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Do staunt mer: D Rosemarie Banholzer hät e neus Büechle usibrocht

Neues Buch von Rosemarie Banholzer: Das Warten hat ein Ende
Werke der Konstanzer Mundartdichterin Rosemarie Banholzer gibt es endlich wieder einmal gedruckt: Im Mai kommt ein Buch mit Architekturfotos von Friedensreich Hundertwasser heraus, für das sie Gedichte geschrieben hat.

Mit einem neuen Werk in der Hand: Rosemarie Banholzer ist eine Institution in der Wahrung der seealemannischen Mundart. Im Buch mit Fotografien Hundertwassers hat sie allerdings in Schriftdeutsch gedichtet. | Bild: Philipp Zieger


Wer Rosemarie Banholzer besucht, darf nicht in Eile sein. Sie hat viel zu erzählen. Von früher, von heute und auch von morgen. Gemeinsame Stunden mit der sympathischen Mundartdichterin, die heute ihren 92. Geburtstag feiert, werden nie langweilig. Und auch ihr selbst wird nie langweilig. Sie kann das Dichten einfach immer noch nicht sein lassen. Nach zwölf Jahren Pause kommt ein neues Buch mit ihren Werken heraus, und ein Stück weit verneigt sie sich damit vor dem Künstler Friedensreich Hundertwasser.

Die 92 Jahre sind Rosemarie Banholzer nicht anzusehen. Es scheint, als werde sie nicht alt. Im Knie schmerzt die Arthrose, damit kommt sie zurecht. Einzig die Augen, die haben die Konstanzerin im Stich gelassen. Ihre Sehkraft ist extrem gesunken. Sie muss sich anderer Mittel bedienen, um etwa die Neuigkeiten aus der Zeitung zu erfahren. Ein Apparat vergrößert Texte und liest diese vor, solange sie nicht auf Alemannisch sind. Dessen ist die weibliche Computerstimme nicht mächtig. Das Schreiben fällt Rosemarie Banholzer leichter. Was sie dichtet und reimt, bringt sie ohne auf die Tastatur oder das Manuskript sehen zu müssen mit einer Schreibmaschine zu Papier. Oder auf dem Computer, da lässt sich die Schrift extrem und für sie erkennbar vergrößern, auch wenn dann nur noch einzelne Wörter auf dem Bildschirm zu sehen sind. Sie wurschtelt sich durch. Das klingt flapsig, spiegelt jedoch die Lebenseinstellung Rosemarie Banholzers wider. Sie ist mit sich im Reinen, wenn sie in einem Satz das Fazit von 92 Jahren zieht: "Ich bin sehr dankbar."

Und weil sich Rosemarie Banholzer nicht unterkriegen lässt, weil sie das Dichten nicht sein lassen kann, weil sie sich damit geistig auch vital hält, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein neues Buch herauskommt. Das Dichten für die Schublade wie einst ist längst vorbei. Drei Bücher in Schriftdeutsch und 14 in Alemannisch hat sie veröffentlicht. Am 5. Mai wird sie mit ihrem Verleger Michael Wegmann "Impressionen" vorstellen. Eine Hommage an Friedensreich Hundertwasser, Maler, Architekt, Umweltaktivist. Rosemarie Banholzer verehrt den Künstler – für seine Werke, aber auch für dessen Haltung zur Umwelt. "Er wollte die Menschheit dazu erziehen, die Natur zu schätzen", sagt die Dichterin, "der Baum war ihm heilig". Hundertwasser setzte dabei zwar auch absurde Ideen ein, "es war aber immer ein Schuss Humor dabei".


Den Grundstein für ihre Hundertwasser-Sympathie geht auf Otto von Habsburg zurück. Der verfasste ein Vorwort für das Buch "Schöne Wege", in dem der im Jahr 2000 verstorbene Künstler seine philosophischen Gedanken zusammenfasste. Habsburg brachte in wenigen Sätzen Hundertwassers Gedanken auf den Punkt – und begeisterte damit Rosemarie Banholzer. Als Michael Wegmann im Jahr 2003 eine Hundertwasser-Ausstellung konzipierte und umsetzte, las sie in Vernissagen aus Texten des Künstlers. Weil Wegmann Architekturfotos von Peter Mosdzen veröffentlichen durfte, fragte er Rosemarie Banholzer um Texte zu den im Buch gezeigten Bildern an. "Ein Drittel der Gedichte hat bereits existiert", sagt sie, die Zeilen passten zu ausgewählten Bauwerken. Die restlichen zwei Drittel der Fotos konnte sich Rosemarie Banholzer trotz ihrer geringen Sehkraft erschließen.

Und mit dem Schreiben beginnen. "Mein Wollen war, Zeitkritik daraus zu machen", erklärt sie ihre Herangehensweise. Sie nennt ein Beispiel. Auf einem Foto ist vor einem Haus ein Brunnen zu sehen. Ganz im Sinne Friedensreich Hundertwassers und dessen Nähe zur Natur geht die Dichterin auf das Wasser als überlebenswichtige Kostbarkeit ein. 48 Texte hat die Konstanzerin beigesteuert.

Die Banholzer-Anhänger werden zufrieden sein. Lange haben sie auf ein neues Druckwerk mit Texten der 92-Jährigen warten müssen. Das hat unterschiedliche Gründe. Ein Grund ist die Finanzierung von Herstellung und Druck der Bücher. Viele Freunde hätten bei der Umsetzung geholfen, um die Kosten zu senken, sagen die Autorin und ihr Verleger. An Ideen für Weiteres mangelt es ihr nicht. Es kommt vor, dass sie innerhalb einer Woche gleich zwei Gedichte schreibt – oder aber dann vier Wochen lang einmal nicht an ihrem Computer sitzt. Ihre Schublade ist gut gefüllt; mit vielen Manuskripten auch für weitere Mundartbücher. Wer weiß, vielleicht müssen sich ihre Fans nicht noch einmal so lange in Geduld üben müssen.
Die Dichterin
Rosemarie Banholzer hält die Fahne des Alemannischen hoch. Hierfür ist die Mundartdichterin mehrfach geehrt worden. Die Konstanzerin kam am 10. Februar 1925 in Konstanz zur Welt. Sie arbeitete nach dem Krieg im Südverlag, legte eine lange Familienpause ein und nahm ihre Arbeit 1976 beim SÜDKURIER als Sekretärin wieder auf. Bekannt wurde sie durch ihre Mundartgedichte auch im Konstanzer Anzeiger und in der Tageszeitung. 1999 erhielt Rosemarie Banholzer das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Vor zwei Jahren verlieh ihr die Stadt Konstanz die Goldene Ehrennadel.

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