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Das Vereinsheft -
Aktuelle
Ausgabe 3/4 2008
“S Esse un Trinke-Heftli"
Auszug aus dem Thementeil:
Bache wie
frieiher
Ellimol tät mer
gern d Ühre zruckdrille un nomol e
Bsuech in de Kindheit mache. No kinnt
mer wieder emol bi Arbete debi sii, wu
frieiher zum Alldag ghert hen, un wu mer
dertmols als s Normalscht vu de Welt
agsehne het. Meischtens het mer erscht
viel später feschtgstellt, dass des
ebbis ganz Bsunders gsi isch. S
Brotbache zum Bejspiel zellt do dezue, e
Mordsgschäft, wu d Muetter z alle drei
bis vier Woch iigricht het, wil noch
dere Zitt immer alles rumpis un stumpis
gesse gsi isch.
Aber bi sore
Bacherei debi sii isch gar nit so
eifach. Wer het hit noch Luscht uf die
ganz Arbet vum Ofefire ibers Knette bis
zum Üslaibe un in Ofe schieße, wu mer
doch so eifach un schnell im Lade s Brot
immer frisch kaüfe kann? Un aü wemmer de
Gschmack grad vu dem einmalige Bürebrot
schätzt un weiß, dass des Brot nit nach
zwei Tag schu hert un trucke isch,
kammer nit eifach loslege. Mer brücht
halt immer noch e Bachofe, wu mer mit
Holz fiire kann, un e Hüffe Geräte un
Werkzig, wu dezue ghere. Aber vor allem
sott mer wisse, wie s goht, un wie mer
bejspielswiis iber e halbe Zentner Mehl
Meischter wird.
Eini, wu des alles
beherrscht, isch d Ursel Reinbold üs
Freiamt. Sie bacht in ihrem Elterehüs,
wu s noch e alte, ufgmürte Bachofe git,
inere Bachkuchi, wu e Stick eweg stoht
vum Hüs. Des isch friäiher e
Vorsichtsmaßnahm gsi, wege de
Brandgfohr.
D Ursel Reinbold
het s Bache vun ihre Muetter glehrt un d
Tradition all die Johr witergfiährt. Sie
het nur ganz winig veänderet am Ablaüf
vu dere Arbet. Die einzig Erlichterung,
wu sie igfiährt het, isch d
Knettmaschin. Sunscht isch alles
Handarbeit un des goht ihre so flugs vu
de Händ, dass mer menge kinnt, s isch e
Kinderspiel.
Mer weiß jo, dass
Brot e bstimmti Zitt zum Hebe brücht.
Drum mueß die Bacherei aü vu langer Hand
plant sii. Am Obe vorem Bachtag wird
also d Hebi (Sauerteig) agsetzt.
D Hebi isch de Rescht vum
letschte Bache un wird grindlich üs de
Knettmaschin un üs de Muelde rüsgschabt,
in kleini Laibli gformt un nebenem
Holzherd e paar Tag tricknet. Frieihjer
het mer üs dere Mueldescharrete kleini
Riiberli gmacht un die ime liinene
Säckli nebe de Herd ghängt. D Ursel
Reinbold het aber die Feschtstellung
gmacht, dass sich die truckene Laibli
besser in Wasser ufleese wie d Riiberli.
Am nächschte Tag
mueß deno zerscht emol de Bachofe
agfiirt were. Wemmer am halber Zehni s
Brot iischiäße will, sott mer am halber
Siebeni do demit afange. Zwanzig großi
Holzschiiter un ei Ofewelle kumme zue
dem Zweck in de Ofe un were in Brand
gsetzt. E Mordsfiir, wu do so vor sich
hibrennt un de groß steiner Bachofebode
un s Gwelb obe driber ordentlich
ufheizt.
Am viertel Niini
fangt d Ursel Reinbold deno a mit
Knette. Zuem halbe Zentner Mehl kumme 20
Liter Flissigkeit (Wasser un
Buttermilch), un Heffe un Salz kunnt aü
no dezue. Guet e viertel Stund laüft d
Knetmaschin, no fillt sie de Teig um in
e großi Bachmuelde, wil sie do drüs d
Teigsticker fir d Brotlaib besser miteme
Holzbrett absteche kann. Ei Teigbolle
nochem andere holt sie üs de Muelde,
macht e handliche Laib drüs un setzt e
uf e Dille. Des goht wie s Katzemache,
im Nu sitze 33 Teigling, veteilt uf drei
Bretter do, un warte ufs Bache.
