Das Vereinsheft -
Aktuelle Ausgabe 1/2 2007
“S Mundart-Theater-Heftli"
Auszug aus dem Thementeil:
So e Theater!
S Theaterspiel isch kei neui Erfindung,
schu die alte Grieche hen do große Spaß
dra gha. Es isch drum schiins e ganz
tief menschlich Bedürfnis, dass mer d
Welt nit nur in Gsang oder in Gschichte
kulturell verschafft, sondern ebe au im
szenische Spiel. So merkt mer au in de
Sproch, dass Theaterwerter schu lang in
de mundartlich Sprochschatz Iigang
gfunde ha mien. Wemmer nämlich sait
„Mach kei Theater“ oder „Mi Knie macht
mer wieder Kumedi“ isch d Beditung zwar
e wing verutscht, aber letschtlich gohts
doch ufs Theater zruck, wu alles
kunterbunt un halt e bizzeli verruckt
isch.
Natürlich gits innerhalb vu de
Theaterwelt großi Unterschied. Es isch
klar, dass ame Staatstheater oder an
sonschtige professionelle Theater e ganz
andere Aspruch an Spieler, Stück un
Zueschauer gestellt wird, als an
sogenannti Amateurtheater, wu mir uns
diesmol im Heftli mit beschäftige wen.
Aber au im Amateurtheater kammer
Aspruchsvolles oder aber doch au gueti
Unterhaltung biete un des gilt au fir
die Unterabteilung vum Amateurtheater,
wu uns interessiert, firs
Mundart-Theater.
S Theater erfüllt vieli Funktione. S
bietet Unterhaltung, s kann e Spiegel
vorhalte un so Denkanstöß vemittle, un
fir die Aktive ischs e großi Ufgab, wus
z bewältige gilt. Wenn des gschafft isch,
setzts „Glückshormone“ frei. Des isch
frieiher so gsi un au hit nit andersch.
Des isch viellicht au mit e Grund,
wurums landuf landab e großi Zahl vun
Theatergruppe git, wu d Mitglieder viel
Freizit opfere, um z probe un
vorzbereite fir ei oder mehreri
Vorführunge. Nit winigi devu spiele in
Mundart - e Teil devu ganz bewusst,
anderi wieder, wil es fir sie so am
beschte passt. Jeder schwätzt deno wie
em de Schnabel gwachse isch, e bsunders
usgfeilts Alemannisch isch bi de
Letschtere do nit agstrebt.
Im Wesentliche gits drei Gruppe vun
Mundart-Theater, wobei e scharfi
Trennung manchmol e wing schwierig isch.
Zum eine gits iberall im Land Vereine
aller Art, wu traditionsgemäß Stickli
istudiere, wu sie deno an wenige Termine
uffiehre. Au die Termine hen schu e
eigeni Tradition: Vielerorts kunnt do
nur de Stephistag (25.12.) oder die
Heilige Drei König (6.1.) in Frog. Aber
au an andere Fiirtig kann des si. Do
mueß schu gar kei großi Werbung meh
gmacht were. Mer weiß, de Musikverein
spielt am Stephistag, un no goht e groß
Teil Lit usem Dorf hi. D Wihnechte kinnt
gar nit rächt abgschlosse were, wenns
Theater nit stattfinde tät.
Zum andere gits aber Theatergruppe, wu s
Theaterspiel s gonz Johr iber e großi
Rolle spielt. Fir die Mitspieler macht s
Theaterspiel drno schu e erhebliche Teil
vu ihre Freizittbeschäftigung us. Des
heißt, e eimol istudiertes Stick wird
iber längeri Zitt regelmäßig ufgfiehrt.
Meischt gits im Summer nur e kurzi Paus
un drno wird schu wieder firs nächschte
Stick probt. E paar vu dene, wie die
„Alemannisch Bühne“ in Friburg oder „s
Bühneli“ in Lörrach, hen sogar e eigeni
Bühni. Anderi wieder hen feschti
Abmachunge, wu sie spiele derfe. De
Nachteil do debii isch natirlich, dass d
Kulisse immer wieder nej ufbaue un gli
wieder abbaue were mien, e ziemlich
logischtischs Problem.
