Die folgende Rede von Markus
Manfred Jung wurde als Festvortrag bei den
30. Bockenheimer Mundarttagen am 6. Mai 2007 in
Bockenheim an der Weinstraße gehalten
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Wo
ane gohsch? Mundartdichtung im 21. Jahrhundert
mund
art
schad
e sproochfehler halt
un art
do cha mer nüt mache
spööter
wachst sich des us
Sehr geehrte Freunde der Mundart, liebi Kolleginne
und Kollege Mundartschriiber, -schriftsteller, -dichter,
wenn
ich Ihnen und euch über die Entwicklung der letzten
ungefähr 40 Jahre in der deutschen Mundart-Literatur
berichten darf, dann vielleicht deswegen, weil ich als
Sohn eines bekannten Mundartdichters und als selbst
Schreibender einen gewissen Einblick in diese
Entwicklung habe. Nicht aber, weil dies meiner
Profession, meiner Studienrichtung oder meinem Beruf
entspräche. Im Hauptberuf bin ich Studiendirektor am
Gymnasium im südbadischen Schopfheim und unterrichte
Deutsch, Literatur, Sport und manchmal Ethik. Sehen Sie
es mir daher bitte nach, dass ich nur Tendenzen,
Grundlinien und Beispiele in dieser Entwicklung
aufzeigen kann, dass mein Wissen sich nicht über alle
Mundartregionen gleichermaßen erstreckt und alles, was
ich hier sage, von Ihnen sicher oft ergänzt, manchmal
vielleicht sogar korrigiert werden kann, darf, ja soll.
Für Hinweise bin ich dankbar.
Die
Situation von 1950 bis 1990
In
den 50er-Jahren machte in Wien eine neue Art von
Dialektdichtung von sich reden. Die Wiener Gruppe um
Artmann, Rühm, Achleitner, Wiener und Co. verwendete
mundartliches Sprachmaterial avantgardistisch verfremdet
und politisch "fortschrittlich". Artmanns "med ana
schwoazzn tintn" war das Vorzeigewerk. Der konservativen
bis reaktionären "Mundartdichtung" setzten die Wiener
die fortschrittliche "Dialektdichtung" entgegen. Der
Skandal zog seine Kreise, es entstand in der Nachfolge
eine Welle neuer Dialektdichtung, auch in der Schweiz,
in Deutschland und im Elsass, die sich auf der einen
Seite gegen die rassisch und nationalistisch belastete
Mundarttradition, aber auch gegen die kleinbürgerlich
nostalgisierende Natur- und Heimatdichtung der
Nachkriegsjahre stellte. Eine Kluft tat sich auf, die in
der Protest und Liedermacherwelle der 70er und
80er-Jahre ihren Fortbestand fand.
Die
„Alemannische Internationale“
Fast
zum Mythos avanciert ist inzwischen der Kampf der
sogenannten „Alemannischen Internationalen“, die
grenzüberschreitend anfangs der 70 Jahre gegen die
Errichtung großindustrieller Komplexe entlang des Rheins
in der Schweiz, im Elsass und in Baden kämpfte.
Demonstrationen, Bauplatzbesetzungen und
Diskussionsrunden bei einer gewissen Solidarität
zwischen ansässiger Landbevölkerung und städtischer
Intelligenz zeitigten Erfolge. Zum Beispiel wurden die
Atomkraftwerke Wyhl (D) und Kaiseraugst (CH) sowie
umweltschädliche Fabrikansiedlungen im grenznahen Elsass
(F), z.B bei Marckolsheim verhindert.
Hauptverbindungspunkte der einzelnen regionalen
Initiativen waren neben dem umweltschützerischen
Gesichtspunkt die gemeinsame Kulturtradition und die
alemannische Sprache. Liedermacher aus allen drei
Ländern benutzten den Dialekt zur Solidarisierung und
waren maßgeblich beteiligt am Entstehen der sogenannten
„Mundartwelle“, die kurzzeitig von den großen Medien
aufgenommen und verstärkt wurde. Auf badischer Seite hat
die „Mundartwelle“, was die Literatur angeht, allerdings
keine dauerhaften Resultate gebracht. Liest man
alemannische Liedtexte jener Zeit und jener Bewegung
heute, kann einen eine gewisse, fast naive,
Unbedarftheit vieler Textinhalte und -formen zwar
anrühren, aber nicht mehr überzeugen. Die Verbindungen
über die Grenzen unter den Mundartschaffenden sind immer
noch
gut,
eine gewisse Ermüdung in Ermangelung neuer Themen ist
aber durchaus erkennbar.
Entweder war man damals politisch links,
widerständlerisch aktiv, benutzte den "Dialekt als
Waffe" (André Weckmann), nutzte sein Potential als
Sprache der Ohn-Macht gegen die zentralistische
Staatsmacht mit ihrer Behörden-Hochsprache und
solidarisierte sich mit den einfachen Menschen, den
"Sprachlosen", oder man stellte sich in die
wertebewahrende, konservative Reihe der Sprach-, Form-
und Traditionserhalter, negierte die Politik als Thema
für Mundarttexte, idyllisierte die Vergangenheit, die
Natur, die Menschen, die Gegenwart, die Mundart und
schrieb Bestätigungstexte. Die Mundartwelt schien
einfach zu sein, nämlich schwarz-weiß.