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33
Teigling warte ufs Bache. |
Jetz gohts an
Bachofe. D Gliäte miän uf d Sitte
gschobe were. Miteme lange Scharrer üs
Holz wird die Arbet gmacht. Der Scharrer
lit vorher inere Wanne mit Wasser, demit
er nit afangt brenne, wenn er in Bachofe
kunnt. D Gliäte uf d Sitte ziege isch
Schwerschtarbeit, aber die Arbet wu deno
kunnt, hets aü in sich. Miteme lange
Besem üs Ramsewedel (Ramse heißt in
Freiamt de Ginster), wu aü
pätschnass üsem Wasser zoge wird, were
die letschte Gluetrescht uf d Sitte
gschweift. Jetz isch de Bachofebode
fertig firs Brotiischiäße.
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Schwerschtarbeit bim Gliäte uf
d Sitte schiäbe. |
Die Bretter mit de
Teigling were in d Bachkuchi trait. De
Ofeschieber, e Brett miteme lange Stiel,
wird ins Ofeloch glait un noch un noch
were die ubachene Brotlaib uf de
Schieber un deno in Ofe ni gsetzt. Jeder
Laib wird vorher aber nomol gformt un
kriegt zwei, drei Dätsch obedruf, dass
es bim Bache keini so große Luftblodere
inne drin gee sott. In guet zwanzig
Minüte sin alli Brotlaib im Ofe. Jetz
wird s Loch zue gmacht un hechschtens am
Schieber obe d Hitz e wing reguliert.
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| Abmarsch
in d Bachkuchi. |
Jetz kammer emol
ewing veschnüüfe un s z Niini nehme. Zue
dem Zweck isch vorneweg e Zniinikueche
bache wore, de Bode üs Brotteig mit eme
Belag von sürem Rahm, Zibele un Speck.
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| De
Zninikueche. |
Nach ere halbe
Stund luegt d Ursel Reinbold emol nachem
Brot. Aber wie luege, wenns im Ofe
finschter isch un s kei elektrisch
Liecht het, wu niizindet? Ganz eifach,
sie leit e Zittung uf d Gliäte un im Nu
wirds heiter im Ofe. Jetz kann sie
sehne, s isch noch nit recht brüün, s
brücht noch e wing. Aber wenn nomol e
Viertelstund rum isch, gohts an s
Rüshole. Ei Laib nochem andere wird
rüszoge, de Bode wird abbirschtet un die
scheenschte Brotlaib liege nebenenander
ufem Brett.
Friedel
Scheer-Nahor
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| Ei Laib
nebenem andere im Bachofe. |
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Frischbache Brot. |

Brotbacken, Holzofenbrot, Holzofen,
Bauernbrot, Backhaus, Brotlaib |
Gumme, Gummenacker,
Wildgumme …
zu einem alten Schwarzwälder Wort und Flurnamen
Wer im
Schwarzwald wandert und dabei Wanderkarten zu
Rate zieht, wird darin nicht selten auf
Geländenamen stoßen, die Gumm, Gumme oder
ähnlich lauten oder auf Nmenzusammensetzungen
wie Gummacker, Gummenwald, Gummmatte oder
Hochgumme, Langgumm, Wildgumme u. a. Wer
sich systematisch mit der Verbreitung dieser
Namen befasst, wird feststellen, dass sie bei
uns nur in einem relativ eng begrenzten Gebiet
vorkommen. Sieht man von zwei nördlichen
Streubelegen an der oberen Acher, nämlich in
Sasbachwalden und Kappelrodeck ab, so
konzentrieren sich diese Namen im Zartener
Becken, dem Elztal und den angrenzenden
Gebieten. Oft finden sich in einer Gemarkung
sogar mehrere Namen diesen Typs.

