Hegau - Nejigkeite

"Was ist alemannisch?" - Viele Besucher bei einem interessanten Vortrag

Wo nennt man den Hahn Gickel, Gockel oder Guller? Wo sagt man Wiese und wo Matte? Gespickt mit vielen Anekdoten, gewährte Sprachwissenschaftler Konrad Kunze, der auf Einladung der VHS und der Muettersproch-Gsellschaft nach Singen kam, den zahlreich erschienenen Zuhörern interessante Einblicke in die Vielfalt der alemannischen Sprache und stellte fest. „Das Alemannische ist der am besten erforschte und dokumentierte Dialekt weltweit. Über das Alemannische gibt es mehr Sprachatlanten und Wörterbücher, als über jeden anderen Dialekt“. Das liegt vor allem daran, dass alemannische Dialekte in Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich (Elsass), Lichtenstein, Österreich (Vorarlberg) und Italien (Aosta-Tal) gesprochen werden. In jedem dieser Länder gibt es Lehrstühle, die das Alemannische erforschen. Zur Überraschung vieler Zuhörer selbst in Florenz. Der Ursprung des Worts Alemannen reicht zurück in die Römerzeit. Nach dem Fall des Limes ließen sich die verschiedenen, meist germanischen, Volksgruppen in den fruchtbaren Regionen der Ebene nieder, nicht aber im Schwarzwald. Diesem Umstand verdanken wir die so genannte "Schwarzwald-Schranke", die eine der wichtigsten Sprachschranken innerhalb des alemannischen Sprachraums ist. Aufgrund mehrerer Sprachgrenzen gibt es zahlreiche Ausprägungen und eine Zersplitterung des Alemannischen. In Singen und entlang des Bodensees spricht man „Bodenseealemannisch“, erläuterte Kunze, der bis zu seinem Ruhestand an der Freiburger Universität lehrte. Anhand zahlreicher Karten veranschaulichte er die Arbeit der Sprachwissenschaftler und die Abgrenzung der verschiedensten Sprachgebiete. Dabei stellte er klar, dass auch Schwäbisch „nur eine Unterabteilung des Alemannischen ist“. Und wieso gibt es nun zwischen all den Herdöpfeln in Südbaden eine Gegend mit der Grumbire? Weil sie evangelisch sind. „Wenn jemand Grumbiren isst, ist er evangelisch“ bringt es Kunze nicht ganz ernst gemeint auf den Punkt und zeigte damit auch den Einfluss von ehemaligen Herrschaftsgebieten und Religion auf die Entwicklung der Sprache auf.

Südkurier vom 06.10.2014
Autor:Holger Hagenlocher

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