Dass
dem nicht so war, oder nicht nur, erlebte ich früh. Denn
mein Vater z.B., Gerhard Jung, der sowohl bei den
Heimattagen Baden-Württemberg als auch im "Fründschaftshüs"
auf dem besetzten Baugelände des AKW Wyhl las,
verkörperte schon damals eine andere Richtung: eine, die
zwar stark in der Mundart-Sprachtradition verwurzelt
war, der Idyllisierung durchaus nicht abhold, aber auch
politisch offen neue Themen und auch Formen annehmen und
assimilieren konnte und sich nicht so einfach
ideologisieren ließ. Und er war nicht der Einzige
damals.
Das
IDI
Aus
der Protestszene entstand nach der
Mundartliteraturtagung 1974 in Obergurgl/Tirol 1976 das
Internationale Dialekt Institut (IDI) in Österreich, das
von Anfang an verdienstvolle Arbeit, neben der Bewahrung
guter Mundartliteratur, in zwei andere Richtungen
leistete. Wissenschaftler gingen an eine theoretische
Aufarbeitung der Sprach- und Literatursituation in der
Mundartdichtung und schafften ihr somit eine
gesellschaftlich akzeptierte, intellektuelle
Rechtfertigungsbasis, und das IDI solidarisierte sich
auf der anderen Seite mit Minderheitenbewegungen, die
durchaus Verbindung mit dem Dialekt haben konnten
(Elsässisch, Walserdütsch z.B.), aber auch mit ganz
fremden Sprachen (Slowenisch, Sorbisch etc.). Viele
ausgezeichnete Mundartdichter aus verschiedensten
Regionen schlossen sich dem IDI an.
Die
Mundartwelle
Die
Autoren der älteren Generation blieben von der in den
70/ 80er-Jahren medial inszenierten Mundartwelle
ziemlich unberührt, da diese eine tagespolitische
Ausrichtung der Texte favorisierte und neue Formen
propagierte. Die Jüngeren, vor allem die Liedermacher,
die damals zur Mundartdichtung stießen und eine neue,
politisch aggressive Note brachten, beendeten ihr
Schreiben im Dialekt mit Beendigung ihres regionalen
politischen Engagements nach der Wyhlbewegung oder
verschwanden in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit.
Sie hatten aber der Generation nach ihnen Möglichkeiten
aufgezeigt, wie die Mundartdichtung aus der Ecke
beschaulicher Heimatdichtung herauskommen konnte.
Die
Lage nach 1990
Die
Spaltung in zwei Mundartlager ist heute nur noch
rudimentär vorhanden. Auf der einen Seite gibt es kaum
noch die Identität Mundart gleich konkreter Protest. Am
ehesten ist die noch in Österreich der Fall, mit
Einschränkungen im alemannischen Raum, wenn zum Beispiel
aus den gegen das AKW-Wyhl gerichteteten Sprüchen "Nai
hä mer gsait" oder "Nit allem sich neige, s Eige zeige"
im letzten Jahr beim Protest gegen die Schließung des
Kadus-Werkes in Lenzkirch "uffmucke, nit duckmuse"
wurde. Parallel zur gesellschaftlichen Entwicklung, wo
im Moment, etwas grobhölzrig gesprochen, Konsum statt
Protest, Anpassung statt Widerstand opportun ist, und
auch in der jungen schriftsprachlichen Literatur offener
gesellschaftlicher Protest nur am Rande vorkommt, sind
diese Dinge zwar Themen der Mundartliteratur, aber sie
treiben sie nicht an, sind nicht Motivationsquelle für
mundartliches Schreiben. Auf der anderen Seite haben
auch die Konservativen längst sozial- und zeitkritische
Themen für sich entdeckt. In Zeiten der Globalisierung,
Technisierung und Ökonomisierung der Welt scheint ein
Festhalten an der Mundart schon an und für sich
gesellschaftskritischer Protest zu sein.
Kurz: Zwar scheint der Mundartdichtung sowohl die
spezifische Protesthaltung, die Politisierung a priori,
als auch die explizit wertekonservative und bewusst
unpolitische Traditionshaltung entglitten zu sein, auf
der anderen Seite sind Berührungsängste, ideologische
Gräben und Kleingeisterei einem
Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer kleinen, aber
notwendigen Literatur-Minderheit gewichen.
Publikationsmöglichkeiten:
Verlage
Aus
der zeitlichen Distanz muss es geradezu als ideal
anmuten, was es in den 70er-, 80er-Jahren für seriöse
Publikationsmöglichkeiten gab. Die "moderne
Mundartszene" mit den um das IDI, Innsbruck gruppierten
Autorinnen und Autoren aus dem gesamten
deutschsprachigen Gebiet hatte ihre "Mundartliterarische
Reihe" im Verlag J. P. Peter, Gebrüder Holstein in
Rothenburg ob der Tauber, herausgegeben von Bernhard
Doerdelmann, damals schon mit Schallplatte im Buch, eine
hervorragend gestaltete Reihe, die dann in den
80er-Jahren mit demselben Konzept als "Dichten im
Dialekt" im Verlag van Acken in Krefeld fortgesetzt
wurde.
