Das Vereinsheft -
Ausgabe 3/4 2007
“S Heimat-Heftli"
 

Wa dinne stoht:

Thema: Heimat
Neui Mitglieder
Us em Verein
Us de Gruppe
Blick über de Rhii
Wort-Schätzli
Alemannisch - sagenhaft
Mir denke no an sie
Alemannisch im Gspräch
Des un sell
Neui Büecher un CD
Wörtersuechspiel

 

Auszug aus dem Thementeil:

Heimet - Großmueder, wa isch au säll?

Mit dere Frog hät mi s Enkili jo ganz schee in Velägeheit broocht. Äz stand i doo - alti  Heimet, näji Heimet, politischi Heimet, ewigi Heimet, - äz mueß i in miine n-alte Daage bigelt no afange sinniäre! Wa isch Heimet “an sich”? Mit dere Heimet - hani bisher denkt - des isch doch eigentlich ganz eifach, im Prinzip. Wa gits do lang zem Bsinne? E Heimet hät doch jeder Mensch! Do käid mer doch eifach anemort drinii, obs eim baßt oder it!

HEIMET -
des isch doch eifach dert, wo i deheim bin, oder it?     

Isch des it wiä Luft oder Wasser, wo i erscht gschbiir, wenns mer manglet? Grusig intelligent - fellt mer äz nint Gschäiters ii? Awer im Ernst - wo bin i wirklich deheim? Des goht jo glatt ans Iigmacht! 

HEIMET -
isch des e Land, wo d Sunn Dag un Nacht von alle Berge n-owerab schint? Wiä uff eim von dene hifewiis „Wärbedräger“-Fremdevekehrs-Prospekter, Millichguckele n-un Butterpapierli? Mit Lecher un Dewl un Biggl un Biil, glitzerige Bächli zwische de Felse firi wo mer iibilde kaan, es diäi mer e Märli vezelle? E Märli von friäjer, von de heile Welt, de guete n-alte Zitt? Vom e Weg-Krizz un sällem Bildschdeggli an de Lescheidi owe, wo zwäi Buure enander wäg eme Wiwerfolich ... also guet! Awer Heimet? Zwenig zem Wurzle schlaa.

HEIMET - 
sin des Mäidli mit Bollehiät un Schäbbl am Härgedsdag? Gstrigleti Ross vor em Bärnewägili, vor de Scheese? Alti bärtigi Buure wo no zackerfahre, no de Pflueg in de Schaar hewe kinne? Vewittereti Hiser mit emen diäfe Walme, Platz fir Mensch un Vieh, Häi unterem Dach, Härdebfl im Käär? Mit Fuchsie n-un Geranie an de Fenschder, Brennessle n-un Roßblueme n-an de Schiire n-anerab? E gläiweng isch es scho au so, awer halt it nuu - zwenig, viel zwenig. Glitzpapier isch kei guete Bode zem Wurzle schlaa.

HEIMET - 
isch des it allerwenigschdens e Dach iwer em Kopf? E Dach iwer em Kopf - kaani säll it au in de Fremdi haa? Ime Campingzelt zem Drinischliäfe, imen Zirkuswage, in ere Heeli, imen Bunker, ime Lager? Gwiß, eweng meh as gar nint wär es scho - awer zwenig nadirlich, viel zwenig! Kei Plätzli zem Usgrauwe, kei guete Bode zem Wurzle schlaa. Zwenig eifach, viel zwenig. 

HEIMET -  
isch des s Odmershisli z Giädebach, wo ich uf d Welt kumme bin? Säll Hisli unterhalb von de Breiteck, krizz-schälb un baufellig dertmols no, wo de Märdl ab-brockelet isch, Mocke fir Mocke - stattlich un mit emen Bibbilirosestock un ganze Fuchsie-Hiirscht vor de Husdiir hitt? S Odmershisli, mitte n-in de Matte n-inne, wo i als gläi Mäidli im Gumme hinte, n-ins Strazze Loch, Flächthälm gsuecht un Kränzli gflochte han? Wo i dro Roßblueme n-oder Himml-Held-Fägfiir, Bettseicherli, Vegißmeinicht un Katzedäbli drinigschobbet, Knabekraut un Herbschzitlosi hambfelewiis heimdrage han? E Prinzessin wär e Nasewässerli gsi degege.

E groß Stuck Heimet isch des scho, eins mit starke Wurzle - n-awer halt zwenig, viel zwenig. Des kaan jo it alles gsi sii? 