Woher kommen
diese Namen und wie ist das typische
Verbreitungsbild zu erklären? Zur Deutung des
Namens haben wir eine Hilfe, denn in einigen
Orten des genannten Verbreitungsgebietes ist
Gumme noch als Bezeichnung für "Mulde,
Senke, Geländefalte" u. ä. belegt. Das Badische
Wörterbuch, Bd. 2, S. 500, nennt als Belegorte
St. Peter, Wildgutach, Gütenbach, Jostal. Oskar
Furtwängler aus Gütenbach schreibt z. B. in
seiner autobiographischen Erzählung "Die
Uhrenmacher im Schwefeldobel" (gedruckt 1924),
dass er zur Erforschung seiner Umgebung scho
no in e bar Käpili âkærë, hinter e bâr Hürscht
und etli Gumë hinteri gukë, au no ë wäng
in de Hüserë umenand döwere müsse (S. 2).
Und in Jostal sagte 1938 ein Bauer, dass
bestimmte Gräser nur in so Gummene (Pl.)
wachsen. Gumme ist also eine
Geländebezeichnung und zwar für vertieftes, oft
sumpfiges Gelände und wenn man sich die Lage von
Gumme-Flurnamen im Gelände anschaut, wird
man feststellen dass sie in der Regel auch in
Senken liegen. Wort und Name sind bei uns schon
alt, schon 1344 wird für Kirchzarten ein
acker in der gummun genannt oder 1456 der
Flurname Hochgumme für Ebnet. Außerhalb
Badens ist Wort und Name sehr häufig in der
Schweiz belegt, auch dort mit alten Belegen aus
den Jahren 1354, 1514 (Schweizerisches Idiotikon
3, 290). Dort finden wir auch erste Hinweise auf
die Herkunft, denn das Wort steht in Beziehung
zu frz. combe ‚kleines Tal,
Bergschlucht‘, das auch häufig in geographischen
Namen auftaucht. Dieses combe wird von
gallisch cumba ‚Mulde, Senke‘ abgeleitet.
Lautgesetzlich können die Schwarzwälder
Gummen ebenfalls hierhergestellt werden,
denn der Wandel mb zu mm ist
regulär (z. B. mhd. zimber, lamb > nhd.
Zimmer, Lamm). Auch die Erweichung des
Anlauts (k >g) und die Abschwächung des
Auslauts (a>e) sind regulär. Unser Wort
und der dazugehörige Name kann also als ein
keltisches Reliktwort angesehen werden, was
bedeutete, dass sich gallorömische
Bevölkerungsreste in den Schwarzwald
zurückgezogen hätten und dort erst relativ spät
Wort und Namen an die Alemannen weitergegeben
hätten. Diese Deutung wird auch dadurch
gestützt, dass sich gerade im Gebiet der
Gummen weitere voralemannische Namen und
Wörter wie z. B. Gschasi < casina, Gütsch <
cucutium, Gott-, Guttel < gutta, Umbletz <
ambilattium erhalten haben. Nicht
unmittelbar zu unseren Gummen gehören die
Wörter Gumpe ‚tiefe Stelle im Bach,
Pferdeschwemme‘ und Kumpf
‚Wetzsteinbehälter‘, wobei jedoch nicht
auszuschließen ist, dass vielleicht doch über
sehr alte Sprachbeziehungen ein Zusammenhang
herzustellen wäre. Wir sehen am Wort und der
Verbreitung von Gumme, dass unsere
Mundart wertvolle Indizien zur Sprach- und
Besiedlungsgeschichte liefern kann.
Rudolf Post
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E
Fraueschicksal
D
Gertrud isch usere Wiesetalgmei cho. I ha si bi guete
Bekannte chennelehre dürfe. Si isch vo Chopf bis Fueß e
Dame gsi. Au in ihrem achtzigschte Lebensjohrzehnt isch
si flott azoge gsi. Nie het si über d Lüt unguet
gschwätzt, un wie mänks het si bi ihre Mitmensche
entschuldigt, was si bi sich nit entschuldigt hätt.
s
isch eigeartig gsi, scho bim erschte Mol, wo mer is gseh
hän, hämmer glii e guete Droht zuenander gha un bi dr
zweite Begegnig hämmer scho "du" zueenander gsait.
Si
isch as Flüchtling nonem 2. Weltchrieg usem Oste vo
Dütschland cho. Ihre Ma isch, wie so viili, gfalle gsi
un ihr einzig Chind, e Büebli, isch in de Chriegswirre
verlore gange. Das muess mer sich emol vorstelle! E
Chind wird eim vo dr Hand grisse, un mer siht s nie meh.