Im
alemannischen Raum z.B. gab es den rührigen Moritz
Schauenburg-Verlag in Lahr und den Südkurier-Verlag in
Konstanz. 1983 legte der Morstadt-Verlag in Kehl seine
gediegene Reihe "Neue Alemannische Mundartdichtung" auf,
herausgegeben vom Straßburger Germanisten Raymond
Matzen, mit einer elsässischen Publikationsreihe und
einer badischen. Gute Möglichkeiten gab es auch in der
Schweiz, am bekanntesten war der Zytglogge Verlag in
Gümlingen bei Bern. Im Schwäbischen machten sich u.a.
die Verlage Karl Knödler, Reutlingen, und Silberburg,
Stuttgart, um die Mundartliteraturszene verdient, wobei
diese meines Wissens auch heute noch Mundartbücher im
Programm führen. Im Bayrischen gab es den Verlag Friedl
Brehm in Feldafing und andere. Das heißt, es gab neben
speziellen Mundartreihen in mittelgroßen Verlagen in
fast allen Mundartregionen kleinere Verlage, meist mit
regionaler Verwurzelung, die in ihr hochsprachliches
Programm auch Mundartbücher aufnahmen.
Da
es diese Art von Verlagen als selbständige Unternehmen
kaum noch gibt und durch ihren Aufkauf in große
Verlagsverbünde das schiere Renditedenken einer
regionalen Verwurzelung den Garaus gemacht hat, sind die
seriösen Veröffentlichungsmöglichkeiten in einem Verlag,
der über ein Vertriebssystem verfügt und dem Autor sein
Honorar bezahlt, ohne dass er vorher sein Erspartes in
die Publikation eingebracht hat, selten geworden. Im
badisch-alemannischen Bereich verlegt der
Kaufmann-Verlag in Lahr als Nachfolger von Schauenburg
nach wie vor Populäres, wenn auch nur noch in geringem
Umfang. Nur der Drey-Verlag in Gutach widmet sich mit
ausgezeichnet gestalteten Büchern der modernen
Mundartszene, wobei er unter anderem auch dafür den
Landespreis für ambitionierte Kleinverlage in
Baden-Württemberg 2006 verliehen bekommen hat.
Fast
in allen anderen Regionen mit lebendiger
Mundart-Literaturszene wird ebenfalls über den Missstand
fehlender Publikationsmöglichkeiten durch Verlage
geklagt. Lediglich Im Norddeutschen scheint es mit
Quickborn, Hamburg und Michael Jung, Kiel, mit jeweils 6
bis 8 Publikationen im Jahr, noch gute
Verlags-Möglichkeiten zu geben. Allerdings produzieren
sie aus wirtschaftlichen Gründen fast nur Marktgängiges
von aus Rundfunk und Fernsehen bekannten Autorinnen und
Autoren, vornehmlich kürzere, heitere Texte. Der auf
Qualität, auch was die künstlerische Buchausstattung
betrifft, achtende Verleger Theo Schuster in Leer
beschränkt sich inzwischen eng regional auf
ostfriesisches Platt. Die Carl-Toepfer-Stiftung
veranstaltet seit 8 Jahren im November eine
plattdeutsche Buchmesse mit jeweils ca. 12-15
ausstellenden Verlagen für rund 2500 Besucher.
Vielleicht hilft es dem Niederdeutschen doch enorm, dass
es 1999 durch die europäische Charta der Regional- und
Minderheitensprachen zur anerkannten Regionalsprache
wurde, die in den meisten norddeutschen Bundesländern
seither auch in der Schule wiederholt zum
Unterrichtsthema gemacht werden muss, was allerdings
aber oft an der Unkenntnis und dem Desinteresse der
Lehrer scheitert. Mit dem Lehrband "Schrievwark" (Hrsg.
Bolko Bullerdiek), dem zwei CDs beiliegen, versucht man
diesem Missstand abzuhelfen.
Fast
überall aber gilt: An Stelle verdienstvoller, über die
Grenzen des engen Mundartraumes hinauszielende
Publikationsreihen und Veröffentlichungen in
traditionellen, regionalen Kleinverlagen ist inzwischen
oft die Notlösung der Selbstveröffentlichung im
Eigenverlag getreten. Der Mundartpoet kreiert sein Werk
am eigenen PC, vielleicht mit Hilfe eines befreundeten
Bildenden Künstlers, lässt das Werk drucken und ist sein
eigener Verleger, der die regionalen Buchhandlungen
abklappert und froh ist, wenn er seine Hefte oder
Büchlein auf Kommission los wird. Natürlich hat das den
großen Vorteil, dass jeder sein eigenes Buch billig
produzieren kann, was zu einer großen Vielfalt in der
Mundartpublikationsszene führt, aber auch zu einer
Unübersichtlichkeit. Im Markgräflerland, wo ich her
stamme, kann inzwischen fast jedes Dorf seinen
Lokalpoeten vorweisen. Da allerdings fast immer das
Lektorat, wie es ein seriöser Verlag bietet, wegfällt,
stagniert die Qualität des Veröffentlichten, um es
einmal vorsichtig auszudrücken, und auch die
handwerkliche Verarbeitung der Bücher ist oft
erschreckend primitiv. "Book on Demand-Verlage" machen
da keine Ausnahme. Die wenigen guten Publikationen haben
es schwer, sich in dieser Vielzahl hervorzutun. Eine
potentielle Käuferschaft von qualitativ hochstehender
Mundartliteratur wird so nur schwer erreicht, wenn nicht
sogar abgeschreckt.