Zue de dritte Gruppe ghöre die Theater,
wu in letschter Zitt mehr un mehr vun
sich rede gmacht hen. Es sin (meischt)
Freilichttheater, wu miteme große
Ufgebot an Mitspieler ufwarte kinne un
wu sich mit ortsgebundene historische
Theme beschäftige. De Schauplatz isch
meischtens e bsunders romantische oder e
theatralische Ort, wie z. B. de
Klausehof in Herrischried. Ufführunge
sin jahreszittbedingt nur e Summer lang,
d Probe defir aber ufwendig, wil viel
Lit dro beteiligt sin.
Mit de letschte Gruppe isch au schu e
wichtig Thema agsproche: Was wird im
Mundart-Theater gspielt? Un wu kumme d
Stickli her do defir? Ibereinstimmend
wird do berichtet, dass die luschtige
Stickli, do wus drunter un driber goht
un mer herzhaft lache kann, am beschte
akumme. So isch es bim Vereinstheater,
aber au bi de professionellere Theater.
E Usnahm mache do allerdings die
Theater, wu e historische Stoff biete.
Do wird au Wert uf d Vemittlung vun
Heimatgschicht gleit, so dass de
Zueschauer miteme Mehr an Wisse
heimgoht. Natirlich kammer so
Theaterstick nit eifach bim
Theaterverlag bstelle. Uf bstimmti
Örtlichkeite zuegschnitteni Stickli mien
speziell dodefir gschriebe were. D Heidi
Knoblich un de Markus Manfred Jung hen
sich in do in de letschte Johre e Namme
gmacht, d Heidi Knoblich z. B. mit dem
Stick „Feldbergmutter Fanny“ un de
Markus Manfred Jung mitem
„Salpetererhans“, wu am Klausehof in
Herrischried ufgfüehrt wore isch.
Un wu kriege die andere Theater ihri
Stickli her? Do het sich fir unser
Region sit 1948 de „Bund Heimat und
Volksleben“ mit de Gschäftsführerin
Ursula Hülse verdient gmacht. Dert isch
nämlich sit de Gründung vum BHV im Jahr
1948 e umfangriches Archiv iigrichtet
wore mit ca. 200 Theaterstickli vu
iiheimische Autore. Wer Theater spiele
will, kann sich do an d Gschäftsstell in
Denzlinge, Hauptstraße 157, Tel.
07666/2712 wende un sini genaue Wünsch
mitteile. Je nachdem, wieviel Mitspieler
do sin, obs e Einakter oder länger sii
soll, obs e Kinderstück oder fir
Erwachseni sii soll - d Frau Hülse macht
geeigneti Vorschläg un schickt e
Exemplar, dass mer sich entscheide kann,
obs ebbis isch oder nit.
Einigi vun de alemannische Autore, wie
de Gerhard Jung, de Paul Nunnenmacher
oder de Werner Richter, hen Stickli
gschriebe wu iber de BHV bezog were
kinne. Allerdings kunnt hit kum meh
ebbis Nejs dezue. Des beklagt au d Frau
Hülse. So ischs nit immer eifach, ebbis
Geeignets dert z finde. Vieli behelfe
sich dodemit, dass sie bayrischi Stickli
bsorge un in die hiesig Mundart
ibersetze.
Bsunders d Bstellunge vun de Schuele sin
ziemlich zruck gange, sait d Frau Hülse,
schad eigentlich. S wär interessant z
erfahre, ob s Theaterspiele an de
Schuele generell winiger gmacht wird,
oder obs nur s Mundart-Theater betrifft.
Unser Bericht goht us Platzgründ nur uf
die südbadisch Theatersituation ii.
Trotzdem wemmer nit verschwiige, dass
grad im Elsaß s Mundart-Theater mehr
denn je pflegt wird. Viellicht isch do
de Georg Daniel Arnold noch e weng defir
verantwortlich, wil der het Anfang vum
19. Jh. e Lustspiel mit em Titel „Der
Pfingstmontag“ in Straßburger Mundart
gschriebe, wu vun Goethe
höchstpersönlich lobend besproche wore
isch. Un des het bis hit einiges an
Gwicht.