HEIMET - 
gheere zen de Heimet it au no Litt? Mueder, Vadder,  Gschwischder, Goddli, Geddi? Litt, wo mer von de Welt ringsrum un von friäjer vezelle - vom Bertin Nitz us em Kupferhisli, vom Oskar Furtwängler siire Difdlerwelt im Schwäwedowl, ene n-am Kohlerwald, wo es iwer d Näi-Eck in di groß witt Welt ussigoht? Vom owere Falligrund, wo de Bildhauer Mathias Faller deheim gsi isch? Wo si im Buur de Kopf rabgschlage hen, wäg er als Häxer veläimdet wore n-isch?

Der Ankebiil, wo d Agathe Ketterer ghäxet haa soll, bis mer si uff de Schitterhuufe gworfe hät? „Us jedem Huus e Leffili voll“ häb si als bäddet, znacht, zwische fiischder un siehsch-mi-it. Däwäg häb si de Mirre von alle Buureheef uf der Ankebiil uffighäxet - all Nacht häb si uf em Ankebiil owe s Rumblfaß dräit, bis ere di aständige Litt s Handwerk grindlich glegt hen.

Doch, starki Wurzle han i dert scho au. Awer halt zwenig, viel zwenig! Des kaan jo it alles gsi sii? 

HEIMET -
isch des di erscht eige Wohnung im Schärehiisli, wo i mit em Maa, wo in Thiiringe deheim isch, ane sechsefufzg niizoge bin? Wo Kinder uff d Welt kumme sin? Wo si di erschte Blägser abglau, di erschte Schrittli due, Mamme- n-un Babbe-sage glehrt hen? Wo i halwi-nächt-wiis ame Krankebettli ghugt bin? Jo, scho. E baar starki Wurzle hani au dert. Awer zwenig, viel zwenig. Des kaan doch it alles gsi sii!

Ene n-an de Husdiir mueß d Welt doch no wittersch gau? 

HEIMET -           
isch des, wo de Mensch Arwet hät un Brot? So ebbis isch jo kei Nadurgsetz! Wiäviel Litt sin it usgwandert in e näji Welt, hen e näji Heimet sueche miäße? No it emol hundert Johr isch des her. Di alt Heimet - isch si it au zittewiis gsi wiä e Mueder mit Brischd ohni Millich un Händ ohni Brot? Wiäviel Litt sin it von Hunger un Griäg us de Heimet vedriwe wore? Ohni gfroget? Wäge sällem hani au no e baar Wirzili in Amerika. Un de Maa in Schlesie. Kinder in Thiiringe. Un d Enkili in Ostbräiße. Un wo Kinder Wurzle gschlage hen un wo i Fräind un Fräindinne han, bin i dert it au mol fir e baar flichdigi Däg flichdig „deheim“? Awer Heimet? Zwenig, viel zwenig! Des kaan it alles gsi sii? 

HEIMET -           
isch des wo i schaffe daff, fir d Familli mitsorge? Wo si mi mitspiele len, im Gmeirood, in der Elfimäß? Wo mer mitenander am lengschte wohne? Wo mer Gräwer hen von de Groß- von de n-Urgroßeltere? „I gang noweng heim“, sag i am Sunndignomidag, wenn i no de Mueder guck. Isch des “deheim”, wenn si di alte Bilder hindefiri kruschdlet - guck de Großvadder, de Großvadder mit Schnauzbärtli, Hoseträger iwer em blaugstreifte Drillichhemm? Ax in de Hand, Holzbiigi, Abooß un Sägbock vor em Huus? Großmueder - Mittlscheidl, d Hoor zobfet, kääb un ordli mit Hornodle n-im Gnick hinte zemmegschobbet - sachd fiärt si s groß Messer iwer de Brotlaib, Stickli fir Stickli - bestimmungsgemäß. It s gozigschd Bluetsdrebfli hanget draa, am große Messer. D Mueder - schwarzi Kruslhoor - e gläi Boozerli dräit si uf em Arm - mich!

HEIMET -           
I han doch it nuu geografischi Wurzle, n-i wurzle doch au in de Zitt, oder? Wa wird morge sii?

HEIMET -           
bin i deheim, plooget mi s Fernweh. Bin i furt, plooget mi s Heimwee - isch äz des logisch? Mueß i um s Fremdsii wisse, wenn i anemort deheim si will? Mueß i um di andere wisse, will i wisse, wer i sälwer bin? Um d Fiischderi wisse, will mi an de Häideri fräije? 