Zeitungen und Zeitschriften:
Gab
es vor 30 bis 40 Jahren in regionalen Zeitungen manchmal
noch Literaturbeilagen, die auch Mundarttexte im
Mantelteil veröffentlichten, bei uns z.B. in der
Badischen Zeitung (BZ) und im Oberbadischen Volksblatt,
so erscheinen diese, wenn überhaupt, heute nur noch auf
den Lokalseiten. Überlebt aus jener Zeit hat allerdings
die Mundartkolumne in der BZ, dies allerdings auch nur
dank einer großangelegten Kampagne und einer Großanzeige
mit Unterstützung namhafter Persönlichkeiten und
Institutionen. Während in unsrer Gegend
Mundartveranstaltungen durchaus seriös besprochen
werden, scheint dies in anderen Regionen, z.B. im
Württembergischen, aber auch in Norddeutschland, nicht
mehr unbedingt der Fall zu sein. Der schwäbische Dichter
Hanno Kluge verwendet für die Einschätzung der Presse
gegenüber Mundart das Wort "verpönt". Den Sprung ins
überregionale Feuilleton schaffen wieder nur ganz
Wenige. Das war allerdings vor 30 Jahren auch nicht
anders.
Vor
allem für Erstversuche im Mundartschreiben, aber auch
für ein Bekanntwerden beim speziell an Mundart
interessierten Lesepublikum sind die noch existierenden
Mundartzeitschriften sehr wichtig. Daran hat sich in den
letzten 30-40 Jahren wenig geändert, außer dass die
Möglichkeiten, z.B. in einem traditionell starken
Mundart-Literaturgebiet wie der Schweiz, deutlich zurück
gegangen sind. Zeitschriften, die Texte publizieren und
Publikationen vorstellen, sind enorm wichtig für eine
lebendige Literaturszene, zumal in deren Redaktionen
doch zumeist noch gewisse Qualitätsansprüche an zu
veröffentlichende Texte gestellt werden.
Ich
denke da an Beispiele wie "Alemannisch dunkt üs guet",
das schwäbische "schwädds", die elsässischen "Revue
Alsacienne de Littérature" (dreisprachig), "D' Heimet
zwische Rhin un Vogese", oder "Land un Sproch", das
lothringische "Paraple" und die "mundart saar post", an
"Mundart", das Forum des Vereins Schweizerdeutsch, "Morgenschtean"
und die "IDI-Informationen" in Österreich, die
niederdeutschen "Quickborn", das nun schon im hundersten
Jahrgang viermal im Jahr mit jeweils ca. 100 Seiten
erscheint!, "Dat Blatt op Platt" , "DIESEL, dat
oostfreeske Bladdje" oder "Blätter der Fehrs-Gilde"
u.a.m.. Können die Herstellungskosten heutzutage,
gegenüber früher, relativ gering gehalten werden, stellt
inzwischen der Postvertrieb einen enormen Kostenfaktor
für die Verbreitung dar.
Rundfunk und Fernsehen:
Im
Bereich des Rundfunks, so könnte man meinen, hätten sich
die Chancen für die Mundartliteratur mit der Konkurrenz
von Privatradiosendern und der größeren Anzahl von
Programmen verbessert. Das Gegenteil ist aber der Fall.
Im SüdWestRundfunk z.B. , dem Sender für
Baden-Württemberg und die Pfalz, hat man die Mundart in
einem konsequenten Spartendenken zur einfachen
Volkskultur für alte Leute abgestempelt und damit ins 4.
Programm verwiesen, wo sie von seichter, verlogener,
sogenannter Volksmusik umspielt, oder besser umspült
wird. Das beliebte Mundartfenster am Samstagmorgen
wurde zuerst so kastriert, dass nur noch ein Musiktitel
von den verantwortlichen Moderatoren ausgesucht werden
durfte, der Rest kam vom Sampler in Stuttgart und
konterkarierte allzu oft das seriöse Anliegen der
Sendung, dann zerstückelte man die Einheit und verteilte
sie so auf beliebige Plätze, dass die Mundart nicht mehr
gezielt gehört werden konnte, es sei denn man unterwarf
sich dem Diktat der Dudelmusik. Das einstmals qualitativ
hochstehende Mundart-Hörspiel, das im 1. Programm viele
Hörer hatte, ist stark reduziert, gesendet werden fast
nur noch Eigenproduktionen. Ins Kulturprogramm 2
schaffen es nur noch ganz, ganz wenige Themen und Namen
mit Mundartliteraturrelevanz. Im 3. Programm, dem Sender
für die Jugend und "Junggebliebene" existiert Mundart
fast nur als ironisierte Deppensprache.