Weli Muetter cha do nit mitfüehle? Do muesses eim jo s
Herz abdrucke.
Wie
mänki Afrog isch do ans Rot Chrüz gange, aber alli ohni
Erfolg. Si isch nie do drüber wegcho.
Es
het in sellere Zit mänk truurig Schicksal gee, un mer
cha numme hoffe, asses so öbbis bi uns nümme git.
In
sellere Zit, im Jänner 1945, isch Königsberg vo
russische Truppe iigschlosse gsi, un so sin
Hunderttausigi vo Flüchtling uf de Seeweg agwise gsi. D
Chriegsmarine un d Frachtschiff hän Ziviliste un
verwundeti Soldate no Dänemark un Nordwestdütschland
transportiert. Bi dr Evakuierig hän d Fahrgastschiff bi
jedere Fahrt so 10000 Mensche befördere chönne, aber d
U-Boot vo dr Rote Flotte hän die Schiff verfolgt un
agriffe. In dr Nacht vom 30. uf de 31. Jänner het dr
Dampfer "Wilhelm Gustloff" e Torpedotreffer übercho, un
vo 6000 Mensche sin numme 904 grettet worde. So isches
witergange mit'm Versenke vo dene Flüchtlingsschiff: D
"Goja" bi Rixhoft - 6500 Toti un d "Musketier" in dr
westliche Ostsee - 800 Toti. So chönnt mer grad
witermache mit Ufzelle. Bi mänkem Schiff het mer nit
emol gwüsst, wieviil Mensche druf gsi sin. Mer cha sich
s nit vorstelle, was do für e Durenander gherrscht het.
Wie schnell isch do e Muetter vo ihrem Chind trennt gsi,
un so het d Gertrud ihr Chind verlore.
Wo
mir uns wider emol troffe hän, het si zue mir gsait: "Na
Ingemaus, wie geht es dir?" Do hani zerscht müesse
schlucke, denn Ingemaus het mer in miim Lebe numme eine
gsait, un das isch mii Vatter gsi, wo im Chrieg gfalle
isch. I bi dört erscht e halb Johr alt gsi. Er het für
mii in siim letschte Brief e paar Ziile gschribe as hätt
er gwüsst, ass er nümme heimchunnt. "An meine Ingemaus",
het dä Brief agfange un i heben uf wie ne Schatz.
Wegedem het s mi au so eigeartig berüehrt, wo mi d
Gertrud so agsproche het. Wie ne Grueß us dr Ewigkeit
het s mi dunkt!
D
Gertrud isch scho e paar Jöhrli in dr andere Welt, aber
vergesse hani si nit.
Vorigi Wuche isch mer ufem Märt ihri Nichte über de Weg
gloffe un si het mer verzellt, ass si Nochricht vom Rote
Chrüz übercho het. Dr Gertrud ihre Sohn lebt in Litaue
un het dört Familie. Das het mi arg bewegt! Wenn si das
no erlebt hätt!
Aber
i glaub, ass si das scho weiß - dört "äne" wo si jetz
isch.
Ingeborg Schütze

Kennen Sie
Elisabeth Baustlicher?
Der Name Elisabeth Baustlicher wäre
vermutlich längst vergessen, fänden sich in diesem
Doppelporträt nicht ihr Abbild und ihr Name neben jenen
von Johann Peter Hebel (1760 bis 1826), des großen
alemannischen Mundartdichters, Theologen und Pädagogen.
Das wohl bekannteste Bild mit dem
Motiv „Hebel und Vreneli“ dürfte das von Carl
Joseph Aloys Agricola (1779 bis 1852)
im Basler Kirschgartenmuseum sein.
Es trägt am unteren Bildrand die
ausführliche Beschreibung: „Elisabeth Baustlicher von
Langendenzlingen, alt 19 Jahr. gez. den 29t November
1814 von Carl Agricola. J.P. Hebel von Basel. Alt 56
Jahr. gez. den 6t December 1814 in Karlsruhe, C.A.“

Die Beliebtheit des Bildmotivs
„Hebel und Vreneli“ wird allein
schon dadurch deutlich, dass verschiedene ähnliche, mit
kleinen Abweichungen versehene Vorlagen erschienen
sind, so zum Beispiel bei Mansfeld & Co. in Wien (C.