HEIMET -           
isch des im Summer, wenn i am Owe no em Schaffe n-uff em Balkon huck, mit eme Buech un eme Gläsli Wii, d Schenkl streck wäg de Grambfodere n-un de Sunn zuguck, wiä si ene am Staatsbärg iwer der „Heimat-Planet“ awi rutschet? Usgrechnet dert fellts mer jedesmol ii, daß diä Weltkugle mit e paar Milliarde Menschli an Bord mit sechzehdauset Stundekilemeter dur de Weltraum saust, so guetig, wiä säll silwerig Ei in iserem Zitt-Tempili vor em Uhremuseum. Kindsch grad meine, s blib stau.

Deno goht mer s Herz uff un i denk, Heimet des bedittet fir mich so e n-Art Schnittstell, des gläi Furtwange - wo so grusig gern groß wär - des gläi Furtwange n-in dere n-unendliche Welt, s Fadekrizz von Raum un Zitt, wo mi aagnomme n-un uffghebt weiß, amend sogar aabunde, wäg i jo sunsch s Renkschitt veliärdig, it wißdig, wohär i kumm un wonaa i gang, wer i bin un wonaa i gheer.

No bin i deheim - fasch deheim!

HEIMET -           
De Mensch, hät e Pfaareri gsäit, de Mensch kinn no so witt awikäie, n-er käi immer in Goddis Hand. Immer!

Isch des it es schee Bild fir HEIMET? Dreeschdlich! Un dert usse, ganz witt usse n-anemort, hucke n-e baar Maali wo an iirem Raumschiff, an dere MIR, rumbäschtle n-un rumgnofere, kei Zitt hen, emol rab- oder rumzgucke n-uff de „Heimet-Planet“? Später! Später gucke si Computerbilder aa, dräidimensional! Jedefall - ene n-an de Welt mueß es doch au no ebbis gäi?

Awer waa?

HEIMET
- i schick en scheene Grueß an miini Liäwe n-in iire Heimatene n-in de halwe Weltgschicht rum. I zwinkerle n-en Grueß zem Owestern uffi - gäll, wenns an de Zitt isch, hen au mir zwei an ere Lescheidi owe n-en Termin mitenenander! I weiß, aß i driwerduri mueß, awer momentan isch mii Terminkalender no restlos zue, hani dohunde no zdiänt, mueß i dohinne n-in de Welt noweng rumgrauddere - kei Zitt, kei Zitt - all Dag no blääret mi e n-Arwet aa! 

HEIMET
- so rum gsehne - bedittet Heimet eigentlich it doch di ganz Welt?

WIÄ VERECKT UN ZAWLET NO!

Esther Strube
Furtwangen

 

Heimet

 Heimet, die chennt vieli Arte,
s isch mol e Hus mit Bluemegarte,
mol ischs e Wohnig unterm Dach,
s isch vielmol grad e urig Sach. 

S isch mol e Hoft mit Vieh im Stall,
un Churgäscht im e andre Fall,
mol Hundsgebell, mol Hahneschrei,
un mänkmol grad e Schwatz um drei. 

S cha sii, di Heimet isch e Licht,
wo sich im kleine Bächli bricht,
s cha sii, s isch Schatte unterm Baum,
villiecht au grad e Stückli Traum. 

Villiecht isch d Heimet au e Wind,
villiecht au nur e Hand vom Chind
wo sich bim Vadder hebe duet,
villiecht au nur e chleiweng Muet.

Au d Oma cha e Heimet sii,
d Opa un si Gläsle Wii,

un d Muetter, selli sowieso,
wenn die no hesch, no sei bloß froh.

 Jo, d Heimet isch für mänk au d Stroß,
au wema sait, die Heimetlos´,
für andri ischs e Stückli Wald,
un oft au nur d Zämmehalt.

Für mänke ischs e rechte Sturm,
für vieli s Lied vom Glocketurm,
für mänk, wenna in d Chirche goht,
für andri, wema sich verstoht.

Jo, d Heimet die chennt vieli Arte,
wie gsait, nit nur d Bluemegarte,

nit nur si Hus, un siini Lit,

nit nur die warmi Summerzit.

Für mänk het d Heimet cheini Grenze,
s isch mänkmol au nur s Äpfelstenze
bim Nochber hinterm Hüehnerstall,
un d Muettersproch, uf jedefall.