Trotz Beschneidungen scheinen da der Saarländische
Rundfunk z.B. und vor allem der NDR, sowohl im Radio wie
im Fernsehen, immer noch Vorbildhaftes für die Mundart
zu leisten. Gerd Spiekermann hat vor zwei Jahren in
Hamburg eine neue Serie gestartet: Platt für Anfänger,
die auch als podcast angeboten wird. Inzwischen
verzeichnet die Sendung mehr als 70 000 downloads. Seit
über 50 Jahren läuft von Montag bis Samstag in drei
NDR-Landesprogrammen die Serie "Hör mal'n beten to", die
moderierenden Autoren haben einen hohen
Bekanntheitsgrad. Am Sonntagabend, in der NDR-Sportschau
im Fernsehen, kommentiert Falko Weerts jeweils ein Spiel
der 1. Bundesliga "op Platt". Selbstverständlich müsste
der Hörfunk für die Mundartliteratur das entscheidende
Medium sein, da es nur wenige Menschen schaffen, von der
verschriftlichten Mundart eine Rückkoppelung in die
Hörart vorzunehmen. Wo sich die Radiomacher aber
verweigern, hat seriöse Mundartdichtung einen schweren
Stand. Christian Schmid mit seiner "Schnabelweid" auf
bestem Sendeplatz im Schweizer Rundfunk ist ein weiterer
Leuchtturm auf felsigem Land.
Etwas besser sieht es im Fernsehen aus. In der Reihe
"Mundart und Musik", die eine Zeitlang im 3. Programm
des SWR lief, war zwar dieselbe Spartenverquickung mit
der nostalgisierenden, zynisch-populistischen
Volksmusikszene zu beklagen, aber die Dichter durften
wenigsten live ihre eigenen Texte vortragen. Kleineren
Themensendungen kann man ab und zu im Dritten begegnen,
oft in der Verquickung Landschaft und dazugehörige
Mundart, größeren, wie z.B. über den elsässischen
Dichter André Weckmann, in arte.
Rezeptionsmöglichkeiten
Diese hängen natürlich stark mit den
Publikationsmöglichkeiten zusammen. Allerdings muss
gesagt werden, dass Bücher und Zeitschriften nur ein
erfahrenes und reifes Publikum erreichen. Eines, das
sich die Mühe macht, Mundart in ungewohnter
Verschriftlichung für sich zu erarbeiten. Inzwischen
erscheinen mehr und mehr Bücher erfreulicherweise mit
CDs, was sie zu einer mundartgenehmen Form von
"Hörbüchern" macht. Überhaupt erleichtern CDs, vor allem
auch mit Liedern, den Zugang zur Mundartliteratur.
Inzwischen gehört eine eigene home-page für viele
Autorinnen und Autoren, vor allem aber für Verbände und
Vereinigungen zur selbstverständlichen ständigen
Medienpräsenz. Die Suchmaschinen im Internet müssen auf
ein Schlagwort ansprechen können, so wie es bei der
Wortkombination "Bockenheim Mundart" mit großer
Zuverlässigkeit geschieht.
Immer wichtiger erscheint es, die junge Generation zu
erreichen, die nicht mehr, wie noch in unsrer
Jugendzeit, selbstverständlich im Dialekt aufwächst. Aus
meinem Lehrerberuf weiß ich, dass auch in ländlichen
Gebieten der aktive Mundartgebrauch bei Jugendlichen,
bei noch hohem passiven Könnensstand, rapide zurück
gegangen ist.
Um
dem gerecht zu werden, hat in Baden-Württemberg der
Arbeitskreis "Mundart in der Schule" (www.mundart-in-der-schule),
unterstützt vom Ministerium und verschiedenen
Regierungspräsidien, ein Programm erarbeitet, das
Mundartsänger und -dichter in die Schulen bringt.
Trägervereine sind die badische "Muettersproch-Gsellschaft"
und die württembergische "schwäbische mund.art". Schon
im ersten Jahr fanden über 50 Veranstaltungen statt. Die
Akteure erhalten ein Garantiehonorar von 200.- € für
eine Doppelschulstunde. In der neuen Broschüre sind über
50 Künstlerinnen und Künstler aufgeführt, jetzt auch aus
dem fränkischen und kurpfälzischen Sprachgebiet.
Hauptthema in den Schulklassen ist immer der Umgang mit
Mundart, das Vorleben lebendiger Mundartsprache.
Diese Rezipientengruppe wird sicher durch online
publishing, wie es einige junge Autorinnen und Autoren
schon anbieten, noch besser erreicht. Da erscheinen sich
neue Möglichkeiten zu ergeben, vor allem bei
jugendbezogenen Themen, künstlerischen Formen (Rap,
SMS-Lyrik) und dem Zusammenspiel von geschriebenem Text
und vorgesprochener Mundart. Es gibt Gegenden, z.B. in
Wien, wo sich längst eine "junge" Mundartszene um Rock,
Rap und Comedy gebildet hat, die selbstbewusst auftritt,
aber sich nicht als Mundartszene versteht und daher auch
keinen Anspruch hat, als solche veröffentlicht,
registriert und archiviert zu werden. Immerhin hat der
ORF jüngst einen Mundart-Rock Wettbewerb ausgeschrieben.