Friedel Scheer-Nahor

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Wortschätzli
Brigach und Breg und ihre Geschwister
In
unserem alemannischen Sprachgebiet gibt es viele
sehr alte Namen, besonders geographische Namen,
also Bezeichnungen von Gewässern, Siedlungen
oder Geländeformationen. Sie geben uns oft einen
interessanten Einblick in die Sprachgeschichte
und machen uns deutlich, dass wir uns in einem
Gebiet mit einer jahrtausendealten Sprachkultur
befinden. Viele Namen, wie z. B. Kandel,
Breisach, Wiese, Baar, Gschasikopf, Brigach,
Belchen, Ortenau, Dreisam, Elz, Brettenbach,
Höllental, Tuniberg, Titisee, Entegast, Zarten,
Linzgau usw. haben bis zu ihrer heutigen
Form eine abwechslungsreiche Geschichte hinter
sich, die oft noch vor die Zeit der
alemannischen Besiedlung unseres Gebietes
zurückreicht. Denn bevor die Alemannen hierher
kamen, war dieses Gebiet schon von
(romanisierten) Kelten und Romanen bewohnt, von
denen die Alemannen den einen oder anderen Namen
übernommen haben.
In diesem Beitrag soll einmal
eine ganz bestimmte "Namenfamilie" näher
betrachtet werden, nämlich Namen, die sich aus
dem keltischen Wortstamm *brig- ‚Höhe,
Berg, Bergfluß‘ herleiten. Die bekanntesten
Namen dieser Herkunft sind in unserem Gebiet
natürlich die beiden Quellflüsse der Donau
Brigach und Breg. Jeder kennt den
Vers: Brige un Breg bringe(t) d'Donau zweg!
Wie die Mundartform Brige noch zeigt,
ist Brigach kein alter Gewässername auf
-ach (althochdeutsch Acha
‚fließendes Wasser‘, z. B. noch in der
Wolfach, Radolfzeller Aach), in
mittelalterlichen Belegen heißt die Brigach
noch Brigana, Brigine, Brigen und sie
wird auf eine keltische Namensform *Brigina
zurückgeführt, während die Breg, auf
demselben Stamm beruhend, nur mit einer anderen
Endung, von kelt. *Brigana hergeleitet
wird.
Doch Brigach und
Breg sind nicht die einzigen Gewässernamen,
die sich von kelt. *brig- herleiten.
Südwestlich von Furtwangen fließt der
Bregenbach, der über den Heubach und die
Wildgutach in die Elz mündet und südlich von
Todtnau mündet der Prägbach in die Wiese.
Auch der Oberlauf der Elz wird in historischen
Quellen Bregen genannt. Im Zusammenhang
mit den eben genannten Gewässernamen stehen die
Siedlungsnamen Bregenbach (Furtwangen),
Breg, Breghöfe (Vöhrenbach), Bregnitz
(Königsfeld i. Schw.) und Präg
(Todtnau). Ein historischer Name ist das in
antiken Karten verzeichnete Brigobannae
(=am Berghorn), das bei Hüfingen zu lokalisieren
ist. Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist der
Prägenhof mit dem Prägenwald in der
Gemeinde Buchenbach. Auch in Berg- und Flurnamen
im Schwarzwald hat keltisch *brig- noch
seinen Niederschlag gefunden, nämlich in
Bregetze (Siegelau) ein kleiner Berg
in einem Tal rechts zur Elz, Briglirain
Flurname in der Nähe der Bregquelle und in nur
noch historisch belegten Namen 1418 Briberg
(aus Brigburg) bei Bräunlingen und
1344 Bregelunbrunnen bei
Kirchzarten/Oberried.
Unsere im Schwarzwald
massiert vorkommenden Namen stehen aber nicht
allein. Fast überall, wo einmal Kelten lebten,
also in Süddeutschland, der Schweiz, Oberitalien
und Frankreich, finden wir weitere Belege. So
wird in der Antike schon der Stamm der
Brigantii (=Bewohner der Hochebene) nördlich
des Bodensees lokalisiert und der Bodensee heißt
in dieser Zeit Lacus Brigantiae, wozu
auch das schon in der Antike genannte
Brigantium, heute Bregenz gehört. In
der Schweiz finden wir die Namen Brig, Brienz,
Brigels, Brail oder in Frankreich la
Braye u. a.
Was sagen uns nun diese
vielen Namen über die Geschichte unseres
Gebietes und über die Alemannen? Offensichtlich
scheint es so, dass die Alemannen bei ihrer
Einnahme des ehemals römischen Gebietes längere
Zeit mit der Vorbevölkerung Kontakt gehabt
hatten und sich so Gelegenheit ergab, die
keltischen Namen kennenzulernen und zu
übernehmen.
Rudolf Post
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