Egal ischs, wo du d Heimet hesch,
un ohni Wert au Tracht un Wäsch,
un wie ma schribt un schwätze cha,
ob schwarz, ob wiß, ob Frau, ob Ma.

Mir ischs egal, was jede denkt,
wie mänk sich d Heimet zämmerenkt,
wenn er nur gfühlvoll Heimet sait
un d Heimet au im Herze trait. 
 

hans-peter zeller 

Us: Nochdenkt un gschriibe –
Messner Druck & Verlag/Eschbach

 

Heimet althochditsch

 

Heimet heißt im Althochditsche
althochditsch „heimoodi".
Hit isch althochditsch „heimoodi"
nirgends nit kei Moodi.

Hit git s Heimet un Heimoodi
nit ämol für Doodi.
Nit ämol für Doodi git s
Heimet un Heimoodi.

Stefan Pflaum
(Aus: „Glitzerwelt un Schwangerschafte“ Drey-Verlag, Gutach, 2006)

 

 

Wortschätzli

Die Kinzig und die alemannischen Kinzge, Chinzge.

Der Gewässername Kinzig ist im südwestdeutschen Sprachgebiet mehrfach belegt. Neben unserer Kinzig, die bei Loßburg südlich von Freudenstadt entspringt und sich bei Schenkenzell mit der Kleinen Kinzig vereinigt und durch das Kinzigtal in den Rhein fließt, gibt es im Maingebiet zwei Kinzigen, nämlich eine am Rande der Wetterau, die bei Hanau in den Main mündet und eine andere im Odenwald, die bei Bad König in die Mümling und von dort in den Main fließt.

Diese Gewässernamen finden im Breisgau und den unmittelbar angrenzenden Gebieten hundertfache Parallelen, nämlich in dem Wort Kinzg, Kinzge bzw. Chinzg, Chinzge. Mit diesem Wort, das aber oft nur noch alte Leute kennen, werden besonders am Kaiserstuhl und Tuniberg, aber auch in angrenzenden Gebieten schluchtartige Hohlwege im Lößboden bezeichnet. Von dieser Bezeichnung für Hohlwege allgemein, ist das Wort vielfach auch als Eigenname für bestimmte Hohlwege verwendet worden und hat sich in solchen Namen auch noch erhalten, selbst wenn das Gattungswort in der Mundart nicht mehr gebräuchlich ist. So gibt es Namen wie Diebskinzig (Merdingen), Totenkinzig (Endingen), Hochkinzig (Ettenheim, Eichstetten), Holzkinzig (Mundingen), Kammertkinzig (Herbolzheim), Kinziggasse (Ettenheim), Langkinzig (Eichstetten), Schelmenkinzig (Endingen, Wasenweiler) und viele andere. Die namenkundliche Forschung hat zwischen Friesenheim bei Lahr und Lipburg bei Müllheim mehrere hundert Namenbelege herausfinden können, die jedoch in einigen Orten nur noch in historischen Quellen belegt sind. Für den Fluß Kinzig finden sich Belege ab dem Jahr 1099 ad Chinzechun, für unsere Flurnamen fängt die Überlieferung Ende des 13. Jahrhunderts an, z. B. 1299 in Totenkinzegen (Endingen) und setzt sich in den folgenden Jahrhunderten in großer Zahl fort.

Was ist nun der Ursprung unserer Wörter und Namen und wie hängt der Gewässername mit den Hohlwegen zusammen? In der neueren Forschung ist unbestritten, dass Namen und Wort von keltisch *qwentika ‚Geländeeinschnitt, Schlucht‘ abzuleiten sind. Die inhaltliche Gemeinsamkeit bei der Kinzig und den Kinzge-Hohlwegen ist also der langgestreckte Einschnitt, hier ein wasserduchzogenes Tal, dort ein schluchtartiger Hohlweg. Auf jeden Fall haben die Alemannen nach ihrer Landnahme das Wort von der keltisch-römischen Vorbevölkerung übernommen. Die mundartlichen Formen sind, ausgehend von der Form Kinzege die vom 13.-15, Jahrhundert häufig in Urkunden auftaucht, durch Abschwächung der Endung entstanden: Kinzege> Kinzge > Kinzg. Südlich der sogenannten Kind-Chind-Linie, die sich quer durch den südlichen Breisgau zieht, wurde das k im Anlaut zu ch verschoben, so dass man dort von der Chinzge, Chinz spricht.

Rudolf Post

 
 

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