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Marmelade

E dinns, dinns Bräädli un e dicks, dicks Miäsli (ein dünnes, dünnes Brötle und ein dickes, dickes Müsle) haben die Alten schon früher gesagt und mit dem Miäsli nicht etwa den zu neuen Weihen gelangten Getreidebrei oder die bekannte Flocken-Nuss-Mischung gemeint, sondern den süßen Brotaufstrich aus Früchten, hochdeutsch ‚Marmelade‘ oder ‚Konfitüre‘ genannt. In einer Zeit, in der Zucker und Süßigkeiten kostbar waren, war dies eine auserlesene Köstlichkeit, die den Gaumen kitzelte und das spiegelt sich auch in den Bezeichnungen wieder, die diesem Brotaufstrich landauf, landab gegeben wurden. Schlicht und einfach Guts, mit den Nebenformen Gutsi, Gu(e)tsili, Güds, Güdsi und Güdseli wird die Marmelade vom Breisgau bis nach Lörrach genannt, wobei bei den ü-Formen kindersprachlicher Einfluss angenommen wird, ebenso durch die verniedlichenden i- und -ili-Anhängsel. An vielen dieser Orte stehen diese Bezeichnungen in Konkurrenz mit der Benennung für Bonbon, meist wird aber innerhalb des Ortsdialekts streng unterschieden. Das Hueschdegüdseli, mit dem ja nicht nur das Hustenbonbon, sondern auch sehr kleine Autos bezeichnet werden, steht mit seiner Bekanntheit hierfür, denn neben dem Chuchichänschterli wird dieses Wort oft und gern als Prüfwort für Nicht-Dialektsprecher genommen, die erste Sprechversuche machen wollen.

In der Ortenau deutet das weitverbreitete Schleck oder Schlecks, mit seinen Verkleinerungen Schlecksl, Schlecksli, Schleckl oder Schleckli darauf hin, dass es sich bei dieser Frucht-Zucker-Mischung um etwas ganz besonders Leckeres handelt, während im Elztal ein anderer Aspekt hervorsticht: Dort wird die Marmelade Strichi genannt und damit ihre Streicheigenschaft betont. Hier tritt die Bezeichnung oft in Konkurrenz mit der für das ganze bestrichene Brot, dem weit verbreiteten Stricher. Vom Hotzenwald bis zum Bodensee dagegen wird einfach seine Herstellungsweise obenan gestellt. Dort spricht man von Iigmachts, Iigmags, Iibmachts, aber auch von Iikochets und, wenn es dann zum Schwäbischen hingeht, von Eigmacht und Eigmags. Doch auch das im Schwäbischen stark verbreitete Gsälz kann man im Badischen, beispielsweise auf der Baar, finden. Obwohl die Marmelade nun wirklich nichts mit Salz zu tun hat, steckt dieses Wort hier drin, denn mit Salz wurden zu einer Zeit, wo es noch keine Einmachgläser und Kühltruhen gab, viele Nahrungsmittel, besonders Fleisch, haltbar gemacht. Die Bezeichnung wurde dann beim Aufkommen anderer Konservierungsmethoden einfach auf diese Produkte übertragen.

Das eingangs erwähnte Mues oder Miäsli hat aber auch sein Stammgebiet. Vor allem im südlichen Schwarzwald ist es zu finden, oft mit der Erweiterung Beermues, ein Hinweis darauf, dass in den rauheren Lagen des Schwarzwalds vor allem Beeren als Grundlage zur Herstellung von Marmelade dienten.

Friedel Scheer-Nahor

  • Guts
  • Schlecksel
  • Strichi
  • Beermues


Entnommen aus:
Rudolf Post/Friedel Scheer-Nahor, Alemannisches Wörterbuch für Baden, hrsg. von der Muettersproch-Gsellschaft und dem Landesverein Badische Heimat, G. Braun Buchverlag, ISBN 978-3-7650-8534-5

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