet
wird. "Kumme go luege!", fordert ein Mädchen auf einem
Plakat auf. Aber noch ist es nicht so weit. Am Samstag,
18. April, wird das "Mundart-Fenschter im
Alemanne-Stübli" geöffnet. "Dann könne alli kumme,
luege, läse, staune, schmunzle."
-

- Arthur Faller (links) hilft
Klaus Poppen beim Aufbau der Ausstellung. Blickfang
sind die beiden Figuren Gugga und Luegi. | Foto:
scherfling
Es waren mehrere glückliche Umstände und interessierte
Menschen, die zusammen ermöglichten, dass das
Alemannisch eine repräsentative Unterkunft bekommt.
Triebfeder ist Klaus Poppen, der jahrelang als Präsi der
Muettersproch-Gsellschaft sich dafür einsetzte, dass
Alemannisch hoffähig und identitätsschaffend ist.
Legendär ist jenes runde blaue Bäpperli aus dem Jahr
1975 mit dem Hinweis "Bi uns cha me au Alemannisch
schwätze", das in vielen Geschäften und Büros auftauchte
und eine neue Begeisterung für die Mundart
signalisierte. Der neueste Aufkleber der
Muettersproch-Gesellschaft verkündet: "Europa der
Regionen, un ’s Alemannisch mittedrin".
Im Frühjahr 2008 gab es zum ersten Mal ein große
Alemannisch-Ausstellung, die von der Freiburger
Regionalgruppe in der Meckelhalle der Sparkasse
organisiert wurde. Klaus Poppen fand in der
Grafikschule, jetzt vereint in der Freien Hochschule für
Grafik Design und Bildende Kunst Freiburg, den sehr
aufgeschlossenen Dozenten Ralf Hagemann, der mit 20
Studenten in einer Projektarbeit zunächst zwei
Leitfiguren entwickelte. "Kai Bollehuet-Maidli oder Oma,
denn Alemannisch isch nit aldmodisch", sagt Klaus Poppen
und verweist auf die zwei jungen Comicfiguren, die die
Namen Luegi und Gugga bekamen. Sie führen den Betrachter
durch die Ausstellung, die zum Hauptteil aus 45 großen
Tafeln besteht. Auch diese Tafeln wurden von den jungen
Grafikern entworfen mit der Vorgabe, nicht zu viel Text,
damit der Betrachter nicht ermüdet.
Der
neue Aufkleber der Muettersproch-Gsellschaft
Foto: priv
Die Freiburger Gruppe baute auch einen riesigen
Mundartcomputer, an dessen Front es blinkt und sich
einiges dreht. In einem lustigen Dialog wird der
Besucher nach seinen Mundartkennissen gefragt und
bekommt am Schluss ein Diplom. Im Computer steckt
übrigens kein Hightech-Prozessor, sondern ein echter
Alemanne.
Nach der sehr erfolgreichen Ausstellung wollte Klaus
Poppen die Exponate nicht einfach in der Versenkung
verschwinden lassen. Da traf es sich bestens, dass in
Buchenbach, wo Klaus Poppen wohnt, im Heimatmuseum
Hansmeyerhof in den vergangenen Monaten der Stallbereich
ausgebaut wurde und über dem Stall ein größerer Raum
entstand, der ihm gerne für sein Alemanne-Stübli zur
Verfügung gestellt wurde. Die Männer des Heimatvereins
legten auch hier kräftig Hand mit an und gestalteten
unter der niedrigen Decke einen ansprechenden Raum, in
dem Klaus Poppen jetzt die Exponate platziert. Es sind
nicht nur die Schautafeln, sondern auch eine Sammlung
alemannischer Literatur, die der Alt-Präsi im Laufe der
Jahre zusammengetragen hat und jetzt zur Verfügung
stellt.
Vu Herdepfel, Spitzname un
alemannische Noochbere
Was die Wissenschaft so alles über das Alemannisch
zusammengetragen hat, lässt auch den eingefleischten
Alemannen aufhorchen. Alemannisch wird in fünf Ländern
gesprochen. Oft unterscheidet sich die Muettersproch in
Nuancen schon von einem Ort zum anderen, aber es gibt
auch Begriffe, die ganzen Regionen zugeordnet werden
können, zum Beispiel Herdepfel, Grumbiere oder
Boddabiere.
Eine lustige Schautafel zeigt, welche Spitznamen die
Bewohner verschiedener Orte haben. Anschaulich werden
die Alemannen im Elsass, in der Schweiz und in
Vorarlberg vorgestellt. Fehlen darf auch nicht "der"
alemannische Schriftsteller Johann Peter Hebel sowie
eine ganze Reihe von Männern, welche in den vergangenen
Jahrzehnten sich für das Alemannisch stark gemacht
haben. Interessant ist auch eine Übersicht über die
aktuelle Präsenz der Mundart in den Medien.
Karlheinz Scherfling
Heimatverein Hansmeyerhof: Auskunft
Hauptstraße 20, 79256 Buchenbach, Telefon 07661/39650,
www. hansmeyerhof.de;
Muettersproch-Gsellschaft:
http://www.alemannich.de
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