Agricola), bei Velten in Karlsruhe (T. Hurler) und
Lemercier in Paris (S. Maier). Als Vorlage diente mit
großer Wahrscheinlichkeit das im Basler Historischen
Museum (Kirschgartenmuseum) zugängliche Bild.
Als Wilhelm Altwegg
1935 seine große Hebel-Biographie herausgab, wußte er
nichts von diesem Bild. Dieses authentische und
zeitgenössische Hebel-Porträt wurde erst nach dem 2.
Weltkrieg wiederentdeckt. Das Historische Museum in
Basel hat es 1953 erworben. Aus der genauen Datierung
beider Bildnisse erfahren wir, dass das Bild der
Elisabeth Baustlicher acht Tage vor dem Hebels
entstanden ist. Beide Porträts sind auf einen Karton
gemalt. Wäre dies nicht der Fall, dann wäre eine Fuge
zwischen zwei aneinander gestoßenen Papierstücken zu
sehen. Die Forschung geht heute davon aus, dass das
Aquarellbild in getrennten Sitzungen entstanden ist.
Über das Leben der Elisabeth Baustlicher, 1795 geboren,
sind keine Aufzeichnungen bekannt.
Die Kirchenbücher von
Langendenzlingen (heute: Denzlingen) klären nicht viel.
Robert Feger stellt
in seinem Beitrag fest, dass das Bild im
Kischgartenmuseum als Hintergrund die St.
Stephanskirche in Karlsruhe zeigt. Eine Kirche mit der
Hebel eigentlich nichts zu tun hatte; “seine” Kirche
war die evangeliche Stadtkirche am Marktplatz. Beide
Kirchen wurden nach Plänen des Architekten Friedrich
Weinbrenner (1766 bis 1826) geplant und gebaut. Die
katholische Stephanskirche wurde im Jahr 1814
fertiggestellt, die evangeliche Stadtkirche wurde ein
Jahr später vollendet. Die Darstellung von Agricola
zeigt jedoch Bauteile, die nicht ausgeführt worden sind,
so dass seine Zeichnung wohl nach einer Vorlage
Weinbrenners gefertigt worden ist. Hebel war zu dieser
Zeit Direktor des Karlsruher Gymnasiums.
In abgeänderten
Vorlagen des Hebelbildes aus dem Kirschgartenmuseums
erscheint nun im Bildhintergrund ein bewaldetes Flußtal,
indem als einziges Gebäude eine Kirche zu sehen ist.
Spätere Deutungen nehmen an, es könnte die evangeliche
Kirche in Hausen im Wiesental sein, wofür es aber keine
Argumente gibt.
Ein Charakteristikum
des Wiesentales ist nicht zu erkennen. Elisabeth
Baustlicher, sie trägt auf dem Bild die Tracht des
Markgräflerlandes, deutet damit auf Hebels Verbundenheit
mit seiner ländlichen Heimatregion hin, während die
Stephanskirche auf sein städtisches Wirkungsfeld
hinweist. Dass Hebel mit seiner linken Hand
gestikuliert, macht deutlich, dass diese Darstellung als
Vorlage für eine Druckgraphik gedacht war, die dann
seitenrichtig erschien. Hebel hat Elisabeth Baustlicher
weder gekannt noch überhaupt je gesehen. Das Basler
Bildmotiv diente 1985 als Vorlage für die 80
Pfennig-Briefmarke der Deutschen Bundespost und ist
damit auch eine bleibende Erinnerung an Johann Peter
Hebel und sein schriftstellerisches Werk.
Elmar Vogt
Verwendete Literatur:
Feger, Robert, Ein
wiederentdecktes Porträt Johann Peter Hebels, in:
Das Markgräflerland – Beiträge zu seiner
Geschichte und Kultur, Heft 1/2 1979,
Seite 106 bis 116, Schopfheim 1979.
Wagner, Karl Helmut,
Das Doppelbildnis Johann Peter Hebel und Elisabeth
Baustlicher, in: Das Markgräflerland – Beiträge zu
seiner Geschichte und Kultur,
Heft 3/4 1979, Seite 289 bis 314, Schopfheim 1979.

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