Werkstätten
Wenn
es heute etwas ausgesprochen Positives gibt, das es
meines Wissens in der Blütezeit der Mundartliteratur in
den 70er und 80er-Jahren noch nicht gab, dann sind es
die Mundart-Literaturwerkstätten, d.h. eine seriöse
Textarbeit, ein wechselseitiges Besprechen und
Kritisieren literarischer Texte. Ich weiß, dass einzelne
Autoren früher Nestorfunktion hatten. Man suchte ihre
Kritik und vor allem ihre Zustimmung, aber eine
Werkstattarbeit auf Augenhöhe ist mir aus jener Zeit
nicht bekannt. Aus einem Buch wie Hubert Baums "Freude
am alemannischen Gedicht" konnte man ersehen, was ein
gutes Gedicht ist, aber man kam dadurch mit seinem
Schreiben nicht automatisch weiter. In den Kreisen des
IDI konnte man sich über Gesellschaftspolitik streiten,
ja fast zerfleischen, aber über die Texte der Kollegen
redete man, in den Anfangsjahren zumindest, nicht. Jeder
schrieb, wie er schrieb.
Eine
die alemannischen Grenzen sprengende
Mundart-Literatur-Initiative haben 1989 die Autoren
Thomas Burth (gestorben 2000) und Markus Manfred Jung in
Schopfheim, dem Nachbarort von Hausen, ins Leben
gerufen. Vor allem Autorinnen/Autoren der sogenannten
modernen Dialektliteratur aus dem gesamten
deutschsprachigen Raum treffen sich dort seither
alljährlich zur Schopfheimer Mund-Art
Literatur-Werkstatt, lesen in Schulen, arbeiten unter
der Leitung eines Moderators an Texten zu einem
vorgegebenen Thema und unterhalten im Museumskeller ein
großes, fachkundiges Publikum. Seit 2001 ist diese
Werkstatt auch auf Weil am Rhein ausgedehnt. Bei den
bisher 19 Veranstaltungen bis 2007 haben fast 100
Mundartdichterinnen und -dichter teilgenommen.
Ähnliches leistet seit 1993 das Mundart-Symposion an der
Bosener Mühle im Saarland. Der Landkreis St. Wendel und
SR3-Saarlandwelle mit Günter Schmitt, und zu Beginn auch
mit Friedrich Hatzenbühler, haben eine vorbildhafte
Werkstatt geschaffen. Ähnlich wie in Schopfheim, aber
über einen längeren Zeitraum, können Autorinnen und
Autoren aus dem gesamten deutschen Sprachraum an
Werkstücken feilen. Auftritte, auch im Radio, sowie eine
gemeinsame Publikation (die leider inzwischen wegen
Geldmangels nicht mehr zustande kommt) erhöhen den Wert
dieser Arbeit. Ein regelmäßiger Austausch der
Veranstalter dieser beiden Zentren miteinander bildet
die Grundlage für eine lebendige Mundartliteratur-Szene
im südwestdeutschen Raum.
Aus
dem Bosener Symposion entstand 2000 die sehr rührige
Vereinigung von inzwischen über 20 mosel- und
rheinfränkischer Liedermacher, Autorinnen und Autoren
aus dem Saarland, aus Rheinland- Pfalz, dem Elsass und
Lothringen, was zeigt, wie eine gute Initiative eine
nächste nachziehen kann. Seit 2005 gibt es durch die
Vorarlbergerin Anni Mathes, die an beiden Werkstätten
teilgenommen hat, eine entsprechende Werkstatt in
Bludesch/A. In jenem Raum leistet auch Adolf Vallaster
mit seiner Arbeit seit vielen Jahren Vorbildliches.
Weitere Werkstätten existieren, wie ich vom Hörensagen
"weiß", im niederdeutschen Raum. In kleineren, regional
begrenzten Gruppierungen, gibt es diese Werkstattarbeit
an vielen Orten.
Die
"großen" Werkstätten schaffen zum einen Verbindungen
über die regionale Begrenztheit der Mundartliteratur
hinaus, und zum andern wird die Qualität der Texte in
der kritischen Arbeit bewusst in Frage gestellt. Da
dieselben Kriterien wie bei der Arbeit an
schriftsprachlichen Texten angelegt werden, führt das
auch dazu, dass die Texte im literarischen Anspruch mit
hochsprachlicher Literatur verglichen werden können.
Dies muss ein unbedingter Anspruch zeitgenössischer
Mundart-Literatur sein, um den nach wie vor weit
verbreiteten Vorurteilen, sie sei lustig, derb,
bodenständig, rührend, simpel etc., eben niedere
Literatur, beharrlich und berechtigt zu begegnen.
Preise
Grundsätzlich gilt: Dort, wo Mundartliteratur eines
Preises für würdig gehalten wird, erfährt sie
Wertschätzung und lebt im Bewusstsein der Bevölkerung.
Damit wird sie gelesen. Das Schreiben von Mundarttexten
wird nicht (nur) belächelt. In Baden gibt es seit 1936
den Hebelpreis, der heute vom Land Baden-Württemberg
(seit 1972 alle zwei Jahre) verliehen wird. Die
Ausgezeichneten sollen aus dem alemannischen
Sprachgebiet von Elsass, Baden, Schweiz und Vorarlberg
stammen und eine Verbindung zu Hebels Werk haben. Noch
vor 30, 40 Jahren, war die Chance für Literaten, die
ausschließlich oder teilweise in Mundart schrieben,
diesen hochdotierten Preis zu erhalten, groß: 1961 Albin
Fringeli (CH), 1962 Richard Nutzinger, 1964 Albert
Bächtold (CH), 1966 Eberhard Meckel, 1968 Hermann
Schneider (CH), 1972 Kurt Marti (CH), 1974 Gerhard Jung,
1976 André Weckmann (F), 1984 Claude Vigée (F). Mit
Manfred Bosch 1990 und Adrien Finck (F) 1992 endet
allerdings diese Reihe. Die heutige Mundartliteratur
wird von der Jury wohl nicht mehr als preiswürdig
angesehen.
Unglaublich wichtig für die Erneuerung und Weiterführung
einer Mundartliteraturszene sind Schreibwettbewerbe mit
ausgelobten Preisen. Dies wird im Alemannischen
exemplarisch deutlich. Die Generation der sogenannten
„Jungen Mundart" wurde mit Ausschreibung eines
Wettbewerbs 1974 geboren. Die „Muettersproch-Gsellschaft“
zeichnete zusammen mit dem Regierungspräsidium Südbaden
in Freiburg für den Wettbewerb verantwortlich. Gesucht
waren alemannische Mundarttexte in den Sparten Lyrik und
Prosa sowie Tondokumente mit Liedern. Angesprochen
wurden junge Menschen bis 35. Es waren Preise ausgelobt
bis zu 1000 DM. Der Regierungspräsident verlieh die
Preise, die Medien zeigten Interesse.
Von
den Preisträgern, die fast ausahmslos alle zum ersten
Mal in Mundart publizierten, ja meist sogar zum ersten
Mal literarisch schrieben, und von denen, die außerdem
als preiswürdig eingestuft wurden, blieben einige dabei
und brachten mit neuen Formen und Themen die „moderne
Dialektliteratur“ im Alemannischen hervor, ohne zuerst
Verbindung zu ähnlichen Entwicklungen in anderen
Regionen zu haben. Viele dieser jungen Autoren
studierten Germanistik und/oder Sprachen und Literatur
anderer Länder und kannten natürlich so die
zeitgenössische hochsprachliche Literatur in
Deutschland, Frankreich, England, USA oder Skandinavien,
was ihrer Mundartdichtung durchaus anzumerken ist. 1984
wurde der Wettbewerb wiederholt, die Preisträger waren
so ziemlich dieselben.
Da
die „Muettersproch-Gsellschaft“ mit dem Preis eines
Tabakkonzerns für ihr Engagement um die Heimat
ausgezeichnet wurde, war einige Jahre später Geld da, um
eine Anthologie als Folge dieses zweiten Wettbewerbs zu
finanzieren. Diese Anthologie „D Hailiecher - Junge
Mundart“ bestätigte zwar die neue Generation, brachte
aber keine neuen Impulse. Um die Autoren von 1974
entstand eine Szene, zu der neue Autorinnen und Autoren
im ungefähr selben Alter stießen. Diese sind heute die
Träger der alemannischen Mundart-LIteraturszene.
Am
28. April 2003, zum fünften Todestag von Gerhard Jung,
dem populärsten alemannischen Mundartdichter nach Johann
Peter Hebel, rief die Stadt Zell einen
Mundart-Nachwuchswettbewerb ins Leben, der sich ganz
bewusst eng an den Wettbewerb „Junge Mundart“ von 1974
anlehnte. Und das Ergebnis war überraschend. Gute Texte
von teilweise bisher unbekannten jungen Autorinnen und
Autoren konnten prämiert werden. 2006 ging die zweite
Auflage über die Bühne, wieder mit großem Erfolg. Zu den
vom ersten Wettbewerb bekannten Preisträgerinnen und
Preisträgern kamen neue hinzu. Und auch um diese hat
sich bereits eine Szene "Jüngere Mundart" gebildet.
Wenn
man kleinere, regional begrenzte Auszeichnungen wie
"Hebelplakette", "Schatzkästlein" oder Hebel-Medaille,
die oft an Mundartliteraten verliehen werden, dazu
nimmt, versteht man, wie so ein System das Interesse am
Mundartschreiben erhalten, ja oft sogar wecken kann. Der
Arbeitskreis "Mundart in der Schule" hat dies erkannt
und lobt für 2007/2008 landesweit für Baden-Württemberg
einen Wettbewerb für Schüler aller Schularten aus, mit
Gruppen- und Einzelprämierungen, ein gewaltiges
Unterfangen.
Ähnlich belebend wirken Wettbewerbe und Preise in der
plattdeutschen Szene, wo jährlich 3 bis 4 Auszeichnungen
vorgenommen werden. Am traditionsreichsten ist der
jährliche Wettbewerb der Freudenthalgesellschaft in
Soltau, der mit der größten Wirkung (mehr als 2000
Einsender) ist "Vertell doch mol" des NDR. Im
Schwäbischen, wo man sehnlichst eine Verjüngung der
Szene erhofft, fehlt so ein Anreiz. Im pfälzischen
Bockenheim, beim traditionellen und vorbildhaften
Wettbewerb, kann der Nachwuchspreis wegen fehlendem
Interesse nicht mehr vergeben werden. Vielleicht hilft
auch da ein speziell für Junge zugeschnittener
Wettbewerb? Von außen betrachtet scheint trotz allem die
Pfalz, noch zusätzlich mit den Wettbewerben "Dannstadter
Höhe" und "Sickinger Höhe", ein Mundart-Paradies, was
die Honorierung literarischer Leistungen in der eigenen
Mundart anbelangt, wobei man über die Preisgeldhöhe
einmal unbedingt neu nachdenken sollte.
Mundart-Theater
Die
wohl blühendste Sparte des Mundart-Literatur Gebrauchs
ist in den meisten Gegenden sicher das Theaterspiel. Vor
allem Laienbühnen spielen die meist heiteren
Mundartstücke. Im Elsass sind gerade sie es, die durch
die Schulung junger Schauspieler die Mundart am Leben
erhalten. Zu den vielen kleinen Bühnen kommen
semiprofessionelle Freilichtheater dazu, die oft
historische Stücke spielen. Da hat sich, meines
Erachtens, in den letzten 50 Jahren der Bestand an
gelebter Mundartliteratur, trotz eines gewissen
Rückgangs, noch am besten erhalten. Im Norddeutschen
existieren neben professionellen Bühnen "Ohnsorg-Theater"
in Hamburg und "Fritz-Reuter-Bühne" in Schwerin
ungezählte dörfliche Laienbühnen.
Aber
auch in dieser lebendigen Szene hat sich einiges
gewandelt. Spielte man bis in die 90er-Jahre noch das
reichhaltige Stücke- Potential der eigenen
Schriftsteller, werden heute sehr oft aus dem Englischen
oder Amerikanischen adaptierte Boulevardstücke mit
Comedyeffekt und viel Lust an der
Unterdergürtellinie-Komik gepflegt. Das Publikum
goutiert es.
Übersetzungen
Mit
dem Mundart-Boom in den 80er-Jahren entstanden die
Übersetzungen von Klassikern in alle möglichen
Mundarten. "Der kleine Prinz", "Asterix und Obelix" und
bekannte Teile des Neuen Testamentes, wie z.B. die
Bergpredigt, waren und sind die Favoriten und verkaufen
sich gut. Ein Bedarf an guter Mundartliteratur scheint
also, nach wie vor, vorhanden.
Ausblick- Wo ane gohsch, Mundartdichtung?
Mundartliteratur wird es dort geben, wo die Mundart noch
lebendig im täglichen Gebrauch einer größeren
Personengruppe existiert. Das ist in vielen
deutschsprachigen Gegenden der Fall. Sie wird dort aber
nur erfolgreich neben hochsprachlicher Literatur
bestehen können, wenn sie qualitätsbewusst,
gegenwartsbezogen, formal und thematisch offen etwas für
den Fortbestand gewachsener Kulturtradition und
regionalen Bewusstseins schafft. Bewahrung von
Abgelebtem und provinzieller Chauvinismus manövrieren
die Mundartliteratur direkt ins Museum.
Für
die Weiterentwicklung braucht es unter den Autorinnen
und Autoren Austausch in offener Werkstattarbeit an
Texten, dass man sich gegenseitig in den Lesungen
besucht, über das Gehörte und Gelesene spricht, es
braucht den Blick über den Tellerrand in andere
Literaturen, auch mundartliche, es braucht die
Etablierung von Veranstaltungen, die auf
schenkelklopfendes Publikum bewusst verzichten und sich
selbst ein Literaturpublikum heranziehen. Es braucht die
Kommunikation mit Medienleuten, behutsam und beharrlich,
um Lücken in der konformistischen Medienwelt aufzutun
und zu füllen. Es braucht Anreize für Jüngere und Junge,
Wettbewerbe, Preise, neue Publikationswege, den Weg in
die Schulen, Offenheit für Mischsprachformen, für neue
Ausdrucksweisen...
Tradition heißt nicht die Asche bewahren, sondern das
Feuer weitertragen. E Spruch, wo im Gustav Mahler
zuegschribe wird. Des heißt nit, dass d Arbet an de
Mundart nit wichtig wäri, aber s Entscheidendi isch d
Arbet mit un in de Mundart, hüt, mit de jetz gschwätzte
Mundart, mit de Problem un de Theme vo hüt. Der Pfälzer
Kabarettist Chako Habekost verlangt "Brutstätte statt
Pflegeheim".
Es
braucht den Schwung, die Überzeugungskraft und die
Schaffensfreude einiger weniger Menschen, die damit
beginnen. Also!
bisch am verhungere
mund art
lebsch
vom muul
in d hand
Markus Manfred Jung
Zruck
zue "Unser Sprooch"